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Darum verspricht der Veloartikel zu viel:
die Vorlage im Faktencheck

Die Befürworter des Veloartikels versprechen einiges: Mehr Sicherheit, weniger Stau, und eine positive Auswirkungen auf die Umwelt und Volksgesundheit. Was ist dran an den Versprechen?
Barbara Inglin
Wird Velofahren sicherer bei einem Ja zum Veloartikel? Wir haben nachgefragt. (Bild: Key/Christian BEutler (Zürich, 10. April 2017))

Wird Velofahren sicherer bei einem Ja zum Veloartikel? Wir haben nachgefragt. (Bild: Key/Christian BEutler (Zürich, 10. April 2017))

Der Veloartikel, über den am 23. September abgestimmt wird, hat kaum Gegner. Entsprechend einseitig verläuft der Abstimmungskampf. Die Befürworter können fast unwidersprochen dafür werben, dass der Veloverkehr in der Schweiz verstärkt gefördert werden soll. Wir haben die Argumente genauer unter die Lupe genommen.

Verkehrsspitzen brechen

Heute setzen viele auch für Kurzstrecken auf das Auto oder den öffentlichen Verkehr - und sorgen so für verstopfte Strassen und überfüllte Busse. Wird das Velowegnetz besser, steigen vermehrt Personen auf das Velo um, hoffen die Befürworter. All zu gross dürfte die Verkehrsentlastung allerdings nicht ausfallen.

Zwar rechnet das Bundesamt für Raumentwicklung damit, dass der Veloverkehr bis im Jahr 2040 um 33 Prozent zunehmen wird. Allerdings werden selbst dann nur 2 Prozent aller Personenkilometer mit dem Velo zurückgelegt. Wird vermehrt in Velowege investiert, steigt der Veloanteil gemäss der Studie des Bundesamtes auf 2,2 Prozent. Der Bundesrat rechnet in seiner Botschaft damit, dass durch den Ersatz von kurzen Autofahrten 1 bis 3 Prozent der Verkehrsleistungen auf den Langsamverkehr verlagert werden.

Positive Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit

Veloverkehr verursacht weder Lärm noch Abgase. Der Energieverbrauch beschränkt sich auf die eigene körperliche Anstrengung, sofern kein Motor zur Unterstützung eingebaut ist. Und selbst E-Bikes sind verhältnismässig umweltfreundlich unterwegs. Im Vergleich zum Strassen- und Schienenverkehr schneidet das Velo somit deutlich besser ab. Auch hier steigt und fällt der positive Effekt für die Umwelt aber mit der Zahl der Personen, die tatsächlich aufs Velo umsatteln.

Komplexer sind die Auswirkungen auf die Gesundheit der einzelnen Velofahrer. Grundsätzlich ist Bewegung gut für die Gesundheit. Personen, die regelmässig mit dem Velo unterwegs sind, sind gemäss Studien seltener krank und leben länger. Die Allgemeinheit profitiert von tieferen Spitalkosten und geringeren Produktionsausfällen. In einer Studie des Bundes wird die Ersparnis auf 452 Millionen Franken geschätzt.

Negativ zu Buche schlägt allerdings die hohe Unfallquote der Velofahrer. Während die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Strassenverkehr zurückgeht, passiert bei den Velofahrern das Gegenteil. Allein im letzten Jahr kamen 30 Velofahrer auf Schweizer Strassen ums Leben, 818 wurden schwer verletzt. Ein Grund für diese Entwicklung ist die immer grösseren Verbreitung von E-Bikes, die mit hohem Tempo unterwegs sind. Gemäss einer Studie des Bundes belaufen sich die Unfallkosten der Velofahrer auf jährlich 525 Millionen Franken.

Verkehrssicherheit wird erhöht

Markierte Velostreifen und Velowege führen zu mehr Sicherheit. Auf den ersten Blick scheint die Aussage mehr als logisch. Ganz so einfach ist es aber nicht. Denn statistisch untersucht wurde der Zusammenhang bis anhin nicht. Experten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) sind aufgrund von Erfahrungswerten aber davon überzeugt, dass ausserorts die Sicherheit steigt, wenn Auto- und Veloverkehr auf klar abgetrennten Fahrbahnen unterwegs sind.

Weniger eindeutig ist der Befund der bfu-Experten für getrennte Verkehrswege innerorts. Hier ist manchmal auch der Mischverkehr, ohne jegliche Veloinfrastruktur, die beste Lösung. Denn werden Verkehrswege getrennt, müssen diese auch irgendwo wieder zusammengeführt werden. Wo der Veloweg in die Strasse einmündet, kann eine neue gefährliche Verkehrssituation entstehen. "Es gilt, jeweils den Einzelfall zu prüfen und den Sicherheitsgewinn gegen das neue Risiko abzuwägen", sagt bfu-Sprecher Marc Kipfer.

Auch markierte Velostreifen führen laut Einschätzung der bfu-Experten nicht in jedem Fall zu mehr Sicherheit, teilweise steigt das Unfallrisiko gar. Ein möglicher Grund dafür ist, dass sich die Velofahrer aufgrund der Markierung in falscher Sicherheit wiegen - physisch geschützt sind sie auf dem Velostreifen aber nicht, und oft sind die Streifen auch zu schmal. "Hier muss ebenfalls jede Situation einzeln beurteilt werden, es gibt kein allgemein gültiges Rezept", sagt Kipfer.

Tourismus profitiert

Die Schweiz ist im Velotourismus bereits gut aufgestellt. Jährlich generieren Velotouren in der Schweiz einen Umsatz von gegen drei Milliarden Franken. "Das Potenzial ist damit aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft", sagt Tourismusexperte Urs Wagenseil von der Hochschule Luzern.

Werde das Routennetz noch mehr verdichtet und optimiert, könnten weitere Velotouristen hinzugewonnen werden. Wagenseil verweist auf den Boom bei den E-Bikes. "Damit können alle, auch ältere Personen, grössere Distanzen, anspruchsvollere Strecken und mehr Höhenmeter bewältigen." Auch für Berggebieten sieht Wagenseil im Bike- und Velotourismus eine Chance, um Ertragsausfälle in schneearmen Wintern wenigstens teilweise zu kompensieren.

Föderalismus und Mehrkosten

Die Gegner des Veloartikels führen föderalistische und finanzielle Argumente ins Feld. Kantone und Gemeinden sollen weiterhin allein für Planung, Bau und Unterhalt der Velowege zuständig sein. Eine Einmischung des Bundes sei unnötig, und könne teuer werden.

Tatsächlich bleiben besagte Aufgaben weiterhin bei Kantonen und Gemeinden. Der Bund wird nur unterstützend aktiv, etwa indem er Standards zu Qualität und Sicherheit entwickelt oder Geodaten für Karten und Apps bereitstellt. Die gleiche Aufteilung hat sich bei den Fuss- und Wanderwegen bereits bewährt. Gemeinden und Kantone haben damit gute Erfahrungen gemacht, und stehen deshalb hinter dem Veloartikel. Auch die finanziellen Auswirkungen für den Bund halten sich in Grenzen. Auf Bundesebene wird, wie bei den Fuss- und Wanderwegen, mit Mehrkosten von rund 1,8 Millionen Franken pro Jahr gerechnet.

Fazit: Die Förderung des Veloverkehrs hat durchaus positive Auswirkungen, überschätzt werden dürfen diese aber nicht. Pendlerstau und erhöhte Unfallgefahr verschwinden auch bei einem Ja zum Veloartikel nicht.

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