Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Bundesrat kümmert sich um die Kümmerer

Pflegende Angehörige ersparen der Gesellschaft immense Kosten. Sie geraten aber oft ans Ende ihrer Kräfte, und im Alter drohen finanzielle Engpässe. Der Bundesrat will sie nun entlasten.

Sie stehen mitten im Leben, ­machen Karriere, haben eine ­Familie gegründet – und aus heiterem Himmel passiert es: Ein ­Elternteil erleidet einen Herzinfarkt oder Hirnschlag. Er oder sie muss gepflegt werden. Von einem Tag auf den anderen müssen Betroffene ihr Leben umkrempeln. Wer aber kümmert sich um sie? 237 000 Menschen in der Schweiz pflegen regelmässig Angehörige und sind gleichzeitig erwerbs­tätig. Nicht selten geraten sie ans Ende ihrer Kräfte. Treten sie beruflich kürzer oder geben die Arbeit ganz auf, drohen ihnen finanzielle Einbussen, etwa in Form einer geringeren Rente. Seit langem fordern Organisationen wie Pro Senectute mehr Support für pflegende Angehörige. Nun handelt der Bundesrat. Er schickte gestern einen Gesetzesentwurf mit drei Massnahmen in die Vernehmlassung: Arbeitgeber sollen bei Kurzabsenzen für die Pflege von Angehörigen zu einer Lohnfortzahlung verpflichtet werden. Zwei Drittel der Unternehmen kommen dieser Forderung schon heute nach, neu soll sie für alle gültig im Obligationenrecht verankert werden. Kostenpunkt: 90 bis 150 Millionen Franken pro Jahr. Eltern von schwerkranken Kindern soll ein Pflegeurlaub von maximal 14 Wochen gewährt werden. Der Lohnausfall würde wie beim Mutterschaftsurlaub über das Erwerbsersatzgesetz ­finanziert. Kostenpunkt: 77 Millionen Franken pro Jahr.

41 Millionen Stunden unbezahlte Hilfe

Als dritte Massnahme will der Bundesrat den Anspruch auf ­Betreuungsgutschriften für die AHV ausweiten. Heute haben pflegende Angehörige Anspruch auf eine solche Gutschrift, um Einkommensausfälle auszugleichen, wenn die pflegebedürftige Person eine Hilflosenentschädigung für mittlere oder schwere Hilflosigkeit beansprucht. Künftig soll dies bereits bei leichter Hilflosigkeit gewährt werden.

«Pflegende Angehörige leisten Arbeit von unschätzbarem Wert, nicht nur für die Kranken, sondern auch für die Gesellschaft», betonte Gesundheitsminister Alain Berset. In der Tat ist Hilfe im privaten Umfeld oft die günstigste und effizienteste Variante der Care-Arbeit. Im Jahr 2013 wurden in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik für die Pflege und Betreuung von Erwachsenen 41 Millionen Stunden unbezahlte Arbeit geleistet – einen Wegfall könnte die Gesellschaft finanziell nicht verkraften.

Lösung für zweite Säule wird vermisst

Für Peter Burri Follath von Pro Senectute Schweiz müssen Lösungen von Staat, Wirtschaft und Privaten gemeinsam getragen werden. Bei der Kinder­betreuung gebe es gute Ansätze, «warum soll das bei der Betreuung von älteren Menschen nicht auch funktionieren?». Auch Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat und Präsident des Personalverbands Transfair, sieht die Vorschläge positiv, vermisst aber eine Lösung für die zweite Säule: «Wer das Arbeitspensum reduziert, um Angehörige zu pflegen, der verzichtet nicht nur auf Lohn, sondern auch auf Beiträge für die Altersvorsorge.» In einem Vorstoss verlangt er vom Bundesrat Ideen, wie die berufliche Vorsorge kompensiert werden kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.