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Comeback von Sinn und Sinnlichkeit

Ansichten
Reto Lipp

Der Jahresauftakt ist immer die Zeit der Zukunftsforscher und Trend-Auguren. Selten sind sie so hoch im Kurs wie zum Jahresanfang, denn wir wollen wissen, was uns erwartet, auch wenn selbst die höchstbezahlten Trendforscher zugeben müssen, dass sie häufig danebenliegen – trotzdem wollen wir es wissen. Ein Thema, das uns auf Trab halten wird, ist der Einzug der Technologie in die Dienstleistungsgesellschaft. Nichts grundlegend Neues zwar: Bislang haben aber viele vor allem von Industrie 4.0 gesprochen und den Einsatz von Robotern thematisiert. Dies ist auch relativ einfach, Roboter kann man anfassen und präsentieren. Das ist bei künstlicher Intelligenz, mit der der Computer im Büro oder das Handy ausgestattet wird, schwieriger.

Die Beratungsfirma Accen­ture hat versucht, die wichtigsten Trends aufzuzeigen. Was besonders auffällt, ist das Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine, zwischen digital und physisch, zwischen Automatisierung und Kontrolle. Firmen müssen sich also 2018 mehr denn je fragen: Wie soll die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine aussehen? Und vor allem: Wie bereiten wir die Mitarbeiter auf Karrierewege vor, die heute noch nicht absehbar sind? Wann immer der Trend in eine Richtung geht, gibt es auch Gegenkräfte. Je mehr digitalisiert unsere Arbeits- und Freizeitwelt sein wird, desto mehr Wert legen Menschen auf das Echte, auf das Sinnliche, auf das Physische. Mit anderen Worten: Wir werden oft allein vor dem Smartphone oder dem Computer sitzen, aber diese einseitige Beschäftigung genügt uns nicht. Als Ausgleich brauchen wir mehr physische Gemeinschaftserlebnisse. Sinnliche Erlebnisse wie grosse Konzerte, Theater, Sportevents oder gemeinschaftliche Abenteuer und Anstrengungen werden noch wichtiger werden. «Lagerfeuererlebnisse» nennen das die Experten.

Natürlich werden auch bei solchen Events digitale Services wichtig, aber die Anbieter müssen physische und digitale Angebote elegant verknüpfen. Der Trend geht Richtung Rückkehr des «Echten». Und hier sind wir dann auch gleich beim Gegenteil von «Fake». Die vielen Möglichkeiten heute, über die sozialen Medien «Fake-News» zu produzieren und Lügen zu verbreiten, stellt Unternehmen vor eine neue Herausforderung, der sie nur begegnen können, indem sie mit Transparenz dagegenhalten. Die Blockchain-Technologie, die heute in aller Munde ist, wird das Vertrauen in digitale Vorgänge erhöhen, weil Blockchain die Manipulierbarkeit von digitalen Vorgängen vermindert. Firmen haben heute die Chance, dank moderner Technologien ganz nah beim Kunden zu sein und ihn auch direkt und ohne Umwege zu informieren. Diese Chance nehmen viele Unternehmen noch unzureichend wahr. Gleichzeitig ist Vertrauen auch ein Schlüsselwort für klassische Medien. Wer es schafft, als vertrauenswürdige Medienmarke wahrgenommen zu werden, muss sich um die Zukunft wenig Sorgen machen.

Für die Millennials, also die ab 1980 Geborenen, ist Sinn wichtiger als Geld. Firmen müssen ihre Mitarbeiter nicht nur gut entlöhnen, der Job muss auch Sinn machen. Das gilt umso mehr, da bald die Babyboomer in Pension gehen werden und sich der Fachkräftemangel noch verschärfen wird. Hier kommt ein weiterer Erfolgsfaktor ins Spiel: die Ethik. Das tönt hochtrabend, aber im Zeitalter der sozialen Medien kann der Verzicht auf ethische Werte eine Marke innert kürzester Zeit vernichten. Einfach zu reagieren, genügt heute nicht mehr. Unternehmen müssen laut der Studie von Accenture mehr denn je bereit sein, von sich aus für Werte wie beispielsweise Diversity oder Gleichstellung von Mann und Frau einzutreten. Firmen müssen sich auch vermehrt in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Es ist zu hoffen, dass die Kommunikationsverantwortlichen ihren Chefs mal etwas den Marsch blasen. Kommunikation ist in einer digitalen Welt von enormer Bedeutung und Kommunikationsfähigkeit eine Schlüsselkompetenz von Chefs. Wer auf diesem Gebiet Defizite hat, sollte sie 2018 schleunigst angehen. Denn die digitale Öffentlichkeit verzeiht kommunikative Fehler nicht mehr.

Reto Lipp

SRF-Moderator

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