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Piraten greifen Bundestanker an: Ein Wachmann verletzt

Seit mehr als einem Jahr wird in Nigeria das unter Schweizer Flagge fahrende Frachtschiff San Padre Pio festgehalten. Nun haben Piraten es überfallen. Ein Wachmann wurde verletzt.
Henry Habegger
Der Hochseetanker San Padre Pio. (Bild: PD)

Der Hochseetanker San Padre Pio. (Bild: PD)

Es geschah laut Recherchen von CH Media am Montagabend gegen 22 Uhr Lokalzeit. Mit drei Schnellbooten attackierten Piraten den Schweizer Tanker San Padre Pio, der in Nigeria im sogenannten Bonny Channel bei Port Harcourt vor Anker liegt. Dabei kam es zu einem Schusswechsel zwischen den Angreifern und zwei Soldaten der nigerianischen Navy, die für die Bewachung des Schiffes abgestellt sind. Es gelang den Wachleuten, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Einer der beiden Soldaten erlitt eine Schussverletzung am Bein. Rapportiert wurde der Vorfall auch in einem Intelligence-Bulletin der britischen Sicherheitsfirma EOS Risk Group, die unter anderem Sicherheitsdienste für Handelsschiffe anbietet.

Als die Schnellboote das Schiff nach Einbruch der Dunkelheit angriffen, verschanzte sich die Besatzung in der sogenannten Zitadelle. Das ist eine Art Bunker im Schiffsrumpf, der bei derartigen Angriffen als Rückzugsort für die Crew dient. Die Besatzung des Tankers besteht derzeit offenbar aus vier ukrainischen Offizieren und einem Dutzend Seeleuten aus den Philippinen.

Illegal Öl transportiert?

Die «San Padre Pio» geriet zuletzt in die Schlagzeilen, weil sie seit Anfang 2018 von den nigerianischen Behörden festgehalten wird. Sie liegt seit über einem Jahr bei der Insel Bonny Island im Nigerdelta. Der Vorwurf der nigerianischen Staatsanwaltschaft: Der Charterer des Schiffes, eine nigerianische Gesellschaft, habe illegal Erdöl transportiert und nach Nigeria eingeführt. Die Schweiz bemühte sich laut Auskunft des Aussendepartements EDA seit Monaten auf diplomatischen Wegen, das Schiff freizubekommen. Ohne Erfolg.

Für den Bund besteht ein beträchtliches finanzielles Risiko: Der Tanker gehört der Westschweizer Reederei ABC Mari­time und wurde über Bürgschaften des Bundes finanziert. Schätzungsweise stecken derzeit noch vier bis fünf Millionen Franken an Bundesgeldern im Tanker. Wenn der Reeder wegen der ­Einnahmeausfälle Schiffskredite nicht mehr amortisieren kann, droht der Bund Geld zu verlieren.

Mittlerweile hat sich der Bundesrat, der sich unter dem früheren Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) letztes Jahr noch passiv verhielt, formell in den Streit eingeschaltet. Er hat das Aussenministerium von Ignazio Cassis (FDP) und das Wirtschaftsdepartement von Guy Parmelin (SVP) angewiesen, eine Klage gegen Nigeria vor dem UNO-Seegerichtshof in Hamburg vorzubereiten. Diese Vorbereitungen laufen. «Die Schweiz ist der Ansicht, dass die Festsetzung des Schiffes eine Verletzung des Völkerrechts darstellt», hielt das Aussendepartement Ende März fest. «Das Schiff sowie die Fracht verlieren stetig an Wert, was bei den betroffenen Firmen zu einem wachsenden Schaden führt.»

Piraten wollten Geiseln nehmen

Laut Recherchen hatten es die Piraten auf die vier ukrainischen Offiziere abgesehen, die sich seit über einem Jahr auf dem Tanker aufhalten. Sie sollten als Geiseln genommen und gegen Lösegeld wieder freigelassen werden. Die Staatsangehörigen der Philippinen werden gewöhnlich nicht als Geiseln genommen, weil für sie zynischerweise niemand Lösegeld zahlt. Einige Beobachter fragen sich, ob hinter dem Angriff, der kurz nach der Klageankündigung der Schweiz erfolgte, nicht mehr steckt. Zumal sich die Piraten bisher nur sehr selten auf den Bonny Channel Richtung Landesinneres vorwagten, wie auch die Sicherheitsfirma EOS in ihrer Notiz feststellt: Solche Angriffe im Bonny-Kanal seien «unglaublich selten». Das Schweizer Aussendepartement brauchte gestern acht Stunden für die «Beantwortung» von Fragen zum Piratenangriff: Nach 18 Uhr teilte es mit, für Fragen zu einem Piratenangriff sei die betroffene Reederei zuständig. Die «Padre Pio» ist eines von noch 28 Hochseeschiffen, die mit Bürgschaften des Bundes finanziert werden. Durch die Pleite der Enzian-­Reederei hat der Bund bereits 215 Mil­lionen verloren. 130 Millionen könnten demnächst folgen, weil auch die Genfer Massoel-Reederei in Schieflage ist.

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