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Kommentar

CVP hat die Kurve gekriegt

Die Bundesratskandidatenkür drohte zur Peinlichkeit auszuarten, eine weitere Niederlage der Partei schien programmiert. Doch die CVP hat gehörig überrascht.
Eva Novak
Eva Novak.

Eva Novak.

Wochenlang hat die CVP ein trauriges Bild abgegeben. Während die Freisinnigen schon früh mit Karin Keller-­Sutter, einer souveränen Kandidatin mit Bundesrätinnenformat, auftrumpfen und in der Person von Hans Wicki noch gleich einen Alibi-Mann ins Rennen schicken konnten, lichtete sich das Kandidatenfeld der Christlichdemokraten bedenklich. Die Kandidatenkür drohte zur Peinlichkeit auszuarten. Eine weitere Niederlage der Partei, die seit Jahren von Niederlage zu Niederlage eilt, schien programmiert.

Die meisten Beobachter gingen davon aus, der Zuger Ständerat Peter Hegglin werde innerhalb der Fraktion das Rennen machen – auch die Schreibende. Vielleicht wäre der ehemals oberste Finanzdirektor der Kantone ein guter Bundesrat geworden, vielleicht gerade, weil er kein Freund der grossen Auftritte und nicht besonders eloquent ist. Und vielleicht hätten ihm seine eigenen Leute verziehen, dass er nicht mal einen ganzen Satz auf Französisch zu Stande bringt. Zumindest früher.

Doch die Zeiten, in denen die CVP noch über zwei Regierungssitze verfügte,zuderen Besetzung ein eindrücklicher Leistungsausweis und ein Netzwerk in Bundesbern genügten, sind vorbei. Es reicht nicht, sich auf den Lorbeeren auszu­ruhen, eine eigene Webseite einzurichten und eine Home­story in der «Schweizer Illustrierten» zu platzieren. Man muss sich seriös vorbereiten, professionell beraten lassen und vor allem bei den Parlamentskolleginnen und -kollegen rechtzeitig sondieren, ob denn mit ihrem Rückhalt zu rechnen sei. Für die CVP erweist sich jetzt als Glück, dass ihr einziger männlicher Kandidat seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Weil sich Hegglin wider Erwarten als tapsiger Anfänger verhielt, geschah das Undenkbare: Anstelle des altgedienten Mannes setzten die Fraktionskollegen und -kolleginnen zwei Frauen aufs Ticket. Nicht nur die ihnen bestens vertraute Vize-Fraktionschefin Viola Amherd aus dem Wallis, sondern auch die in Bundesbern weitgehend unbekannte Regierungsrätin Heidi Z’graggen aus den Urner Bergen.

Die eine gilt als eher links, die andere als eher rechts. Chancen haben beide. Die wochenlang herumgebotenen Geheimpläne einer angeblichen rechten Verschwörung mit dem Ziel, Parteipräsident Gerhard Pfister in den Bundesrat zu hieven, sind damit vom Tisch. Langweilig wird es trotzdem nicht, im Gegenteil: In den verbleibenden zehn Tagen bis zur Wahl darf nun darüber gerätselt werden, welche der beiden Frauen das Rennen macht. Massgeblich dazu beitragen werden die Hearings, auf die sich nun nicht nur die Parlamentarier der restlichen Parteien freuen dürfen. Sondern die Bürgerinnen und Bürger gleich mit. Kurz: Dem Land steht wieder einmal eine spannende Bundesratswahl bevor. Und das ist nicht der FDP zu verdanken, nachdem die Wahl von Karin Keller-Sutter so gut wie sicher ist. Sondern der CVP. Zumindest bis zur Wahl am 5. Dezember werden alle Augen auf sie gerichtet sein. Und danach kann sie sich damit brüsten, während Jahrzehnten mit einer Frau in der Landes­regierung vertreten zu sein.

Lange Zeit sah es trist aus um die Partei der Mitte, jetzt hat sie die Kurve gekriegt. Zu verdanken hat sie das sicher auch einer klugen Strategie. Vor allem aber hat die CVP die Gunst der Stunde zu nutzen gewusst. Auch das kann in der Politik eine Kunst sein.

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