Café Fédéral
Der doppelte Walter, ein neuer Geist von Davos, Kokain ‒ und was das alles für den Bundesrat bedeutet

Wirklich spannend ist am WEF in Davos all das, worüber nicht öffentlich berichtet wird. Zum Beispiel der Besuch von Bundeskanzler Walter Thurnherr. Eine kurze Reportage vom Rande der Wahrheit.

Stefan Bühler
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Riskante Nebenrolle: Walter Tell beim Apfelschuss im Theater.

Riskante Nebenrolle: Walter Tell beim Apfelschuss im Theater.

Bild: Raphael Hünerfauth (Altdorf, 3. Juli 2008)

Walter Tell hat die gefährlichste Nebenrolle in der Schweizer Geschichte: Auf seinem Kopf ruht der Apfel, den Vater Wilhelm mit der Armbrust herunterschiessen muss. Da trifft es sich gut, dass auch Walter Thurnherr Walter heisst. Er trägt zwar keinen Apfel auf dem Kopf, doch lastet die Verantwortung für die Organisation der Bundesratssitzungen auf seinen Schultern. Auch er erfüllt also eine Nebenrolle. Bloss steht ihm nicht nur ein Schütze gegenüber, sondern gleich sieben. Alle ausgerüstet mit Giftpfeilen. Ein Grüppchen, das man besser nie aus den Augen lässt.

Exponierte Nebenrolle: Walter Thurnherr (links) mit dem Bundesrat.

Exponierte Nebenrolle: Walter Thurnherr (links) mit dem Bundesrat.

Annette Boutellier/Yoshiko Kusan / BUNDESKANZLEI

Insofern war es unabdingbar, dass sich Walter Thurnherr ans WEF nach Davos begab, als einziger Bundeskanzler neben Olaf Scholz. Anders als sein deutscher Kollege durfte er aber keine Rede an die Weltöffentlichkeit halten. (Was schade ist, denn er redet besser.)

So war denn von Thurnherr nicht viel zu sehen. Mal huschte er hier vorbei, mal verschwand er dort um die Ecke. Dieser Spuk verleitete manch eine, schon vom neuen Geist von Davos zu sprechen ‒ und über ihn als potenziellen Nachfolger von WEF-Chef Klaus Schwab zu spekulieren.

Bevor aber diese Spekulationen in die Höhe schossen wie Frühlingsblumen auf Bündner Matten, schaffte Thurnherr Klarheit, was ihn in Davos unter anderem umtrieb: Drogenprävention. Das WEF habe einst den Schweizer Kokain-Rekord gehalten, erzählte er in einem Gespräch mit der Zeitung «Politico», «doch das ist nun vorbei».

Was wiederum den Schluss zulässt, dass der Bundesrat auch in Davos keine Linie hatte.