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Interview

Claude Nicollier: «Wenn wir nur 30 Jets kaufen, sind wir an der Grenze»

Der ehemalige Astronaut und Kampfjetpilot Claude Niccolier empfiehlt den Kauf von 40 Kampfflugzeugen. Damit sei die Manövriermasse grösser.
Eva Novak

Claude Nicollier (74) ist ehemaliger Kampfjetpilot und ESA-Astronaut, der die Erde als bisher einziger Schweizer vom Weltraum aus gesehen hat.

Der ehemalige Astronaut und Kampfjetpilot Claude Nicollier. (Bild: KEYSTONE/Peter Schneider)

Der ehemalige Astronaut und Kampfjetpilot Claude Nicollier. (Bild: KEYSTONE/Peter Schneider)

Sie plädieren für die Variante mit 40 Kampfjets. Warum?

Claude Nicollier: Option 1* ist zu teuer, Option 4 reicht bei weitem nicht aus, also bleiben aus meiner Sicht nur die Optionen 2 und 3 mit 40 beziehungsweise 30 Kampfflugzeugen. Für mich gab die Durchhaltefähigkeit im Fall von Spannungen den Ausschlag. Wir sehen ja jetzt mit unseren noch verbliebenen 30 F/A-18, wie schnell es zu Problemen kommen kann.

Inwiefern?

Die Arbeiten zur Verlängerung der Lebensdauer halten zwei Drittel der Flotte am Boden, nur ungefähr 10 Flugzeuge sind verfügbar. Weil es komplexe Flugzeuge sind, kann es immer zu solchen Schwierigkeiten kommen, die dazu führen, dass nur ein Bruchteil verfügbar ist. Mit 40 Flugzeugen ist die Manövriermasse grösser.

40 Kampfflugzeuge kosten aber 8 Milliarden Franken, sagen die Experten, deren Bericht Sie sehr loben. Ist es das wert?

Das zu beurteilen liegt nicht an mir. Extrem wichtig ist jedenfalls, dass der Kauf aus dem ordentlichen Armeebudget finanziert werden soll, welches ab 2021 um 1,4 Prozent pro Jahr erhöht wird. Das ist weniger, als man meint. Wir investieren damit in Friedenszeiten in die Aufrechterhaltung unserer Souveränität im Luftraum. Denn wir können uns diesbezüglich nicht auf unsere Nachbarn verlassen. Letztlich ist es auch eine Frage des Respekts, den andere Nationen der Schweiz entgegenbringen. Wir wollen kein verantwortungsloses Land sein, das sich nicht um seine eigene Sicherheit kümmert.

Es sieht danach aus, als ob es nicht mehr als 6 Milliarden für neue Kampfjets gäbe. Freude herrscht da wohl keine, Monsieur Nicollier?

Nein, denn es geht auch hier um eine Frage der Verantwortung. Wenn wir nur 30 Jets kaufen, sind wir an der Grenze. Das ist eine Entscheidung: Man kann entscheiden, an der Grenze zu sein, oder eine Reserve zu haben. Mit 40 Flugzeugen haben wir eine Reserve. Mit nur 6 Milliarden haben wir eine begrenzte Luftwaffe. Das ist nicht inakzeptabel, aber sicher nicht vernünftig.

Ihr Bericht wird rundherum gelobt, da er angenehm zu lesen sei. Sie hatten nicht viel Zeit, ihn zu schreiben. Hatten Sie Hilfe beim Schreiben?

Entstanden ist er nach ausführlichen Gesprächen mit Christophe Keckeis. Einige Passagen sind sicher von seinen Ideen inspiriert, aber geschrieben habe ich den Bericht selbst. Für mich ist Christophe Keckeis ein persönlicher Freund, nicht nur der ehemalige Chef der Armee. Ich bringe ihm sehr viel Respekt und Vertrauen entgegen.

Es geht um viel Geld. Wurden Sie von irgendeiner Seite – etwa von Kampfjetherstellern oder Politikern – unter Druck gesetzt?

Ich hatte absolut keinen Kontakt, weder mit Kampfjetproduzenten noch mit Politikern. Mir geht es wirklich um eine Frage der Verantwortung. Bundesrätin Viola Amherd hat eine Verantwortung gegenüber dem Schweizer Volk, und sie nimmt diese sehr ernst. Dabei unterstütze ich sie voll und ganz.

*Option 1 sieht den Kauf von 55 bis 70 Kampfjets für 11 bis 14 Milliarden Franken sowie von bodengestützter Luftverteidigung für 4 Milliarden Franken vor. Option 4 begnügt sich mit 20 neuen Kampfjets und kostet insgesamt 5 Milliarden Franken.

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