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Couchepin, Leuthard, Calmy-Rey und Co.: Altbundesräte im Wahlkampffieber

Im Wahlkampf für die letzten Ständeratssitze legt sich gleich eine Handvoll ehemaliger Magistraten für einen Kandidaten ins Zeug.
Sven Altermatt
Im Jahr 2008 sassen sie noch gemeinsam im Bundesrat, jetzt engagieren sie sich im Ständeratswahlkampf (v.l.): Pascal Couchepin (FDP), Doris Leuthard (CVP) und Micheline Calmy-Rey (SP). (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Im Jahr 2008 sassen sie noch gemeinsam im Bundesrat, jetzt engagieren sie sich im Ständeratswahlkampf (v.l.): Pascal Couchepin (FDP), Doris Leuthard (CVP) und Micheline Calmy-Rey (SP). (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Sie sind eine Spezies, die es in der Schweiz lange gar nicht gab: Altgediente Staatsleute, die sich aus dem Ruhestand melden, um ihre Erfahrung und ihr Wissen ins politische Tagesgeschäft einzubringen. Noch vor zwei Jahrzehnten zogen sich Bundesräte nach ihrem Rücktritt meist aus der Öffentlichkeit zurück. Elder Statesman oder Elder Stateswoman waren hierzulande keine gängigen Label, die Wandlung vom Minister zur weisen Überfigur nicht vorgesehen.

Von Ausnahmen wie dem Freisinnigen Rudolf Friedrich oder dem Sozialdemokraten Otto Stich, die sich in Leserbriefen oder Kolumnen zu Wort meldeten, einmal abgesehen, liessen sich Altbundesräte höchstens zu den grossen staatspolitischen Linien vernehmen.

In den vergangenen Jahren jedoch wurde die Gruppe der sich einmischenden Altbundesräte immer grösser – mit unterschiedlichen Ausprägungen: Zum einen sind da Elisabeth Kopp (FDP), Adolf Ogi (SVP), Pascal Couchepin (FDP) und Moritz Leuenberger (SP). Sie äussern sich vornehmlich zu grossen Themenkomplexen oder zu Fragen, mit denen sie sich besonders verbunden fühlen. Zum anderen gibt es Ruth Dreifuss (SP), Christoph Blocher (SVP), Micheline Calmy-Rey (SP) und Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), die auch immer mal wieder in Abstimmungskämpfen mitreden.

Couchepin unterstützt jetzt einen SP-Mann

Just aus diesem Kreis stammen nun auch die Bundesräte, die selbst vor einem Einsatz für die Frau oder den Mann nicht zurückschrecken – und sich in ihren Kantonen als Wahlkämpfer betätigen. Im Ständerat sind erst 25 von 46 Sitzen besetzt, in 13 Kantonen fallen die Entscheidungen im zweiten Wahlgang. Teilweise sind die Rennen heiss umstritten. Glücklich schätzen können sich all jene, die in der Stichwahl auf magistralen Support zählen können. Gleich eine Handvoll ehemaliger Bundesräte legt sich für eine Kandidatin oder einen Kandidaten ins Zeug.

Besonders bemerkenswert ist das Engagement von Pascal Couchepin, 77, im Walliser Ständeratswahlkampf. Im ersten Wahlgang unterstützte der Grandseigneur des Unterwalliser Freisinns seinen Parteifreund Philippe Nantermod. Pünktlich zum Wahlkampfauftakt veröffentlichten die beiden ein Buch, eine Art Generationendialog über liberale Werte. In Interviews legte sich Couchepin für den 34-Jährigen ins Zeug.

Doch Nantermod schnitt im ersten Wahlgang unerwartet schlecht ab. Nachdem er sich aus dem Rennen genommen hat, spricht sich Couchepin jetzt ­öffentlich für SP-Kandidat Ma­thias Reynard aus – weil dank diesem die Dominanz der CVP enden könne. Die christlichdemokratischen Parteien besetzen seit über hundert Jahren beide Walliser Sitze im Stöckli. Die CVP dürfe kein Monopol mehr haben, findet Couchepin. Beileibe nicht alle Walliser Freisinnigen mögen ihm folgen und einen «Roten» wählen.

Überparteilich ist auch das Engagement der Sozialdemokratin Micheline Calmy-Rey, 74. Die Ex-Aussenministerin legt sich in Genf für das linke Spitzenduo Lisa Mazzone (Grüne) und Carlo Sommaruga (SP) ins Zeug. «Ein grossartiges Team, um Genf in Bern zu verteidigen», lässt sich Calmy-Rey derzeit als Testimonial in den sozialen Medien zitieren.

Leuthard und Ogi helfen alten Bekannten

Als klassische Wahlkämpfer agieren Doris Leuthard, 56, im Aargau und Adolf Ogi, 77, in Bern. Überraschend ist vor allem das Engagement des früheren SVP-Magistraten, der sich zwar gerne zu Grundsatzfragen äussert oder Anekdoten aus seiner Karriere zum Besten gibt, sich aber aus dem Tagesgeschäft raushält. Nun führt Ogi das Unterstützungskomitee von SVP-Ständeratskandidat Werner Salzmann an. Beide wohnen in der Grossgemeinde Fraubrunnen im Berner Mittelland.

Die Unterstützung des «beliebtesten Bundesrats aller Zeiten» («Blick») kann Salzmann gut gebrauchen: In der Ständeratsstichwahl trifft er mit dem Bisherigen Hans Stöckli (SP) und Grünen-Präsidentin Regula Rytz auf harte Konkurrenz. Leuthard gehört derweil dem Komitee von CVP-Kandidatin Marianne Binder an. In Zeitungsinseraten empfahl sie ihre Aargauer Parteikollegin zur Wahl. Auch sie sind jahrelange Weggefährtinnen: Als Leuthard noch Präsidentin der CVP war, bot sie Binder an, die Kommunikationsabteilung der Partei zu leiten. Neben dieser treten drei weitere Kandidaten zur Stichwahl an. Thierry Burkart (FDP) und Hansjörg Knecht (SVP) lagen im ersten Wahlgang vorne.

Couchepin, Calmy-Rey, Ogi, Leuthard: Sie können weiterhin darauf hoffen, dass die von ihnen portierten Kandidaten den Sprung ins Stöckli schaffen. Weniger Erfolg war Samuel Schmid, 72, im Kanton Bern beschieden. Der einstige Bundesrat, der 2008 von der SVP zur BDP übergetreten war, sass im Komitee von Ständeratskandidatin Bea­trice Simon. Nach ihrem mässigen Abschneiden im ersten Wahlgang tritt sie nicht mehr an.

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