Dänemark: Beste Altersvorsorge der Welt

Niels Anner, Kopenhagen
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Vorreiter In Sachen Pension macht man Dänemark nicht so schnell etwas vor. So jedenfalls sehen das australische Wissenschafter, die jedes Jahr mit dem Beratungsunternehmen Mercer eine Rangliste der besten Altersvorsorgen erstellen. Seit fünf Jahren steht Dänemark an der Spitze; zuletzt erhielt es zusammen mit den Niederlanden als einziges Land die Bestnote A sowie über 80 von 100 Punkten. Die Schweiz ist auf Rang 6 mit 68 Punkten, in einer Gruppe mit der Note B, zu der Schweden, Finnland, Kanada und Chile gehören.

Der «Mercer-Index» vergleicht Rentenleistungen, Finanzierung und Verständlichkeit der Rentensysteme. Die Analyse macht keine Aussagen über den Lebensstandard von Senioren; auch auf die Qualität des Gesundheitssystems oder Eigenheiten der Sozialversicherungen geht sie nicht ein. Dennoch gilt der Vergleich von 27 Ländern als umfassendster seiner Art.

Robustes System dank vier Säulen

Dänemark verdient sich den ersten Platz mit einem «robusten» Rentensystem aus vier Säulen: ein Mix aus Volkspension (AHV), einer obligatorischen Pensionskassenstiftung, an Tarifverträge oder den Arbeitgeber geknüpfte Pensionskassen sowie individuellen Vorsorgelösungen. Positiv werden zudem die im Verhältnis zu den Löhnen hohen Beiträge sowie grosse Pensionsvermögen vermerkt. Und dass die Politik zuletzt erfolgreich Anreize zu mehr individueller Altersvorsorge geschaffen hat; die Verantwortung eines kollektiven Rentensystems wie der Schweizer AHV sinkt deshalb. Dies führe zu einem stabileren System, heisst es im Mercer-Index, doch müsse dieser Trend sich fortsetzen, empfehlen die Experten. Zudem sei eine höhere Beschäftigungsquote der Senioren nötig.

Automatischer Anstieg des Pensionsalters

Reformen des Rentensystems und heftige Debatten darüber sind trotz Bestnote auch in Dänemark alltäglich. Grundlage der heutigen Situation ist ein radikaler Beschluss von 2006: Damals einigten sich alle wichtigen Parteien auf ein System, das das Rentenalter an die Lebenserwartung knüpft, wobei alle fünf Jahre neu reguliert wird. Ab 2019 beginnt die schrittweise Erhöhung des heutigen Rentenalters 65 – bis die Dänen 2022 bis 67 arbeiten müssen. 2030 ist es bereits 68, die Entwicklung ist nach oben offen. Im Durchschnitt soll das Pensioniertenleben 14,5 Jahre dauern. Heute sind es allerdings 18 Jahre. Der liberale Regierungschef Lars Lökke wollte deshalb eine Beschleunigung des Anstiegs durchsetzen: 2025 sollte die Pensionierung erst mit 67,5 statt mit 67 erreicht werden. Das halbe Jahr Unterschied machte politisch viel aus; der funktionierende Konsens stiess an Grenzen. Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Rechtspopulisten machten erfolgreich mobil dagegen. Damit ist der Vorschlag vorerst vom Tisch. Stattdessen wurde ein Paket beschlossen, das motivieren soll, länger auf dem Arbeitsmarkt zu bleiben. Dazu gehören punktuelle Steuererleichterungen, neue Sparmöglichkeiten und die Kürzung von Sozialleistungen für Einwanderer.

Niels Anner, Kopenhagen