Bundesbahnhof Bern

Der Tessiner SP-Nationalrat Fabio Pedrina weibelt für die Zukunft des Berner Bahnhofs. Der Ausbau sei von nationaler Bedeutung, argumentiert er.

Barbara Spycher
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Nun ist die Kritik am vorgesehenen Ausbau des Berner Bahnhofs auf die nationale Ebene übergeschwappt: Auch der Bund will mit einer Expertise sicherstellen, dass der zweitgrösste Schweizer Bahnhof einen späteren Kapazitätsausbau nicht verbaut.

«Das ist ein Bahnhof für den Regionalverkehr Bern–Solothurn, aber kein Bahnhof für Bern und auch nicht für die SBB und die BLS.» Das ist das vernichtende Fazit vom Architekten und «Hochparterre»-Redaktor Benedikt Loderer zum letzten Freitag vorgestellten Ausbauprojekt «Zukunft Bahnhof Bern». Dieses sieht bis 2025 einen neuen Tiefbahnhof für die Schmalspur-Regionalzüge Bern–Solothurn (RBS) vor.

Zweitgrösster Knotenpunkt

Dieser Teil des Bahnhofs platzt heute aus allen Nähten: Geplant für 16 000 Passagiere, schluckt er täglich 50 000. Doch auch der SBB-Bahnhof für den Nah- und Fernverkehr wird laut SBB voraussichtlich 2020 nah an seine Kapazitätsgrenzen kommen, der Bedarf nach einem neuen SBB-Tiefbahnhof sei mittelfristig, nach 2030, absehbar.

Doch genau diesen nötigen Kapazitätsausbau verbaue sich Bern – der zweitgrösste Eisenbahnknoten der Schweiz – mit dem vorgestellten Projekt, kritisieren Architekten und Politiker. Zwar sieht auch das favorisierte Ausbauprojekt einen SBB-Tiefbahnhof vor, viergleisig, 25 bis 30 Meter unter den heutigen SBB-Gleisen. Für Hansjörg Hess, SBB-Infrastrukturchef, sind damit die Ausbaumöglichkeiten für die SBB intakt, er steht «begeistert» hinter dem Projekt.

Mehr Platz für SBB-Geleise

Anders sehen das Berner Kantons- und Stadtparlamentarier von links bis rechts. Ihre Kritikpunkte: Da der erste Ausbauschritt rund eine Milliarde Franken kostet, sei es höchst ungewiss, ob später nochmals rund 1,4 Milliarden Franken für den nötigen SBB-Tiefbahnhof lockergemacht würden. Ausserdem gebe es andere Varianten für den RBS-Bahnhof, es sei sinnvoller, mehr Platz für SBB-Normalspurgeleise freizuhalten. Und vor allem: Man habe sich von Anfang an auf diese Variante versteift, statt andere ernsthaft zu prüfen.

Mit einer Anfrage vom Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen Ende September ist die Kritik auf Bundesbern übergeschwappt.

ETH verfasst Expertise

«Der Bund behält sich vor, eine Konzeptstudie über die mittel- bis längerfristige Entwicklung des Bahnknotens Bern zu veranlassen», heisst es in der Antwort des Bundesrates. Daraufhin nahm Berns Baudirektorin Barbara Egger den Kritikern den Wind aus den Segeln, indem sie bekanntgab: Die Variantenentscheide für die zwei Tiefbahnhöfe für RBS und SBB werden von der ETH bis im Frühling überprüft.

Doch für Fabio Pedrina, Raumplaner und Tessiner SP-Nationalrat, ist das noch nicht genug. Auf seine Initiative hin war der Berner Bahnhof in der gestrigen Sitzung der nationalrätlichen Verkehrskommission ein Sonderthema. Eingeladen waren auch Hans Werder, Generalsekretär des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), und Alain Rumley, Direktor des Bundesamtes für Raumentwicklung (Are).

«Nationale Angelegenheit»

Fazit, so Pedrina gestern abend: Die Kommission habe unterstrichen, dass die Expertise nicht allein vom Kanton Bern, sondern gemeinsam von Bund und Kanton in Auftrag gegeben werden sollte. Die Uvek-Vertreter hätten bestätigt, dass das bereits geschehen sei.

«Der Ausbau des Bahnhofs Bern ist mehr als eine rein bernische Angelegenheit», sagt Pedrina. «Wir wollen dafür sorgen, dass der Kanton Bern nicht vorab für sich optimiert, sondern die Funktions- und Ausbaufähigkeit des ganzen nationalen Eisenbahnknotens gewährleistet bleibt.» Deshalb erlaube er sich, sich als Tessiner im Bahnhof Bern einzumischen.

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