Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Bundesrat wünscht sich chinesische Zustände

Herausgepickt

Medien In China, da haben die Journalisten eine klar definierte Aufgabe: Fernsehen, Radio und Presse haben die Regierung in ein gutes Licht zu stellen. Sie haben über das zu berichten, was die Staatsführung will.

So ähnlich stellen sich offenbar Teile des Bundesrats die Berichterstattung in der Schweiz vor. Nachdem die Medien kritisch über die unklare EU-Strategie des Bundesrats berichtet hatten, appellierte Aussenminister Ignazio Cassis an die patriotischen Gefühle der hiesigen Medienschaffenden. «Zum Wohle des Landes» sollen sich die Schweizer Medien mit der Berichterstattung über den Stand der Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU gefälligst ­zurückhalten. «Sie sind ebenfalls Teil dieses Landes und haben dementsprechend auch eine Verantwortung für den Erfolg unseres Landes», sagte er an der bundesrätlichen Medienkonferenz. Angesprochen auf die chaotische Kommunikation des Bundesrats, doppelte er nach. «Die Klarheit der Kommunikation ist ein Teil des Erfolgs», sagte er. «Deshalb auch dieser Appell an Sie.»

Dieser Aufruf kommt in einem freiheitlichen Staat einigermassen überraschend. Ist es nicht gerade Aufgabe der Medien, das Handeln der Mächtigen kritisch zu hinterfragen und Missstände zu benennen? Offenbar nicht für Cassis. Und damit ist er im Bundesrat nicht mal alleine. Als Anfang Woche ein streikender SDA-Redaktor Bundesrat Ueli Maurer ein Faltblatt in die Hand drücken wollte, lehnte dieser ab. «Sie helfen uns ja auch nie», sagte er und lief weiter.

Sinnigerweise stammen Cassis und Maurer aus Parteien, die sich stets gegen eine staatliche Förderung der Medien ausgesprochen haben – da sonst die kritische Distanz zum Staat verloren gehe. Nun vertreten sie genau das Gegenteil. Sie fordern Medien, die den Bundesrat unterstützen. Sie fordern Staatsmedien. (rob)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.