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Das 5G-Mysterium von Urnäsch: Swisscom wirbt mit Antenne, die noch gar nicht sendet

Der ultraschnelle, aber auch umstrittene Mobilfunkstandard 5G hält Einzug in Schweizer Städten und Dörfern. Swisscom wirbt damit, dass Urnäsch bereits über ein ultraschnelles Internet verfügt. Kanton und Gemeinde widersprechen.
David Scarano, Philipp Wolf
Sendet sie schon? Die 5G-Antenne bei der Anlage Färchen/Horst in Urnäsch. (Bild: Philipp Wolf (Urnäsch, 15. Mai 2019))

Sendet sie schon? Die 5G-Antenne bei der Anlage Färchen/Horst in Urnäsch. (Bild: Philipp Wolf (Urnäsch, 15. Mai 2019))

Die Swisscom rührt für die neue Mobilfunktechnologie 5G mit der grossen Kelle an. In einer achtseitigen Beilage in der letzten Ausgabe der «Sonntagszeitung» wirbt der Branchenführer für ein «ultraschnelles Internet» für «Stadt und Land». Bis Ende Jahr will er die gesamte Schweiz abdecken. Doch einige Regionen müssen gemäss Werbung nicht so lange warten: Bereits heute würden Städte und ländliche Regionen von 5G profitieren, schreibt der staatsnahe Betrieb.

Er nennt neben St. Moritz, Braunwald und Lyssach, auch Urnäsch – und stiftet in Ausserrhoden grosse Verwirrung. Nicht nur Urnäscherinnen und Urnäscher waren überrascht zu lesen, dass in der Hinterländer Gemeinde die technologische Zukunft klammheimlich bereits Einzug gehalten hat. Aber wie sich zeigt, stimmt die Ankündigung von Swisscom nach Angaben der kommunalen und kantonalen Behörden nicht. Sie erfolgte wohl zu früh.

Einen ersten Anhaltspunkt findet sich auf der Website des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom). Wer einen Blick darauf wirft, findet von der Hinterländer Antenne keine Spur. In einer aufgeschalteten interaktiven Karte mit allen aktuellen 5G-Standorten in der Schweiz ist Ausserrhoden verwaist. Einzig Innerrhodens Hauptort Appenzell leuchtet gelb.

Heisse Kartoffel wird rumgereicht

Die 5G-Technologie ist höchst umstritten. Vielerorts warnen Gegner vor Gesundheitsschäden. Der Widerstand wächst von Woche zu Woche. Das Genfer Kantonsparlament hat etwa eine Motion überwiesen, die ein Moratorium verlangt. Vor rund einer Woche demonstrierten Hunderte Personen in Bern gegen die Einführung des neuen Handystandards. Wie emotional aufgeladen das Thema ist, zeigen die Recherchen in Urnäsch. Die kommunale Bauverwaltung will keine Stellung nehmen zu Fragen, welche die breite und zum Teil besorgte Bevölkerung brennend interessieren: Gab es ein Gesuch für die Antenne? Wann und warum hat es die Gemeinde oder der Kanton bewilligt? Gingen Einsprachen ein?

Die Behörde verweist an die verantwortliche Gemeinderätin Cornelia Weiler. Und sie widerspricht Swisscom. «Zum heutigen Zeitpunkt gibt es in Urnäsch keine 5G-Antenne», erklärt sie resolut. Mehr will sie nicht sagen. Sie ergänzt einzig: «Zu laufenden oder geplanten Baugesuchen gebe ich keine Stellungnahme ab.» Und schliesslich reicht auch sie die heisse Kartoffel weiter, an den Kanton. Peter Federer, Abteilungsleiter Luft, Boden und Mobilfunk, wiederholte gestern Weilers Aussage. «Die 5G-Antenne in Urnäsch ist nicht aufgeschaltet. Der zuständige Ingenieur der Swisscom hat dies bestätigt.»

Braucht es eine neue Bewilligung?

Ganz anderes hatte es zuvor bei Swisscom getönt. Die Medienstelle nannte auch den exakten 5G-Standort: Färchen/Horst. Sie äusserte sich zudem zum Bewilligungsfahren, nicht nur in Ausserrhoden. Bei rund jedem dritten Baugesuch für Mobilfunkantennen stosse das Unternehmen auf Widerstand und Einsprachen. In Urnäsch soll dies aber nicht der Fall gewesen sein, denn laut Swisscom brauchte es kein neues Gesuch.

Wörtlich heisst es in der schriftlichen Antwort: «5G konnte mittels eines Bagatellfalles mit der bestehenden Baubewilligung realisieren werden.» Für die Urnäscher Bevölkerung würde dies bedeuten: Sie hätte überhaupt keine Einsprachemöglichkeiten mehr. Für die Ausserrhoder Kantonsverwaltung stellt sich die Sachlage allerdings nicht so deutlich dar. Laut Peter Federer klärt der Rechtsdienst derzeit ab, ob das Telekommunikationsunternehmen ein neues Gesuch für 5G stellen muss oder die bestehende Baubewilligung reicht.

Diese sei im vergangenen Jahr für eine neue Antenne erteilt worden, welche bestehende Frequenzen nutzt. «Solange die rechtliche Frage nicht geklärt ist, wird die 5G-Antenne in Urnäsch nicht freigegeben», sagt Federer. Wie lange die Abklärung dauert, ist unklar. Solange müssen die Urnäscher ohne superschnelles Internet auskommen.

Video: Sunrise-CEO: «Kritik an 5G bremst Ausbau»

Sunrise will UPC übernehmen, doch Grossaktionär Freenet sträubt sich gegen eine Kapitalerhöhung. CEO Olaf Swantee ist dennoch überzeugt, dass er die Aktionäre auf seiner Seite hat: «Wir haben schon 170 Investoren getroffen und das Projekt ist bei vielen positiv angekommen.» Die zweite grosse Baustelle bei Sunrise ist 5G. Bis Ende Jahr soll das Netz flächendeckend sein, doch die wachsende Kritik an den 5G-Antennen bremst laut Swantee den Ausbau. Im Video-Interview mit AWP/SDA nimmt der CEO Stellung zu den Vorwürfen der Gegner.

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