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Bundesbern: Das Parteisekretariat dient als Durchlauferhitzer

Die Löhne in den meisten Parteizentralen sind mässig, die Perspektiven dafür umso rosiger - Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber können sich auszahlen. Die hohe Fluktuation macht den Parteien selber zu schaffen.
Henry Habegger
Das Bundeshaus in Bern. (Bild: Benjamin Manser)

Das Bundeshaus in Bern. (Bild: Benjamin Manser)

Jetzt hat es die SP erwischt. Ausgerechnet im Wahljahr verliert die Partei ihre Co-Kampagnenleiterin. Corinne Grässle kam erst letztes Jahr vom WWF, jetzt geht sie wieder. Das bestätigt Michael Sorg, Co-Generalsekretär der SP. Die Nachfolge sei noch nicht geregelt.
In Bewegung ist auch die CVP. Per Mai wechselt CVP-Kommunikationschef Manuel Ackermann zum Krankenkassenverband Santésuisse. Zuvor musste die Partei bereits die Generalsekretärin ersetzen. Béatrice Wertli hörte im Herbst 2018 auf, seit Oktober ist mit Gianna Luzio eine neue Kraft am Werk. Die SVP hat seit drei Monaten mit dem Freiburger Emanuel Waeber (Ex-Mitglied der CVP) einen neuen Generalsekretär. Dessen Vorgänger Dominique Steiner (ehemals FDP) hatte den Dienst nach einer Woche quittiert.

SP-Co-Kampagnenleiterin Corinne Grässle. (Bild: PD)

SP-Co-Kampagnenleiterin Corinne Grässle. (Bild: PD)

In den Generalsekretariaten (GS) der Parteien häufen sich die Abgänge. Das ist nicht unproblematisch, wie FDP-Generalsekretär Samuel Lanz feststellt: «Ab September oder Oktober im Vorwahljahr sollte man keine Leute mehr verlieren. Da sind die Vorbereitungen für die Wahlen bereits in vollem Gang.» Doch die Fluktuation sei bei allen Parteien hoch, sagt Lanz, sie betrage in der Mitte der Legislatur schon mal «40 Prozent».

Umfeld ist schnelllebiger geworden

«Unabhängig von Branche und Berufsgattungen ist im heutigen Arbeitsumfeld festzustellen, dass sich die Fluktuationsrate deutlich erhöht hat», sagt SVP-Sprecherin Andrea Sommer. «Sie liegt innerhalb unseres Generalsekretariats durchschnittlich bei etwa 30 Prozent.» Keine Zahlen will SP-Co-Generalsekretär Sorg nennen. Aber auch er sagt: «Die Anforderungen sind gestiegen, das Tempo ebenfalls. Das macht die politische Arbeit noch spannender, aber auch schnelllebiger.»
Stabiler sind die Grünen. Acht der zehn Mitarbeitenden arbeiten seit drei oder mehr Jahren auf dem GS, die Hälfte sogar seit mehr als sechs Jahren. «Wir können auf ein weit überdurchschnittliches Engagement und Commitment unserer Mitarbeitenden zählen, deren Identifikation mit der Arbeitgeberin sicherlich aussergewöhnlich hoch ist», sagt Generalsekretärin Regula Tschanz. Vielleicht spielt aber auch mit, dass die Grünen keine Bundesratspartei sind. Regierungsparteien wirken dank Direktzugang zu Bundesjobs als Durchlauferhitzer. «Die Generalsekretariate sind zunehmend auch Kaderschmieden», sagt SP-Mann Sorg. «Wer in der hohen Belastung in der Zentrale einer nationalen Partei einen guten Job macht, wird auch für andere Arbeitgeber interessant.»

SVP-Generalsekretär Dominique Steiner quittierte den Dienst nach einer Woche wieder. (Bild: Keystone)

SVP-Generalsekretär Dominique Steiner quittierte den Dienst nach einer Woche wieder. (Bild: Keystone)

CVP-Generalsekretärin Luzio sagt: «Unsere Leute erhalten relativ früh eine grosse Verantwortung, sie kommen in Kontakt mit spannenden und wichtigen Leuten in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, sie können sich ein wertvolles Netzwerk aufbauen.» Diese Jobs seien «ein natürliches Sprungbrett». Die Gehälter bei der CVP seien zwar «anständig», aber: «Wir können sicher keine Spitzenlöhne zahlen.»

Auch FDP-Generalsekretär Samuel Lanz sagt: «Die Leute kommen jung ins GS, mit relativ tiefem Einsteigersalär, mit Löhnen beim Bund überhaupt nicht vergleichbar.» Laut Lanz geben die Angestellten «zwei bis drei Jahre Vollgas, dann werden sie abgeworben». Nach vier bis sechs Jahren kämen sie typischerweise wieder zurück, nun in höherer Funktion. «Das klassische Beispiel, wie es auch bei mir war: Zuerst Praktikant, dann Mitarbeiter, dann Generalsekretär. Oder Kommunikationschef. Wenig später werden die Leute meist erneut abgeworben, diesmal in eine noch höhere Charge.»

Bei der SVP heisst es, man sei in Sachen Löhne bei «sämtlichen internen Berufsbildnern» mit «kleineren Verbänden» konkurrenzfähig, mit dem Bund aber könne man nicht mithalten. Dieser zahle «zu hohe Löhne», sagt Sprecherin Sommer, und er sei auf Stufe «wissenschaftliche Mitarbeiter heute der grösste Lohntreiber». Die SVP aber richte ihre Löhne nach der produzierenden Wirtschaft aus, die jeden Franken verdienen müsse.

Blick auf die Lohnklasse

Wechsel zahlen sich bisweilen ganz schön aus. Daniel Floris etwa, administrativer CVP-Fraktionssekretär, dürfte in seiner neuen Funktion als Persönlicher Mitarbeiter (PM) von Bundesrätin Viola Amherd etwa das Doppelte verdienen. PM können Lohnklasse 31 erreichen, maximal gut 210 000 Franken. Dass die Parteien knapp bei Kasse
gehalten werden, ist gewollt, glaubt Grünen-Generalsekretärin Tschanz: «Die Schweiz kennt – im Gegensatz zu allen anderen OECD-Staaten – keine staatliche Parteienfinanzierung. Entsprechend sind die Parteien in der Schweiz so schwache Akteure wie in kaum einem anderen westlichen Land. Viele Mittel und damit Macht haben dagegen die Verbände. Diese gewollte strukturelle Schwäche der Parteien spiegelt sich auch in den Gehältern.»

Die Fluktuation macht Parteien zu schaffen. Es geht viel Know-how verloren, das wieder aufgebaut werden muss. «Wir haben jetzt angefangen, Leute systematisch länger zu behalten. Wir betrauen sie intern mit neuen Aufgaben, das ist ein Anreiz», sagt FDP-Generalsekretär Lanz. Auf ihre Weise versucht die SP, dem Aderlass entgegenzuwirken. Sie zahlt laut Sorg «bis zu einer gewissen Lohnstufe» Gehälter, die dem Vergleich von Bund und Privatwirtschaft standhalten. Dafür sind die Löhne an der Spitze der Parteizentrale vergleichsweise tiefer. Das sei nicht nur den knappen Parteifinanzen geschuldet: «Das Gehalt darf nicht die primäre Motivation für die Arbeit bei der SP sein.»

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