Bundesgericht lockert strenge Überhol-Regel

LAUSANNE. Bremst auf der Überholspur der Autobahn die Fahrzeugkolonne wegen des Handorgeleffekts ab, muss der Autofahrer auf der Normalspur nicht mehr auf die Bremse treten. Er darf bei gleichbleibendem Tempo an den links fahrenden Autos vorbeifahren.

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LAUSANNE. Bremst auf der Überholspur der Autobahn die Fahrzeugkolonne wegen des Handorgeleffekts ab, muss der Autofahrer auf der Normalspur nicht mehr auf die Bremse treten. Er darf bei gleichbleibendem Tempo an den links fahrenden Autos vorbeifahren. Das hat das Bundesgericht entschieden und damit seine strenge Praxis zum Rechtsüberholen auf der Autobahn leicht gelockert.

Erstritten hat das Urteil ein Autofahrer, der wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Geldstrafe und einer Busse verurteilt wurde. Er war vor zwei Jahren mit seinem Auto auf der dreispurigen Autobahn A1 bei Grauholz BE auf der rechten Fahrspur mit gleichbleibender Geschwindigkeit an zwei Autos vorbeigefahren, die ihr Tempo reduzieren mussten. Nach der alten Praxis hätte auch der auf der Normalspur fahrende Mann sein Tempo reduzieren müssen. In seinem Grundsatzurteil weicht das Bundesgericht nun von seiner bisherigen Praxis ab. Ein passives Überholen auf der rechten Fahrspur – ohne zu beschleunigen – gilt ab sofort nicht mehr als unzulässiges Überholen.

Künftig muss also auf der rechten Fahrspur nicht mehr gebremst werden, wenn sich auf der Überholspur ein Handorgeleffekt ergibt. Laut Bundesgericht ist das passive Rechtsvorbeifahren bei dichtem Verkehr mittlerweile eine alltägliche Situation, die sich kaum vermeiden lässt und nicht automatisch zu einer erhöhten Gefährdung führt. (tzi)

Urteil 6B_374/22015