BUNDESPARLAMENT: Ein Freiburger ist höchster Schweizer

Dominique de Buman (CVP) und Karin Keller-Sutter (FDP) präsidieren neu die beiden Kammern. Zum Auftakt der Wintersession wurden zudem fünf neue Nationalräte vereidigt.

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Auf den CVP-Politiker de Buman entfielen 160 von 179 gültigen Stimmen. Karin Keller-Sutter wurde mit 43 von 43 gültigen Stimmen gewählt. Beide zeigten sich geehrt. «Welch ein Privileg, seinen Kollegen und der Schweizer Bevölkerung zu dienen! Welche Emotion!», sagte de Buman.

In seiner Rede nahm der 61-Jährige auf die politischen, kulturellen und geografischen Unterschiede in der Schweiz Bezug. «Die Nachhaltigkeit unserer Institutionen hat uns ermöglicht, im Geiste einer Willensnation eine schweizerische Identität zu entwickeln.» Auch im Parlament gelte: «Einer für alle, alle für einen.»

Keller-Sutter räumte ein, sie habe erst gezögert, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen. Dann habe sie festgestellt, dass der Ständerat seit 1971 nur von drei Frauen präsidiert worden sei. «Das hat mir zu denken gegeben», sagte die 53-Jährige.

Die letzte Ständeratspräsidentin stammte ebenfalls aus dem Kanton St. Gallen. Es handelte sich um Erika Forster, welche die kleine Kammer im Jahr 2010 präsidierte.

Rahmenabkommen eilt für Keller-Sutter nicht

Die Überzeugung, dass Verantwortung und Macht in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geteilt werden müssten, habe sie zu einer Zusage bewogen, sagte Keller-Sutter. «Wenn Frauen gefragt werden, müssen sie auch bereit sein, eine Aufgabe zu übernehmen und damit sichtbar zu werden.» Und dann sei da auch noch die tiefe Überzeugung, dass die Kraft des Landes in seinen Institutionen liege, fuhr Keller-Sutter fort. Sie äusserte sich auch zu wichtigen Geschäften der laufenden Legislatur. In der Europapolitik sei eine schnelle Lösung kaum machbar, sagte sie. Der Abschluss eines institutionellen Abkommens eile nicht. Für den musikalischen Rahmen im Ständeratssaal sorgten Nicolas Senn (Hackbrett) und Elias Bernet (E-Piano). De Bumans Wahl umrahmte das Ensemble 4 G(enerations) Jazz Group.

Carobbio und Fournier stehen als Nachfolger bereit

Neu besetzt wurden auch die Vizepräsidien. Zur ersten Vizepräsidentin wählte der Nationalrat Marina Carobbio. Die Tessiner SP-Nationalrätin dürfte in einem Jahr de Buman als Präsidenten ablösen. Im Ständerat wird voraussichtlich der Walliser CVP-Politiker Jean-René Fournier in einem Jahr die Leitung übernemen.

Zudem wurden fünf neue Nationalräte vereidigt. Der Tessiner FDP-Politiker Rocco Cattaneo ersetzt Ignazio Cassis. Der 58-jährige Ex-Radprofi sorgte noch vor Amtsantritt für Aufsehen: Er legte die 250 Kilometer aus dem Tessin nach Bern mit dem Fahrrad zurück. Die 30-jährige Irène Kälin folgt auf den Aargauer Grünen Jonas Fricker. Dieser trat zurück, nachdem er in der Herbstsession Schweinetransporte mit der Deportation von Juden verglichen hatte. Für die Zürcher EVP-Nationalrätin Maja Ingold politisiert nun Nik Gugger. Der 47-Jährige ist in Indien geboren und als Baby von Schweizer Entwicklungshelfern adoptiert worden. Die 33-jährige Betriebsökonomin Diana Gutjahr rückt für den Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter nach. Und schliesslich wird FDP-Nationalrat Hermann Hess (TG) durch Unternehmer Hansjörg Brunner ersetzt. (sda)