CVP erobert Regierungssitz zurück

Die Zürcher Regierung wird bürgerlicher. Der Grüne Justizdirektor Martin Graf, der im Fall «Carlos» in die Kritik geraten war, verpasste die Wiederwahl. Dafür kehrt die CVP in die Kantonsregierung zurück.

Eveline Rutz
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Über den Fall «Carlos» gestrauchelt: Der abgewählte Zürcher Justizdirektor Martin Graf (Grüne). (Bild: ky/Walter Bieri)

Über den Fall «Carlos» gestrauchelt: Der abgewählte Zürcher Justizdirektor Martin Graf (Grüne). (Bild: ky/Walter Bieri)

ZÜRICH. Vom grossen Gewinner zum grossen Verlierer: Nach vier Jahren in der Zürcher Regierung muss Martin Graf (Grüne) seinen Sessel räumen. In einem eigentlichen Wahlkrimi ist er gestern auf dem achten Platz gelandet. Auf Jacqueline Fehr (SP/115 618 Stimmen), die den freiwerdenden SP-Sitz verteidigen konnte, büsste er 5987 Stimmen ein. Noch deutlicher an sich vorbei ziehen lassen musste er Carmen Walker Späh (FDP/116 058 Stimmen) und Silvia Steiner (CVP/ 118 477). Letztere luchste ihm den vor vier Jahren ergatterten Sitz wieder ab; erstere verteidigte das Mandat der FDP.

Zu keinem Zeitpunkt zittern mussten Thomas Heiniger (FDP/150 557 Stimmen), Mario Fehr (SP/146 307), Ernst Stocker (SVP/145 205) und Markus Kägi (SVP/136 563). Chancenlos blieben die Kandidaturen von Alternativen Liste (AL), BDP und EVP.

Wie Löwen gekämpft

«In der Politik muss man immer mit Niederlagen rechnen», sagt Graf. Als ehemaliger Leichtathlet könne er damit umgehen, auch wenn es im Moment schmerze. Sein Scheitern habe mit dem Einbruch der Grünen zu tun. Geschadet habe ihm aber auch die nicht immer faire Berichterstattung im Fall «Carlos». «Viele haben nicht begriffen, dass ich der Justiz keine Aufträge erteilen kann.» Man könne Graf keinen Vorwurf machen, so Parteipräsidentin Marionna Schlatter. Er habe solide Arbeit geleistet und einen äusserst engagierten Wahlkampf geführt. «Wir haben wie Löwen gekämpft.»

Grosser Erfolg für die CVP

Einen sensationellen Erfolg konnte hingegen CVP-Kantonsrätin Silvia Steiner verbuchen. Sie profitierte massgeblich von der bürgerlichen Zusammenarbeit. So schaltete die SVP in den letzten Tagen für die CVP-Kantonsrätin noch eifrig Plakate. Eine Unterstützung, die 2011 noch undenkbar war. Ein anonymes Flugblatt aus dem Umkreis der Sterbehilfeorganisation Dignitas hat ihr zudem mehr genützt, als geschadet. Es machte sie kantonsweit bekannt. «Ich bin extrem erleichtert», sagt Steiner. Die Stimmbürger wünschten sich offenbar mehr Stabilität und Sicherheit. Die Staatsanwältin räumte ein, dass ihr die frei werdende Justizdirektion zusagen würde. «Manchmal ist es aber auch schön, etwas Neues anzupacken.»

Bürgerliche gestärkt

Mit der Rückkehr der CVP rutscht der Zürcher Regierungsrat nach rechts. Das linke Lager stellt statt drei nur noch zwei Vertreter, was auch der siegreichen SP Kopfzerbrechen bereitet. «Wir werden es schwerer haben, unsere Anliegen durchzubringen», ist sich Parteipräsident Daniel Frei bewusst. Und auch Jacqueline Fehr sagt: «Das Ausscheiden der Grünen ist bedauerlich.» Was dies konkret bedeute, lasse sich aber noch nicht abschätzen.

Die SP-Nationalrätin profitierte von ihrer nationalen Bekanntheit. «Sie hat mir auch in bürgerlichen Kreisen Türen geöffnet.» Dennoch musste die Winterthurerin hart kämpfen. Den gestrigen Wahlsonntag erlebte sie allerdings als weniger nervenaufreibend als FDP-Kandidatin Carmen Walker Späh. Diese machte in den Hochrechnungen mal Stimmen gut, mal verlor sie. «Es war ein emotionales Auf und Ab», sagt Walker Späh. Nun freue sie sich auf die neue Aufgabe. Für den gescheiterten Graf geht das Tagesgeschäft morgen vorerst weiter. Im Kantonsrat hat er verschiedene Geschäfte zu vertreten. Definitiv Abschied nehmen muss er spätestens am 17. Mai, ehe sich der neue Regierungsrat konstituiert.

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