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BUNDESRATSWAHL: Die "Tagblatt"-Leser wollen den Tessiner

Bald wählt die Vereinigte Bundesversammlung den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Bundesrat Didier Burkhalter. In einer Umfrage von "Tagblatt online" gibt es bereits jetzt einen klaren Sieger.
Bild: smartvote.ch

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Die Wahl wird im ganzen Land mit Spannung erwartet: Am Mittwoch kürt die Vereinigte Bundesversammlung einen neuen Bundesrat oder eine neue Bundesrätin. Die FDP hat für die Nachfolge ihres Bundesrats Didier Burkhalter zwei Kandidaten und eine Kandidatin aufgestellt: Ignazio Cassis aus dem Tessin, den Genfer Pierre Maudet und die Waadtländerin Isabelle Moret. Von Beginn weg als Favorit gehandelt wurde Cassis - und er ist es auch für die Leser von "Tagblatt online". Diese konnten während mehrerer Tage ihren Bundesrat oder ihre Bundesrätin wählen. Mit grossem Abstand an erster Stelle liegt Ignazio Cassis mit 55,27 Prozent der knapp 1500 Stimmen. Auf über 31 Prozent kommt der zweite Mann auf dem Dreierticket, Pierre Maudet. Mit unter 14 Prozent landet Isabelle Moret abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Übrigens: Ginge es nur nach den Ostschweizer Parlamentariern in Bern, wäre Cassis schon einstimmig gewählt - zumindest wenn man auf jene vier Politiker abstellt, die zur Wahl bereits öffentlich Position gezogen haben: Ständerat Andrea Caroni (FDP/AR) sowie die Nationalräte Daniel Fässler (CVP/AI), Thomas Müller (SVP/SG) und Ronald Rino Büchel (SVP/SG).

Die drei Kandidaten im Schnellcheck

von Fabian Fellmann, Tobias Bär und Sasa Rasic

Pierre Maudet

BUNDESRATSWAHL, BUNDESRATSWAHLEN, BUNDESRAT NACHFOLGE, BUNDESRATSNACHFOLGE, KANDIDATEN, BUNDESRATSKANDIDATEN, HEARINGS, ANHOERUNG, (Bild: Keystone)

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Nervös sei er nicht, "aber extrem konzentriert auf diese Prüfung", sagte Pierre Maudet. Die Prüfung, die bestand in den ersten drei Hearings vor den Bundeshausfraktionen am 12. September. Nervös braucht der Genfer Regierungsrat aus zwei Gründen nicht zu sein.

Erstens ist es für den 39 Jahre jungen Karrierepolitiker keineswegs die letzte Chance, den Sprung in die Landesregierung zu schaffen. Verfehlt er diesmal das Ziel, dürfte er erneut zum Kandidatenkreis gehören, wenn dereinst der lateinische FDP-Sitz wieder frei wird. Zweitens ist Maudet als Aussenseiter ins Rennen gestartet und hat nichts zu verlieren. Eine kleine Sensation hat er bereits geschafft, indem er in die Endausmarchung vorgedrungen ist. Das hatten dem Genfer noch vor den Sommerferien wenige zugetraut, unter anderem, weil Maudet als Kantonspolitiker in der Bundesversammlung keine Hausmacht hinter sich hat.

Bild: smartvote.ch

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Doch er hat gepunktet, indem er eine professionelle Kampagne aufgezogen hat – mit aufmüpfigem Wahlprogramm, unzähligen Medienauftritten und gutem Lobbying. "Die Kampagne ist packend", sagt Maudet. Weil er selbst kein eidgenössischer Parlamentarier sei, habe er auf diese zugehen müssen, begründet er. Auch die Bürger hätten ein Anrecht darauf, über ihn informiert zu werden, selbst wenn sie den Bundesrat nicht selbst wählen könnten. Maudet stört nicht, dass die drei Kandidaten nach ihren Steuererklärungen gefragt wurden, ein Novum. Grenzen zieht er dennoch: "Das Privatleben muss absolut respektiert werden."

Homestorys gibt es mit dem Genfer nicht. Seine Frau begleite ihn punktuell zu Anlässen. Sonst aber gebe er seine drei Kinder, seine Familie und sein Zuhause nicht der Öffentlichkeit preis. "Meine Familie soll nicht die Konsequenzen meines öffentlichen Lebens tragen müssen", sagt Maudet. Doch auch er liess sich von der "Schweizer Illustrierten" begleiten, als er mit Frau und Kindern ans Unspunnenfest nach Interlaken fuhr, um für seine Kandidatur zu werben. Die Parlamentarier will Maudet nun überzeugen mit seiner Erfahrung als Sicherheits- und Wirtschaftsdirektor eines Grenzkantons, als Liberaler, der für eine Verständigung mit der EU plädiert, als strenger Asylpolitiker, der für Sans-Papiers ein umstrittenes Legalisierungsprogramm gestartet hat, als erfolgsverwöhntes Animal politique. Nervös macht Maudet das nicht. "Aber ich werde wohl ein bisschen beeindruckt sein von der Wichtigkeit des Moments und des Orts", gesteht er dann ein.

Isabelle Moret

FDP, BUNDESRATSKANDIDAT, BUNDESRATSKANDIDATIN, KANDIDAT, KANDIDATIN, NACHFOLGE, (Bild: Keystone)

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Die politischen Inhalte wurden bei Isabelle Moret in den vergangenen Wochen überlagert von der Debatte über ihre grundsätzliche Eignung für das Bundesratsamt. Sie schien sich mit dem Scheinwerferlicht nie anfreunden zu können, wirkte oft überfordert. Der erste Auftritt bei der Tour de Suisse des Kandidatentrios sei ihr in der Tat nicht optimal gelungen, sagt Moret. Danach aber sei es besser geworden.

