Couchepin ohne Handy

Nationalrat Christoph Mörgeli (SVP) kann beruhigt sein: Dass sich Pascal Couchepin dereinst einmal auch am Handy einen Versprecher leistet, ist unwahrscheinlich. Seit gestern wissen wir: Unser Bundespräsident macht nicht jede technische Entwicklung mit.

Drucken
Teilen

Nationalrat Christoph Mörgeli (SVP) kann beruhigt sein: Dass sich Pascal Couchepin dereinst einmal auch am Handy einen Versprecher leistet, ist unwahrscheinlich. Seit gestern wissen wir: Unser Bundespräsident macht nicht jede technische Entwicklung mit. Er telefoniert noch ausschliesslich mit dem Festnetz. «Ich habe kein Natel. Und ich habe auch nicht vor, eines zu kaufen», sagte Couchepin in der Fragestunde des Nationalrats. Franziska Teuscher (Grüne) wollte wissen, ob es nicht Aufgabe des Bundesrates sei, die Konsumenten auf das Risiko von Hirntumoren beim Handytelefonieren hinzuweisen. Couchepin ist diesem Risiko, über das (noch) keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, durch Verzicht elegant ausgewichen.

Die Natel-Abstinenz des Bundespräsidenten war gestern auf jeden Fall kein Nachteil. Auch wache Ohren hätten Mühe gehabt, einen Klingelton zu hören. Stundenlang trommelten in Orange gehüllte Menschen auf dem Bundesplatz, johlten und stimmten schon Gesänge an, als die Sonne noch am höchsten stand. Ein ganzer Platz in den eigenen Farben – welcher Parteipräsident träumt nicht davon! Aber auch CVP-Chef Christophe Darbellay dürfte schnell klar geworden sein, dass die Tausenden von Menschen nicht seine Nominierung für den Walliser Staatsrat forderten, sondern die Namen unbekannter Politiker wie van der Sar oder van Nistelrooy skandierten. Die vorhersehbare Aufregung vor dem Bundeshaus war der Grund, warum der Ständerat zu Beginn der dritten Sessionswoche keine Sitzung abhielt: zu nahe liegt die kleine Kammer an der «Lärmzone». In der «chambre de réflexion» ist man sich das Schreien schlicht nicht gewohnt. Der Nationalratssaal dagegen ist auf der andern Seite des Bundeshauses und damit ruhiger gelegen. In der grossen Kammer ging es um Entwicklungshilfe. Die geht übrigens in die Länder des Südens und nicht nach Holland. Jürg Ackermann, Bern

Aktuelle Nachrichten