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BUNDESRAT: Ein Tessiner Arzt ist Kronfavorit für die Nachfolge von Burkhalter

Nach der Rücktritts-Ankündigung von FDP-Bundesrat Didier Burkhalter kommt das Kandidatenkarussell in Schwung. In der Pole Position: Ignazio Cassis, Fraktionspräsident der Freisinnigen.
Ignazio Cassis. (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))

Ignazio Cassis. (Bild: ALESSANDRO DELLA VALLE (KEYSTONE))

Es war kurz nach der Wahl von Guy Parmelin in den Bundesrat vor eineinhalb Jahren. «Ich gehe davon aus, dass es für den Kanton Tessin in den nächsten vier Jahren keine neue Chance gibt», sagte FDP-Fraktionspräsident Ignazio Cassis. Er sollte danebenliegen. Mit dem überraschenden Rücktritt des Westschweizer Bundesrats Burkhalter steht das Tor für das Tessin weit offen. Die Romandie ist mit gegenwärtig drei Bundesräten übervertreten, und das Tessin wartet seit dem Rücktritt von Flavio Cotti im Jahr 1999 auf einen Bundesratssitz; so lange wie erst einmal seit der Gründung der modernen Schweiz im Jahr 1848. Und ausgerechnet Cassis, der mit seiner Aussage falsch lag, ist nun Kronfavorit für die Nachfolge von Didier Burkhalter.

Cassis politisiert seit 2007 im Nationalrat, seit 2015 ist er Fraktionschef der FDP. Im Tessin erlangte er Bekanntheit als Kantonsarzt, bevor er sich in Bern als Gesundheitspolitiker einen Namen machte. Der 56-Jährige gilt als dossiersicher und wird im Bundeshaus für seine umgängliche Art geschätzt. Ein grosses Plus sind weiter seine Sprachkenntnisse, er spricht ausgezeichnet Deutsch wie auch Französisch. Ein Stolperstein könnte hingegen sein Widerstand gegen die vom Ständerat geprägte Altersreform werden, wo er die Linke und die CVP gegen sich aufbrachte. Auch sein gutbezahltes Mandat beim Krankenkassenverband Curafutura löste Irritationen aus.

Cassis signalisiert Interesse an Kandidatur

«Ich schliesse eine Kandidatur nicht aus», sagte Cassis gestern; etwas, das er schon lange sagt. Ob es nicht Zeit sei für einen Tessiner Kandidatur? «Das Tessin sagt das seit zehn Jahren, ich gehe davon aus, dass dies dieses Mal nicht anders sein wird.» Wie sehen Sie es? «Ich sehe das auch so.» Cassis sagt, er habe seinen Entschluss noch nicht gefällt. Im Bundeshaus geht man davon aus, dass er sich zur Verfügung stellen wird.

Wenn Cassis will, kann es sich die Bundesversammlung kaum leisten, ihn nicht zu wählen – zu gross wäre der Affront gegenüber dem südlichen Landesteil. Andere Tessiner Bundesparlamentarier drängen sich nicht auf. Für den populären 44-jährigen Tessiner Regierungsrat Christian Vitta dürfte der Sprung in den Bundesrat noch zu gross sein.

Karin Keller-Sutter sieht sich nicht als Kandidatin

Kaum in Frage kommt eine Deutschschweizer Kandidatur. Sowohl Parteipräsidentin Petra Gössi als auch Vizepräsident Andrea Caroni liessen durchblicken, dass die lateinische Schweiz im Vordergrund stehe. Es sei eine langjährige Tradition der FDP, von zwei Sprachregionen im Bundesrat vertreten zu sein, sagte Caroni. Die hochgehandelte St. Galler Ständerätin und ehemalige Regierungsrätin Karin Keller-Sutter winkte auf Anfrage ab. «Dieser Sitz gehört nicht der Deutschschweiz, sondern der Westschweiz oder dem Tessin», sagte sie. Regelmässig wird auch der Bündner Ständerat und ehemalige Regierungsrat Martin Schmid als Bundesratskandidat genannt. Er war gestern nicht zu erreichen. Allerdings dürfte auch er zögern, jetzt zu kandidieren. Er ist erst 48 Jahre alt und kann sich bessere Chancen ausrechnen, wenn Johann Schneider-Ammann zurücktritt.

Zwei bekannte Namen aus der Westschweiz

Aus der Westschweiz stehen zwei Regierungsräte im Zentrum der Spekulationen. In Genf werden dem 39-jährigen Pierre Maudet Ambitionen nachgesagt. Der Wirtschafts- und Sicherheitsdirektor gilt als politisches Ausnahmetalent und wird seit geraumer Zeit als Bundesratskandidat gehandelt. Er war von 2011 bis 2012 Stadtpräsident von Genf und sitzt seit fünf Jahren in der Kantonsregierung. Mit seiner strikten Bekämpfung der Kriminalität hat sich Maudet schweizweit einen Namen gemacht. Zu einer allfälligen Kandidatur wollte er sich gestern nicht äussern.

Bereits einmal in den Bundesrat strebte der Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis. Nachdem Pascal Couchepin zurückgetreten war, bewarb sich Broulis für seine Nachfolge und unterlag in der internen Ausmarchung Didier Burkhalter. Broulis gilt als begnadeter ­Finanzpolitiker, der in den vergangenen 13 Jahren die Finanzen des Kantons ins Lot gebracht hat. Gestern hielt er sich bedeckt. Zu bedenken gab er allerdings, dass das Waadtland mit Guy Parmelin bereits einen Bundesrat stelle. Hinzu kommt, dass sich Regierungsräte in jüngerer Vergangenheit schwertaten, die Unterstützung der Bundesversammlung zu gewinnen.

Bleibt Schneider-Amman wirklich bis zum Ende der Legislatur?

Was die Planspiele nochmals gehörig durcheinander wirbeln könnte, ist ein baldiger Rücktritt von Schneider-Ammann, der gelegentlich amtsmüde wirkt. Verschiedentlich wurde gestern im Bundeshaus über dieses Szenario gesprochen. Mit einer Doppelvakanz könnte die FDP das Kandidatenfeld weit öffnen und danach mit zwei frischen Kräften in die eidgenössischen Wahlen 2019 gehen. Beim Wirtschaftsdepartement, das Schneider-Amman leitet, hiess es gestern jedoch, Schneider-Ammann halte an seinem Plan fest, bis zum Ende der Legislatur im Amt zu bleiben.

Roger Braun

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