Cabaret fédéral

Micheline unterm Eiffelturm Der Bundesrat hat sich gestern – mitten in der Session – zu einer Sondersitzung getroffen. Ein seltenes Ereignis. Entsprechend gross war das Interesse der Medien. Punkt 15.30 Uhr fanden sich Dutzende Journalisten im Berner Finanzministerium ein.

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Micheline unterm Eiffelturm

Der Bundesrat hat sich gestern – mitten in der Session – zu einer Sondersitzung getroffen. Ein seltenes Ereignis. Entsprechend gross war das Interesse der Medien. Punkt 15.30 Uhr fanden sich Dutzende Journalisten im Berner Finanzministerium ein. Alle erwartungsfroh darauf hoffend, es platze eine politische Bombe. Der Rücktritt von Hans-Rudolf Merz vielleicht, oder die Generalmobilmachung der Indianer-Armee.

Fehlalarm. Die Sitzung diente den Bundesräten dazu, sich gegenseitig die Fotos von den jüngsten Auslandreisen zu zeigen. Schliesslich ist es eine neue Entwicklung, dass sich Regierungsmitglieder nicht mehr schämen müssen, wenn sie andere Länder besuchen. Seit wir mit der halben Welt «Lämpen» haben, sind solche Promo-Reisli gar erwünscht.

Das schöne Bild von Hans-Rudolf Merz, der an der Downing Street Number 10 breit lächelnd die Hand von Premierminister Gordon Brown schüttelt, haben wir ja alle schon gesehen. Doch dem Vernehmen nach sei auch der Schnappschuss vor dem Big Ben sehr gelungen. Merz sitzt anscheinend Gordon Brown auf den Schultern und bläst ihm von oben herab etwas Rauch aus der Friedenspfeife ins Gesicht.

Etwas konventioneller sind die Bilder, die Micheline Calmy-Rey von ihrer Paris-Reise mitgebracht hat. Micheline vor der Sacré-Cœur, auf dem Arc de Triomphe und unterm Eiffelturm. Doch die Aussenministerin hatte mehr als nur Fotos zu bieten. Von ihrer Shopping-Tour auf der Champs-Elysées hat sie jedem Bundesrats-Gspänli ein Souvenir mitgebracht. Pascal Couchepin soll sich sehr über die Napoleon-Statue aus Marmor gefreut haben. Und Moritz Leuenberger habe die TGV-Loki aus Plastic sofort zu seiner Märklin-Gotthardbahn gestellt. Wie bei Eveline Widmer-Schlumpf der Gutschein für einen Besuch bei einem Pariser Starcoiffeur angekommen ist, wissen wir nicht. Enttäuscht habe derweil Ueli Maurer reagiert: Das Poster von der französischen Fremdenlegion treffe seinen Geschmack überhaupt nicht. Stefan Schmid

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