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BURSCHENSCHAFTEN: Nervöse Verbindungsbrüder

Ein Mitglied der Altzofingia bezeichnet in einem Interview den umstrittenen Wiener Akademikerball als «unpolitisches Fest». Zu brisant, findet der Altzofinger Vorstand und zieht das Interview zurück.
Stefan Schmid
Der Nazilieder-Skandal in Österreich wirft ein schiefes Licht auf Burschenschaften. (Bild: Thomas Lohnes/Getty)

Der Nazilieder-Skandal in Österreich wirft ein schiefes Licht auf Burschenschaften. (Bild: Thomas Lohnes/Getty)

Stefan Schmid

An dieser Stelle hätte eigentlich ein Interview mit einem Vertreter der Altzofingia erscheinen sollen, einer schweizerischen Studentenverbindung mit über 2000 Mitgliedern im ganzen Land. Der Gesprächspartner meldete sich nach Rücksprache mit dem Vorstand der Altzofingia auf unserer Redaktion und bat um die Möglichkeit für eine ausführliche Stellungnahme.

Es sei jetzt wichtig, eine Lanze für die schweizerischen Studentenverbindungen zu brechen, die im Unterschied zu deutschen oder österreichischen Burschenschaften mit Antisemitismus, völkischer Ideologie und Nationalsozialismus nichts am Hut hätten. Es gehe nicht an, alle Verbindungsbrüder in denselben Topf zu werfen. Wer Farben trage, sei noch lange kein Nazi.

Wir entschieden uns, das ­Gespräch zu führen. Eine schweizerische Perspektive auf die unappetitlichen Vorgänge im Nachbarland? Warum nicht. Der Gesprächspartner erschien uns besonders geeignet, weil er nicht nur über ein Geschichtsstudium verfügt und somit befähigt war, über die historische Dimension der Burschenschaften Auskunft zu geben.

Mehr noch: Er war am umstrittenen Wiener Akademikerball, der gestern vor einer Woche in den prunkvollen Sälen der Wiener Hofburg über die Bühne ging, persönlich zugegen. Doch so weit sollte es nicht kommen.

«Vergast die siebte Million»

Der Wiener Akademikerball ist das Klassentreffen der schlagenden Verbindungen in Österreich. Darunter gibt es mehrere, die sich als Deutschnationale bezeichnen. Im Kern geht es dabei um einen völkischen Nationalismus, dessen Ziel der Zusammenschluss aller Deutschsprachigen in einem Vaterland ist. Deutschnationale verstehen sich als Deutsche Patrioten – und nicht unbedingt als Österreicher. Der Akademikerball wird von der rechtspopulistischen FPÖ organisiert.

Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter besonderer Beobachtung. Zuvor ist in Nieder­österreich ein Liederbuch der Burschenschaft Germania aufgetaucht, in welchem zum Mord an Juden aufgerufen wird. Wörtlich heisst es: «Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.» Zur Erinnerung: Die Nazis haben im Zweiten Weltkrieg rund sechs Millionen Juden vorwiegend durch Vergasung in Konzentrationslagern getötet.

Der Fall schlägt in Österreich hohe Wellen. Bundeskanzler ­Sebastian Kurz fordert ein Verbot der Germania. Und Vizekanzler Heinz-Christian Strache, selber Mitglied in der deutschnationalen Burschenschaft Vandalia, distanzierte sich am Akademikerball von antisemitischer und rassistischer Hetze.

Dass Schweizer Verbindungsbrüder den Ball in Wien besuchen, kommt regelmässig vor, wie Insider bestätigen. So auch unser Gesprächspartner, der vor Ort nur «friedliche, tanzende und feiernde» Menschen gesehen haben will. Er sei nie mit ­nationalsozialistischer oder antisemitischer Propaganda konfrontiert worden.

Dem Vorstand der Altzofingia Schweiz sind derlei Aussagen ­bereits zu heikel. Das Interview wird zurückgezogen, es könnte falsch verstanden werden. Stattdessen schaltet er eine Stellungnahme auf seiner Internetseite auf. «Der Altzofingerverein nimmt mit Entsetzen Kenntnis vom Liederbuch-Skandal um die österreichische Germania zu Wiener Neustadt› und distanziert sich klar von einem solchen Verhalten. Der Skandal fügt dem anständigen Couleurstudententum beträchtlichen Schaden zu.»

Auch andere Schweizer Verbindungen gehen demonstrativ auf Distanz zu den österreichischen Kameraden. Militärhistoriker Roland Beck, Mitglied der Helvetia, sagte gegenüber SRF: «Es besteht eine Gefahr, dass die schweizerischen Verbindungen verdächtigt werden, solches ­Gedankengut zu pflegen. Ich kann Ihnen aber bestätigen, dass das nicht der Fall ist. Wir haben eine ganz andere Geschichte.»

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