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BUNDESVERWALTUNG: Den Beamten verschlägt es die Sprache

Zurzeit werden die Sprachkenntnisse der Bundesangestellten offiziell erfasst. Die Übung soll der Sprachförderung dienen, kostet Hunderttausende von Franken und wird nicht nur als zeitraubend kritisiert.
Eva Novak
In diesem Dorf in Graubünden sind die Strassen in Rätoromanisch und Deutsch angeschrieben. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

In diesem Dorf in Graubünden sind die Strassen in Rätoromanisch und Deutsch angeschrieben. (Bild: Arno Balzarini/Keystone)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;"><em style="margin: 0px; padding: 0px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

«Mühsam», «eine Zumutung», «Zeitverschwendung»: Derlei Kommentare bekommt zu hören, wer sich in den Berner Amtsstuben nach der laufenden Befragung zu Sprachkenntnissen erkundigt – einer Übung, welche die rund 38'000 Bundesangestellten in selten einmütiger Ablehnung vereint.

Alle, von der Amtschefin bis zum wissenschaftlichen Mitarbeiter, müssen seit einigen Monaten per Mausklick deklarieren, wie gut sie Deutsch, Französisch, Italienisch und allfällige weitere Sprachen beherrschen. Was so einfach klingt, erweist sich im Detail als äusserst anspruchsvoll. Denn die Staatsdiener sind im Rahmen dieser «Evaluation der Sprachkompetenz» angehalten, ihre einschlägigen Kenntnisse aufgrund des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) aufzuführen.

«Passive Kenntnisse operationalisierbar machen»

Dieser umfasst eine ganze Reihe von Stufen und Niveaus von A1 bis C2 und wäre schon in seiner reinen Form nichts für Laien. Für die Bundesverwaltung wurde er noch ein bisschen komplizierter gemacht. So fügte man zum Beispiel ein Niveau «B1 Minimal­anforderung» ein, dessen Erläuterung dem folgsamen Bundesangestellten, der seine Pflicht gut erfüllen möchte, einiges abverlangt. Der erste Satz zum Beispiel lautet wörtlich: «Es handelt sich um eine Anpassung des GER-Niveaus, um den in der Sprachenverordnung (SPV) gewählten Begriff ‹passive Kenntnisse› operationalisierbar zu machen.»

Spätestens hier wäre er ausgestiegen, sagt Felix Frei. Der Arbeitspsychologe und Organisationsberater bezeichnet die Anleitungen und Erklärungen, mit deren Hilfe die Bundesangestellten ihre Sprachkompetenz abklären sollen, als wenig zielführend: «Sie zeugen von einer beispiellosen Sprach-Inkompetenz.» Die Unterlagen seien in einer Fachsprache formuliert, welche für Linguisten geeignet sei, nicht aber für einen Fragebogen.

Eine einfache Tabelle, in der man seine Sprachkenntnisse zum Beispiel mit Zahlen zwischen 0 und 10 ankreuzen könnte, hätte wohl ähnlich gute Ergebnisse erbracht, vermutet Frei. Diese wäre in zwei Minuten ausgefüllt gewesen. So aber dauert es eine halbe Stunde – einige sprechen gar von mehreren Stunden, die sie gebraucht hätten, um sich durch die Applikation zu klicken. Für Frei ist das ein unverhältnismässiger Aufwand, «wenn man den Ärger und das Unverständnis in Rechnung stellt, die man damit auslöst».

Machen wirklich alle Bun­desangestellten mit? Diese Fra­-ge stellte unsere Zeitung dem Eidgenössischen Personalamt (EPA), welches zusammen mit dem Generalsekretariat des Eidgenössischen Finanzdepar­tements (EFD) als Absender fi­guriert. Hier weist man indes darauf hin, dass die Gesamtverantwortung bei der «Delegierten des Bundes für Mehrsprachigkeit» liege. «Wir sind nur für die technische Umsetzung zuständig, da die Erfassung in unserem Personalinformationssystem erfolgt», erklärt EPA-Sprecher Anand Jagtap.

Unabkömmlich, da auf Arbeitsbesuch in Kamerun

Die Delegierte heisst Nicoletta Mariolini, lebt und arbeitet gemäss ihrer Homepage in Bern und Lugano und ist schwer zu erreichen. Nach einem ersten Kontaktversuch verstreicht eine Woche, bis eine ihrer drei Mitarbeiterinnen zurückruft – und bedauert, die Delegierte sei nicht abkömmlich, da im «In- und Ausland beschäftigt».

Tatsächlich zeigt ein Blick ins Internet, dass Mariolini Ende Januar auf Arbeitsbesuch in Kamerun weilte. Nach ihrer Rückkehr klappt die Kontaktnahme doch noch. Sie will allerdings keine Fragen beantworten, die Befragung sei vertraulich, die Ergebnisse würden dem Bundesrat in einem Jahr mitgeteilt.

Erst nach einer Intervention beim Eidgenössischen Finanzdepartement gibt die Delegierte für Mehrsprachigkeit bekannt, dass bisher zwischen 70 und 80 Prozent der Bundesangestellten mitgemacht hätten, die Befragung allerdings noch nicht überall abgeschlossen sei. Sie sagt das in umständlichem Deutsch, das von keiner besonders ausgeprägten Sprachkompetenz zeugt. «Die erhobenen Daten erlauben eine gezielte Unterstützung jener Mitarbeitenden, die den sprachlichen Anforderungen noch nicht genügen», lässt Mariolini auf die Frage nach dem Nutzen der Evaluation noch ausrichten. Ausserdem dienten die Ergebnisse dazu, «das gesamte sprachliche Potenzial der Bundesangestellten zu erfassen, zu nutzen und entsprechend wertzuschätzen».

Konkreter wird die Mehrsprachigkeits-Delegierte auch auf Nachfrage nicht. Immerhin gibt Mariolini bekannt, dass die Applikation eigens für die Be­fragung entwickelt worden sei, was geschätzte Gesamtkosten von 410'000 Franken verursacht habe – der Aufwand für die Beantwortung ist bei diesem Betrag nicht einberechnet.

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