«Das darf nicht sein»: Designierter neuer Gewerbeverbandspräsident ärgert sich über Knatsch

Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler hat mit Aussagen zur Konzernverantwortungsinitiative einen Streit mit Economiesuisse vom Zaun gerissen. CVP-Ständerat Fabio Regazzi, designierter Präsident des Gewerbeverbands, übt Kritik – auch an Biglers Alleingang.

Maja Briner
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Der Tessiner CVP-Nationalrat Fabio Regazzi wird voraussichtlich Ende Oktober zum neuen Präsidenten des Gewerbeverbands gewählt.

Der Tessiner CVP-Nationalrat Fabio Regazzi wird voraussichtlich Ende Oktober zum neuen Präsidenten des Gewerbeverbands gewählt.

Peter Schneider / KEYSTONE

Es ist ein Streit mit markigen Worten in aller Öffentlichkeit, den sich Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler und Economiesuisse-Direktorin Monika Rühl gerade liefern.

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband

Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer Gewerbeverband

Peter Schneider / KEYSTONE

Auslöser waren Biglers Aussagen zur Konzernverantwortungsinitiative: Er wisse noch nicht, ob er diese ablehnen werde, sagte er der «SonntagsZeitung». Das Verhalten der Konzerne sei «zunehmend unerträglich». Das liess Economiesuisse-Direktorin Rühl nicht auf sich sitzen: Sie griff Bigler frontal an und kritisierte dessen «Eskapaden».

Gar keine Freude an diesem Streit zwischen den Verbänden hat Fabio Regazzi, designierter Präsident des Gewerbeverbands. Er wolle sich nicht näher dazu äussern, sagt Regazzi, schliesslich sei er noch nicht gewählt. Der CVP-Nationalrat macht aber klar, dass ihm der Zoff nicht passt. «Wir sollten nicht unnötig Energie für Streitereien verlieren», sagt er. «Gerade in der jetzigen Situation, wo schwierige Abstimmungskämpfe anstehen, braucht es Ruhe und Einheit in den Absichten.»

Indirekt übt Regazzi auch Kritik an Biglers Aussagen zur Konzernverantwortungsinitiative. «Man sollte solche Themen zuerst innerhalb des Vorstands diskutieren», sagt Regazzi. Und:

«Es darf nicht sein, dass solche Aussagen ohne Absprache passieren.»

Regazzi hätte eigentlich Ende April zum Präsidenten des Gewerbeverbands gewählt werden sollen: Die Gewerbekammer schlug ihn als Kandidaten vor - als Nachfolger des abtretenden Jean-François Rime (SVP). Wegen der Coronakrise wurde die Wahl auf Ende Oktober verschoben.

Für mehr Zusammenarbeit

Als Präsident würde Regazzi mit Direktor Bigler zusammenarbeiten, der gerne mal provoziert. Darauf angesprochen sagt der Tessiner, Bigler sei eine «sehr intelligente und valide Persönlichkeit.» Er sagt aber auch: «Bei heiklen Themen muss sich der Direktor mindestens mit dem Präsidenten, noch besser mit dem Vorstand absprechen.» Wenn er Präsident werde, werde er dies thematisieren. Mit anderen Worten: Regazzi möchte Biglers Alleingängen einen Riegel schieben.

Und Regazzi möchte eine gute Zusammenarbeit mit Economiesuisse anstreben. «Die drei wichtigsten Wirtschaftsverbände – Gewerbeverband, Economiesuisse und Arbeitgeberverband – sollten vermehrt zusammenspielen», sagt er. Auch wenn es unterschiedliche Meinungen gebe, müsse man versuchen, den gemeinsamen Nenner zu finden und eine Front zu bilden. Denn:

«Wenn wir uns öffentlich gegenseitig attackieren, ist das nicht im Interesse der Wirtschaft und des Landes.»

Regazzis Position zur Konzernverantwortungsinitiative ist im Übrigen klar: Er lehnt diese ab. Im Parlament hatte er sich für den sanfteren Gegenvorschlag des Ständerats eingesetzt, der am Schluss obsiegte. Betroffen von der Initiative wären nicht nur die Konzerne, sagt Regazzi. «Wenn die grossen Konzerne aus irgendeinem Grund ihre Aktivitäten in der Schweiz reduzieren, trifft das auch die KMU.»

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