Das Ende der Fifa, wie wir sie bisher kannten

Wir haben gestern an einem schönen Herbsttag einen historischen Augenblick erlebt. Den letzten Tag der alten Fifa.

Klaus Zaugg
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Wir haben gestern an einem schönen Herbsttag einen historischen Augenblick erlebt. Den letzten Tag der alten Fifa. Während vor dem Fifa-Hauptsitz auf dem Zürichberg Chronistinnen und Chronisten aus aller Welt auf eine Medienkonferenz warten, werden drinnen die Büros von Sepp Blatter von der Schweizer Staatsanwaltschaft durchsucht. Es ist die ultimative Demütigung für den Mann, dem noch vor ein paar Monaten auf der ganzen Welt wie einem Staatsoberhaupt hofiert worden ist.

Die Weltmedien stehen an diesem Nachmittag sozusagen im Auge des Hurrikans – und ahnen nichts. Die Titanic des Sportes hat den Eisberg der Justiz gerammt – und die meisten merken es noch nicht einmal. Diese Ahnungslosigkeit ist irgendwie typisch. Das Wesen und Wirken der barocken Fifa-Machtmenschen ist von Aussenstehenden nie richtig durchschaut worden.

Alles wird gut. Oder doch nicht?

Aber jetzt ist das Spiel aus. Es ist nicht mehr bloss die böse US-Justiz, die Sepp Blatter und seinen Spiessgesellen an den Kragen will. Nun ermitteln auch die Schweizer Kommissare. Es ist das Ende für Blatter, für seine Freunde, für die ganze Führungsriege der Fifa, für die Fifa, wie wir sie bisher kannten. Es braucht keine Reformen mehr. Nun sorgt die Justiz für Transparenz.

Jetzt wird alles gut. Oder vielleicht doch nicht? Es gibt interessante Fragen. Wie wird die neue, geläuterte Fifa sein, wenn der Sturm der US-Justiz und der Bundesanwaltschaft durch die Büros des Weltfussballs gefahren ist und wieder Windstille einkehrt? Was dürfen wir von einer Fifa ohne Blatter, Michel Platini und ihren Freunden erwarten? Redlichkeit? Lauterkeit? Transparenz?

Wir sollten uns hüten, nun von einem Neubeginn in den von Korruption und Vetternwirtschaft befreiten Landschaften des Weltfussballs zu fabulieren. Es bleibt die Fifa der 209 Mitgliedsländer, die mit ihren Repräsentanten die Kultur des Verbandes bestimmen – und die Macht haben. Eine milliardenschwere Organisation, die von der Justiz und vom Staat so wenig zu bändigen ist wie die Finanzindustrie. In mehr als 150 der Fifa-Mitgliedstaaten werden Männer wie Blatter und seine Freunde nicht als korrupte Funktionäre wahrgenommen. Sondern als Häuptlinge, als Machtmenschen verehrt. Die Fifa kann nicht nach den in der Schweiz, in Finnland oder Dänemark üblichen Grundsätzen von Transparenz geführt werden.

Gleiche Regeln, andere Aufstellung

Die Fifa und ihre Repräsentanten, wie wir sie wahrgenommen haben, glamourös, arrogant, von scheinbarer Allmacht geblendet, gibt es zwar nicht mehr. Aber ihre Nachfolger werden eher früher als später ähnlich werden. Nur: Sie werden klüger, diskreter, juristisch und politisch besser beraten sein. Sie werden bald so weitermachen wie ihre Vorgänger. So, wie es von der Mehrheit der Abgesandten der 209 Mitgliedsländer gewünscht wird.

Das Spiel ist aus. Aber bald wird das nächste Spiel angepfiffen. Nach den gleichen Regeln. Aber mit einer anderen Mannschaftsaufstellung.