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Das Corona-Virus versetzt viele Menschen in Angst und sorgt für Unsicherheit – aber wie gefährlich ist es eigentlich?

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Corona-Virus gemäss den neusten Erkenntnissen.

Bruno Knellwolf, Christoph Bopp
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Bilder: Shutterstock, Getty / Montage: bgs

Wie «gefährlich» ist das neue Virus?

Diese Frage liegt jedem zuvorderst, muss aber differenziert beantwortet werden. Die wichtigsten Faktoren sind: wie ansteckend das Virus ist (2); wie schwer die Krankheitsverläufe sind (3), die es auslöst, und schliesslich wie viele Angesteckte am Virus sterben (4).

Wie ansteckend ist das Virus?

Wahrscheinlich ziemlich ansteckend. Bis jetzt nimmt man an, dass es ansteckender ist als ein «normales» Influenzavirus. Bei einer Grippewelle werden in der Regel 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung krank. Es kann sein, dass dort, wo Sars-CoV-2 grassiert, 20 Prozent der Leute vom Virus angesteckt werden. Manche Experten reden von 40 Prozent, was extrem hoch wäre und die Gesundheitssysteme überfordern würde. Seuchenmassnahmen sollen diese Zahlen niedriger halten.

Wie schwer ist der typische Krankheitsverlauf?

Es beginnt ähnlich wie bei einer Grippe: Fieber, Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, manchmal Durchfall. Das Virus ist neu. Es ist noch nicht klar, was ein typischer Krankheitsverlauf ist und wie lange er dauert. Es kann zu einer Lungenentzündung kommen (bis jetzt etwa in 20 Prozent der Fälle). Die meisten Krankheitsverläufe bleiben im milden Bereich.

Wie viele der angesteckten Patienten sterben?

Auch diese Zahl ist im aktiven Verlauf schwierig zu bestimmen, weil man nicht genau weiss, wie viele Angesteckte es überhaupt gibt. Momentane Schätzungen der Experten bewegen sich zwischen 0,4 und 1 Prozent. Das heisst: Von 1000 Infizierten sterben 4 bis 10. Das ist markant höher als bei der Grippe (1 Todesfall auf 1000 Infizierte). 1 Prozent bei Corona wäre – wenn sich die Ansteckungsrate bestätigt – sehr hoch. Die aktuellen Zahlen können zurückgehen, wenn man berücksichtigt, dass unter den bisherigen Opfern viele alte und geschwächte Personen waren.

Sie könnte aber auch so hoch bleiben oder steigen, wenn sich zeigt, dass lange Krankheitsverläufe zum Tode führen können. Die Vogelgrippe oder der Ebola-Erreger bringen bis zu 50 Prozent ihrer Opfer um. Die absoluten Opferzahlen hängen nicht nur von der «Gefährlichkeit» des Virus ab, sondern auch von den Begleitumständen. Die Spanische Grippe 1918/1919 forderte auch deshalb so viele Tote, weil Kranke nach der Grippe oft an einer bakteriellen Lungenentzündung erkrankten. Dagegen gab es damals keine Medikamente.

Wer ist besonders betroffen?

Ob es Unterschiede in der Ansteckungswahrscheinlichkeit gibt, weiss man noch nicht. Bis jetzt betrafen die schweren Fälle vor allem ältere Leute und Patienten, die an einem Nierenleiden oder Diabetes litten. Zahlen aus China deuten darauf hin, dass ab einem Alter von 50 Jahren, der Anteil der schweren Verläufe von 10 Prozent bis auf über 30 Prozent zunimmt.

Wie lange geht es, bis nach einer Ansteckung Symptome auftreten?

Die Inkubationszeit wird auf 2 bis 14 Tage geschätzt. Drei bis fünf Tage nach einer Infektion treten die ersten Symptome auf.

Gibt es einen wirksamen Impfschutz gegen Sars-CoV-2?

Impfen bedeutet, dass das adaptive Immunsystem des Menschen sensibilisiert wird, damit es das Virus erkennt und bekämpfen kann. Man kennt die Gensequenz des Virus und kann es deshalb mit einem PCR-Test (Polymerase chain reaction) nachweisen. Der Test prüft anhand eines Primers, ob der genetische Fingerabdruck des Virus in einer Probe ist. Das ist aufwendig und braucht Zeit. Aber die Kenntnis der Gensequenz erleichtert das Design eines Impfstoffs. Einzelne Unternehmen haben schon erste Tests angemeldet. Bis alles abgeklärt ist, dauert es mindestens ein Jahr.

Was kann man tun, wenn man sich angesteckt hat?

Spezielle Medikamente gibt es noch keine. Influenzamedikamente wie Tamiflu schützen nicht. Man kann nicht viel mehr tun als bei einer Grippe. Symptome bekämpfen – hier können durchaus Grippe-, Erkältungs- oder Malariamedikamente hilfreich sein –, ruhig stellen und warten, bis es vorüber ist.

Wie kann es zu einer Ansteckung kommen?

Das Virus verbreitet sich hauptsächlich durch Tröpfchen, die von Infizierten ausgehustet oder ausgeniesst werden. Deshalb sollte man zu Menschen mit Symptomen Abstand halten (1 bis 3 Meter). Sogenannte Schmierinfektionen (durch Kontakt, vor allem durch die Hände) sind möglich. Häufiges Händewaschen kann das verhindern.

Nützen Gesichtsmasken?

Operationsmasken aus der Apotheke können das Virus nicht abhalten. Sie sind sinnvoll, um die Virusverbreitung zu verhindern, wenn man angesteckt ist oder auch nur Husten oder Schnupfen hat.

Lässt sich Covid-19 stoppen?

Das Virus verbreitet sich schneller als ursprünglich gedacht. Ob die Abwehrmassnahmen die Ausbreitung so weit verlangsamen, dass die Epidemie unter Kontrolle bleibt, weiss man nicht. Die bisherigen Epidemien (Sars 2002/ 2003, Schweinegrippe 2009) konnten mit überschaubaren Schäden eingedämmt werden. Die Ausbreitung war aber nicht so schnell wie bei Covid-19.

Bis jetzt hat die WHO den Pandemiefall noch nicht erklärt. Was würde das bedeuten? Als Reaktion auf den Sars-Ausbruch im Jahr 2003 hat die WHO die «International Health Regulations» entwickelt. Diese sehen unter anderem vor, dass Länder mit schlechten Gesundheitssystemen von reicheren Ländern Geld für die Virus-Bekämpfung erhalten. Für die Schweiz hat dies im Land selbst keine Auswirkung. Da tritt der «Influenza-Pandemieplan Schweiz» in Kraft.

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