Damit sie nicht Ausländern in die Hände fallen: Organisation will historische Hotels retten

Eine neue Trägerschaft kämpft gegen den Ausverkauf in der Schweizer Hotellerie. Ihre Feinde sind ausländische Spekulanten.

Rahel Koerfgen
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Eine Perle: Das Grand Hôtel Sonnenberg wird verkauft

Eine Perle: Das Grand Hôtel Sonnenberg wird verkauft

Bild: keystone

Was macht den Reiz des Reiselandes Schweiz aus? Die Vielfältigkeit der Natur auf kleinstem Raum, die kurzen Reisewege, die gute Infrastruktur auch. Und eine Vielzahl historischer Hotels. Schmucke Kästen mit Seele und Patina, die, schreitet man durch ihre Gänge, Geschichten flüstern von Reisen aus einer vergangenen Epoche.

Zu diesen Zeitzeugen gehört das Grand Hôtel Sonnenberg in Seelisberg, 1875 erbaut, seit 1972 im Besitz einer Yogi-Bewegung. Vor rund einer Woche wurde nun bekannt, dass es zum Verkauf steht– und die Chancen, dass es die neuen Besitzer wie einst als Hotel führen werden, sind klein. Obschon sich das «Sonnenberg» in unmittelbarer Nähe der Rütliwiese befindet.

100 Kilometer südöstlich von Seelisberg thront das Hotel Waldhaus in Flims unweit des Caumasees. Das gehobene Bergresort aus dem 19.Jahrhundert befindet sich heute im Besitz einer amerikanischen Immobilienentwicklungsfirma; die Vorbesitzer gingen vor fünf Jahren Konkurs, das Haus wurde an den Meistbietenden verkauft. Das sei ärgerlich, sagt Franz-Xaver Leonhardt: «Das Haus wurde unter der Ägide dieser Firma nach internationalem Standard renoviert, ohne die Geschichte des Hotels und denkmalschützerische Aspekte zu berücksichtigen.» So habe der Ort an wertvoller historischer Substanz verloren, etwa ein Triptychon von Giovanni Giacometti. Die Einzigartigkeit des Hauses, so ist Leonhardt überzeugt, sei damit verloren gegangen.

Bild: Keystone

Wo die «Grandezza» noch spürbar ist

Leonhardt leitet in Basel die Hotel- und Gastrogruppe Krafft. In der nächsten Zeit wird er da kürzertreten müssen. Wie er gegenüber CH Media bestätigt, hat er vor wenigen Tagen die Firma Historic Hotel AG mit einem Aktienkapital von über 250'000 Franken ins Handelsregister von Basel-Stadt eintragen lassen, mit sich als Delegierten des Verwaltungsrates und dem Notar Andreas Miescher als Präsidenten.

Das Ziel dieser AG, zu 100 Prozent eine Tochter des gemeinnützigen Vereins Swiss Historic Hotels, wo Leonhardt als Vizepräsident amtet: Weitere Verluste von historischen Schweizer Hotels verhindern. Denn das Hotel Waldhaus in Flims sei beileibe kein Einzelfall, so Leonhardt. Die Gesellschaft bezwecke ab sofort den Erwerb und danach das dauerhafte Halten und Pflegen von historischen Hotels – in der Schweiz gibt es noch ungefähr deren 60 –, um diese als Kulturgut und die Schweiz als attraktives und nachhaltiges Reiseland langfristig zu erhalten. «So können Häuser, die zum Verkauf stehen, der internationalen Spekulation entzogen werden – und die historische Bausubstanz wird auch gesichert.»

Mit Spenden werden Renovationen unterstützt

Entstanden ist die Idee, eine solche Organisation ins Leben zu rufen, vor fünf Jahren nach dem Verkauf des Hotel Waldhaus an die Amerikaner – und nicht etwa während der Coronakrise, die die Existenz vieler Hotels bedroht. Leonhardt setzte sich mit den Freunden der Swiss Historic Hotels zusammen, die mittels Spenden bereits in der Vergangenheit in die Jahre gekommene Hotels bei kleinen Renovationen und Umbauten unterstützten – auch eines seiner eigenen, das «Krafft» in Basel.

Nun wurde die Idee umgesetzt, und das Projekt ist so frisch, dass Schweiz Tourismus durch CH Media davon erfuhr. In einer ersten Reaktion begrüsst Sprecher Liên Burkhard die Initiative und sagt, Schweiz Tourismus erachte den Erhalt historischer Hotels als sehr wichtig. «Das Tourismusland Schweiz darf auf eine lange Gastgebertradition zurückblicken und wird dafür auch geschätzt.» Gesucht werde das Rundumerlebnis, das sich durch die reiche Kultur und Geschichte dieser Art von Hotels einstelle, und wo auch oft noch die «Grandezza», die man von früher kenne, spürbar sei.

Mit einem Hotel laufen schon Verhandlungen

Das Startkapital über 250'000 Franken für die Historic Hotel AG stamme von einer Grossspende, «von jemanden, der an diese Idee glaubt», sagt Leonhardt vage. Nun sei es seine Aufgabe, weitere Spender zu überzeugen – und mögliche Übernahmeprojekte zu prüfen. Mit einem Hotel stehe man bereits in Verhandlung, spruchreif sei noch nichts. Leonhardt sagt, bis in zehn Jahren wolle die AG bis zu zehn Hotels besitzen. Der Hotelier betont: «Wir fungieren dabei als Ermöglicher, nicht als Bank. Der Betrieb des Hotels muss selbsttragend sein.»

Noch stehen der Trägerschaft aber nicht genug Spenden zur Verfügung, um auf grosse Einkaufstour zu gehen. Deshalb dürfte das Hotel Sonnenberg für die Historic Hotel AG unerreichbar bleiben: Der Verkaufspreis ist auf 27,5 Millionen Franken veranschlagt.