Die Waadtländerin meint, sie werde als Frau schneller kritisiert als ihre männlichen Kontrahenten. Zusätzliche Unruhe in die Kampagne brachte die Information, dass sich die 46-Jährige mit ihrem Ehemann um die Obhut für die beiden gemeinsamen Kinder streitet.

Bild: smartvote.ch

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Moret strich während ihrer Kampagne ihre Kompromissfähigkeit heraus. Mit der Linken weise sie etwa in der Familienpolitik Gemeinsamkeiten auf. In der Wirtschafts- und Finanzpolitik bezeichnet sich Moret hingegen als stramm bürgerlich. Als Bundesrätin wolle sie den Anliegen von Wirtschaftsminister und Parteikollege Johann Schneider-Ammann zum Durchbruch verhelfen – ein Seitenhieb gegen Didier Burkhalter, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass sich die bürgerliche Mehrheit von FDP und SVP im Bundesrat nicht immer durchsetzt. Rechts zu punkten, versuchte die Anwältin zudem, indem sie ihre harte Haltung in sicherheitspolitischen Fragen unterstrich. Vage blieb sie, wenn es um das künftige Verhältnis mit der EU ging – also um die drängendste Frage, mit der sich der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Burkhalter im Aussendepartement konfrontiert sieht. Im Interview mit unserer Zeitung sprach sie dann doch noch Klartext: "Ich schlage vor, dass wir unser künftiges Verhältnis mit der EU weiterhin Schritt für Schritt regeln – und nicht mit einem Rahmenabkommen."

Die FDP habe in der Westschweiz einen höheren Wähleranteil als in der Deutschschweiz, eine Kandidatur aus der Romandie sei deshalb durchaus legitim, sagt Moret. Und: "Es sassen auch schon zwei Zürcher gleichzeitig in der Regierung, derzeit sind es zwei Berner. Warum soll neben Guy Parmelin also nicht ein zweiter Bundesrat aus der Waadt kommen, dem drittgrössten Kanton?" Auf die Feststellung, dass vier Bundesräte aus zwei Kantonen doch eine allzu grosse Machtballung darstellen würden, entgegnet Moret, der Berner Schneider-Ammann bleibe ja nicht mehr ewig im Bundesrat.


Ignazio Cassis

SCHWEIZ HEARINGS BUNDESRATSWAHLEN (Bild: Keystone)

SCHWEIZ HEARINGS BUNDESRATSWAHLEN (Bild: Keystone)

Es war eine der letzten Veranstaltungen, bevor FDP-Nationalrat Ignazio Cassis in die Hearings bei SVP, CVP und Grünen musste. Doch für einmal wurde nicht über seinen Herkunftskanton Tessin diskutiert, als das Gespräch auf bundesratslose Stände fiel. Vielmehr wurde am Freitag in Brunnen über die fehlende Vertretung des Kantons Schwyz in der Landesregierung gesprochen, als die Gesellschaft zur Promotion von Schweizer Produkten, Swiss Label, zum Apéro anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens lud. Eigentlich hätten die Schwyzer bei diesem Thema noch mehr Grund für Unmut als der Südkanton – der Urkanton war noch gar nie im Bundesrat vertreten.

Bild: smartvote.ch

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Doch Cassis, der im Vorstand der Gesellschaft sitzt, versteht es, die Gelegenheit für sich zu nutzen: Er spekulierte darüber, dass die Schwyzer FDP-Nationalrätin und Parteipräsidentin Petra Gössi zur ersten Schwyzer Bundesrätin werden könnte, und sammelte damit Wohlwollen bei der deutschsprachigen Fraktion seiner Partei. Cassis prophezeit Gössi noch mindestens 20 Jahre politischer Karriere und sagt: "Wenn man schaut, wie gut sie als FDP-Präsidentin jetzt schon ist, dann wird sie in zehn Jahren noch viel besser sein."

Doch zunächst geht es um Cassis’ eigene Bundesratsambitionen. Cassis hielt sich im Wahlkampf, bei dem er als Favorit gilt, wacker, mit Geduld und Sympathie.

Die Geschichte um den Verlust seines Fingers hat Cassis stoisch, aber freundlich wohl so viele Male wiedergeben müssen, wie es Medien in der Schweiz gibt. Mit Ausdauer rechtfertigt der frühere Tessiner Kantonsarzt auch wiederholte Fragen zu seinen Ansichten in der Drogenpolitik: Jüngst hat er wieder Schlagzeilen gemacht mit seiner Forderung nach einer Liberalisierung von Kokain. Zeigen wird sich, inwiefern ihm vor allem die SVP dies übel nehmen wird. Angriffsfläche hat Cassis bei der Rechten reduziert, indem er präventiv seine italienische Staatsbürgerschaft aufgab – bei den Sozialdemokraten hingegen fuhr der einstige Doppelbürger damit Kritik als Opportunist ein.

Neben dem immer reifer werdenden Tessiner Anspruch wird ihm wohl auch helfen, dass seine Konkurrenten bei aussenpolitischen Fragen als linker wahrgenommen werden als jene von Cassis. Angesichts dessen wird wohl so mancher konservative Parlamentarier über Cassis’ gesellschaftsliberale Positionen hinwegsehen müssen.

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