Carrobio: «Der Krieg gegen Drogen ist verloren»

ZÜRICH. Ein staatlich regulierter Markt für Cannabis würde dem Schwarzmarkt weitgehend den Boden entziehen, den Jugendschutz stärken und die Gesellschaft entlasten.

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ZÜRICH. Ein staatlich regulierter Markt für Cannabis würde dem Schwarzmarkt weitgehend den Boden entziehen, den Jugendschutz stärken und die Gesellschaft entlasten. Die Nationale Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik (NAS) hat am Dienstag in Zürich die Diskussion über Alternativen zur aktuellen Drogenpolitik lanciert.

Man müsse sich eingestehen: «Der Krieg gegen die Drogen ist verloren», sagte die Tessiner SP-Nationalrätin und NAS-Präsidentin Marina Carobbio vor den Medien. Drogenhandel und Drogenkonsum seien mit der bisherigen Politik nicht zufriedenstellend zu bekämpfen. Der Schwarzmarkt blühe.

Qualität unkontrollierbar

Die Qualität der gehandelten Substanzen sei unkontrollierbar und häufig sehr gesundheitsschädlich, sagte Thilo Beck von der Zürcher Arbeitsgemeinschaft für einen risikoarmen Umgang mit Drogen. Laut Beck hat sich zwar die in den 1990er-Jahren entstandene Vier-Säulen-Politik (Prävention, Therapie, Schadensminderung, Repression) durchaus bewährt. Sie müsse aber «nachbearbeitet» werden. Dass man jetzt über den Umgang mit Cannabis diskutiere, sei ein erster Schritt. Man müsse aber weiter denken und prüfen, welches Vorgehen sich für welche Substanz eigne.

Varianten der Marktregulierung

Die NAS stellte vier Varianten einer Cannabis-Marktregulierung vor: Von einem absoluten Verbot von Konsum, Besitz, Produktion und Handel über eine Entkriminalisierung, eine Reglementierung und Legalisierung bis hin zur völligen Liberalisierung ohne Kontrolle.

Nun müsse die öffentliche Diskussion folgen, sagte Carobbio. Weltweit habe vor einiger Zeit ein Umdenken eingesetzt. Im In- und Ausland gebe es Pilotversuche mit neuen Modellen, etwa Versuche mit mit legalem Cannabis-Verkauf (USA), mit legalem Anbau und Verkauf (Uruguay) oder mit Konsumbeschränkungen auf «Cannabis Social Clubs» (Spanien). Auch in Genf sollen solche «Clubs» entstehen. In Bern und Winterthur sind Projekte und Vorstösse zum Thema hängig. Im Eidgenössischen Parlament ist das Thema Drogenpolitik ebenfalls ein Thema. Laut Carobbio zeichnet sich jedoch Widerstand gegen eine Lockerung ab. (sda)