Café fédéral
Mr. Omnidozent

Gut, gibt es Menschen wie Marko Kovic. Der Twitter-Dozent erklärt die Komplexität der Welt in all ihren Facetten - und liefert dazu praktischerweise gleich eine Meinung mit. Eine Glosse.

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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Experte für Cyber, Extremismus, Genderidentität, Veganismus und Webb-Teleskop: Marko Kovic.

Experte für Cyber, Extremismus, Genderidentität, Veganismus und Webb-Teleskop: Marko Kovic.

Photographer: Eda Gregr / Solothurner Zeitung

Twitter ist ein eigenartiges Instrument. Viele Journalistinnen und Journalisten werfen schon vor dem ersten Kaffee einen Blick darauf; der letzte folgt abends erst nach dem Zähneputzen. Medienschaffende sind vor allem aus zwei Gründen auf dieser Plattform: Die einen wollen nicht verpassen, wenn sich jemand aus der Politik einen Faux-pas leistet und sich die Häme über ihn ergiesst. Die anderen wollen sicherstellen, dass die Welt ihre eigenen Ergüsse nicht verpasst.

Selten dient Twitter auch dazu, geeignete Stimmen zur Einordnung der nationalen Lage zu finden. Fündig werden kann man beispielsweise beim Profil von Marco Kovic. Das Praktische an ihm: Er ist eigentlich Experte für alles.

Ein Thread.

Bekannt geworden ist Soziologe Kovic im Zusammenhang mit Corona-Skeptikern. Von dort ist der Weg nicht weit zum Extremismus-Experten, und dafür gibt es in der Schweiz Bedarf. Der bisherige Branchenprimus, Samuel Althof, sieht eigentlich nie irgendwo Gefahr für Extremisten. Kovic schon.

Inzwischen hat Kovic Gefallen am Einordnen gefunden. Ob Gefahrenpotenzial von Atomkraftwerken, der Prozess von Heard und Depp oder jüngst die Posse um ein abgebrochenes Reggae-Konzert: Kovic erlöst mit wenigen Tweets in jeder Debatte die Schweiz vom Halbwissen. Es ein bisschen wie Bildungsfernsehen: Sogar eben Gelerntes wie beispielsweise zum Webb-Teleskop ventiliert er an seine Followerschar. Und obwohl er das als Vertreter der Akademien ja nicht müsste, begibt er sich rhetorisch auf Augenhöhe mit dem Volk. Da werden Leute als «Lumpen» oder «Schwurbelkönige» einsortiert, was hilft, den wissenschaftlichen Diskurs in eine Meinung zu übersetzen.

Auch der Autor dieser Zeilen hat schon auf den Omniexperten abgestützt. Und vielleicht den Text sogar danach vertwittert.