Corona-Impfung
Studenten ja, Touristen nein: Nicht alle im Ausland Geimpften erhalten ein Zertifikat in der Schweiz

Je nach Impfstoff, den ausländische Staatsangehörige erhalten haben, gibt es in der Schweiz ein Zertifikat – oder eben nicht. Aktuell gilt eine Ausnahmeregelung.

Anna Wanner, Annika Bangerter, Chiara Stäheli
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Der Janssen-Impfstoff von Johnson & Johnson eignet sich auch für Personen mit Allergien.

Der Janssen-Impfstoff von Johnson & Johnson eignet sich auch für Personen mit Allergien.

Bild: Etienne Laurent / EPA

Das Covid-Zertifikat wirft weitere Fragen auf: Wie soll die Schweiz mit Menschen umgehen, die im Ausland eine Impfung erhielten, die hierzulande nicht zugelassen ist? Davon betroffen sind unter anderem Touristinnen und Touristen, ausländische Fachkräfte oder Studentinnen und Studenten. Es zeigt sich: Obwohl sie möglicherweise aus denselben Ländern einreisen, erhalten nicht alle von ihnen ein Zertifikat.

Dieses bekommen seit Montag all jene Personen, die eine von der European Medicines Agency (EMA) zugelassenen Impfung vorweisen können. Das sind Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson. Wer eine andere Impfung erhielt und Ferien in der Schweiz machen will, ist vom Zertifikat ausgeschlossen. Diese Feriengäste müssen sich regelmässig testen lassen, um in der Schweiz Restaurants oder Museen besuchen zu können.

Ausnahmen für Studenten und Auslandschweizerinnen

Das kommt nicht gut an. Wie die NZZ berichtete, fordern Politiker aus der SVP, FDP und Mitte, dass die Schweiz sich an die Liste der zugelassenen Impfstoffe der Weltgesundheitsorganisation hält. Darauf sind zusätzlich die Impfstoffe Novavac sowie Sinovac und Sinopharm aufgeführt. Diese Ausweitung lehnt das Bundesamt für Gesundheit aktuell ab.

Der Bundesrat bekräftigte diese Haltung am Montag. Auf eine Frage von FDP-Nationalrat Laurent Wehrli, wieso er die Liste nicht anpassen will, antwortete er gar nicht. Er erklärte nur, dass eine Ausnahmeregelung gilt – unter anderem für Mitarbeitende von internationalen Organisationen, rückkehrende Auslandschweizer, akkreditiertes diplomatisches Personal sowie Studentinnen und Studenten. Sie können ein Zertifikat beantragen, wenn sie eine Impfung gemäss der WHO-Liste vorweisen können. «Damit wird die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch für Personen sichergestellt, die im Ausland geimpft wurden oder im Ausland genesen sind», schreibt der Bundesrat.

Viele Ungeimpfte warten auf alternative Impfstoffe

Für weitere Diskussionen im Parlament sorgt die Tatsache, dass in der Schweiz bis anhin nur mRNA-Impfstoffe eingesetzt werden. Laut einer repräsentativen Umfrage der Forschungsstelle Sotomo würden sich mehr als 70 Prozent aller zum Zeitpunkt der Umfrage nicht gegen das Coronavirus geimpften Personen impfen lassen, wenn eine Alternative zu den mRNA-Impfstoffen verfügbar wäre.

FDP-Nationalrat Marcel Dobler wollte deshalb vom Bundesrat wissen, ob die Schweiz in naher Zukunft vektor- oder proteinbasierte Impfstoffe beschafft. Die Antwort des Bundesrates bleibt vage: «Mit dem Hersteller von Johnson & Johnson laufen Gespräche über einen möglichen Bezug von Impfdosen.» Der Bund engagiere sich dafür, dass der Zugang zu alternativen Impfstoffen so rasch als möglich gewährleistet werden könne, heisst es weiter. Mit Astra Zeneca bestehe bereits ein Kaufvertrag. Damit Impfstoffe gekauft werden können, müsse allerdings zuerst die Zulassung durch Swissmedic erfolgen.

So funktionieren vektorbasierte Impfstoffe

Bei Vektorimpfstoffen bringt ein harmloses Trägervirus den genetischen Bauplan für einen Teil des Coronavirus in die Zellen. Die Zellen bauen diesen Teil dann selbstständig nach und das Immunsystem bildet Antikörper dagegen. Die vektorbasierten Impfstoffe befähigen also den Körper, eigene Proteine herzustellen, die dann die Immunreaktion hervorrufen.

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