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Gratis-Internet: Bund soll SBB Beine machen

Weil die SBB in ihren Zügen immer noch kein Gratis-Internet anbieten, soll nach dem Willen von Politikern der Bund den Druck auf die Bundesbahn erhöhen. Dort verspricht man, noch 2018 ein Konzept vorzustellen.
Dominic Wirth
Ein Aufkleber an einer Zugtüre weist auf besseren Handy-Empfang im Zug hin. (Bild: Keystone)

Ein Aufkleber an einer Zugtüre weist auf besseren Handy-Empfang im Zug hin. (Bild: Keystone)

Jeder SBB-Kunde kennt ihn: den Ärger über die Internetverbindung im Zug. Die SBB haben ihr Rollmaterial zwar mit Verstärkern ausgerüstet, die den Internetempfang über das Mobilfunknetz verbessern sollen. Ein Gratis-WLAN, wie es etwa in den Postautos oder auch in den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn oder dem österreichischen Railjet verfügbar ist, bieten sie aber nach wie vor nicht an. SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar kündigte Ende Mai in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» lediglich an, man habe «das Bedürfnis erkannt» und werde im zweiten Halbjahr darüber informieren, wie man einen kostenfreien Internetzugang gewährleisten wolle.

Dem St. Galler CVP-Nationalrat Thomas Ammann ist das nicht genug. «Es muss in dieser Sache endlich etwas gehen», sagt der Verkehrspolitiker, der am Samstag in den Vorstand der Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Schweiz (IGöV) gewählt wird. Ammann hat in der Sommersession im Nationalrat eine Interpellation eingereicht. Das Ziel: Der Bund als Besitzer soll den Druck auf die SBB erhöhen. Der Rheintaler regt an, dass der Bundesrat das Thema Gratis-WLAN in die strategischen Leistungsziele der Bundesbahnen aufnimmt. Daneben soll sich der Bund klar dazu äussern, welche Bedeutung er dem Thema WLAN im Fernverkehr beimisst. Für Ammann ist ein Internetangebot der SBB unerlässlich. Für die beste Lösung hält er ein WLAN-Angebot.

Es wird kein WLAN geben

Dazu, immerhin so viel steht fest, wird es aber nicht kommen. Bei den SBB heisst es auf Anfrage, man könne sich zwar noch zur nicht genauen technischen Lösung äussern. Diese werde erst in der zweiten Jahreshälfte 2018 kommuniziert. Etwas verrät der SBB-Sprecher Reto Schärli aber schon: Auf ein WLAN werden die SBB nicht setzen. Grund dafür dürfte sein, dass der Einbau eines WLAN-Angebots eine aufwendige Umrüstung des Rollmaterials voraussetzt. Vieles ist also noch unklar, ausser eben, dass es kein SBB-WLAN geben wird.

Wie aber könnte eine andere technische Lösung aussehen? Ralf Beyeler, Telekommunikationsexperte beim Vergleichsdienst Moneyland, vermutet, dass die SBB auf eine App-Lösung setzen werden. Diese könnte in die bestehende Ticket- und Fahrplan-App der SBB integriert werden. Die Zugpassagiere könnten sich über die SBB-App bei ihrem Mobilfunkanbieter einloggen – und dann kostenlos surfen, solange sie im Zug sitzen.

Umsonst wäre das Internet im Zug damit. Bleibt noch die zweite Baustelle, eine bessere Signalqualität. Hier ortet Ralf Beyeler «grossen Handlungsbedarf» für die SBB. Es brauche besseren Empfang in den Zügen, etwa dank zusätzlicher Antennen entlang des Streckennetzes. «Ein Gratis-Netz bringt nur etwas, wenn es auch ständig und in guter Qualität verfügbar ist», sagt Beyeler. Die App-Lösung hätte für die SBB den Vorteil, dass ihr eine Aufrüstung ihrer Züge erspart bliebe. «Betrieblich würde das Sinn machen», sagt Beyeler. Allerdings setzt der Experte beim Kundennutzen ein Fragezeichen: «Ich frage mich, wie sich gewährleisten lässt, dass auch Laptop-Benutzer – und nicht nur solche mit Smartphones – Zugang zu diesem Angebot erhalten.»

Daneben begrüsst Beyeler, dass die SBB bald Gratis-Internet anbieten wollen. «Es ist auch höchste Zeit, die SBB haben sich jahrelang um die Kundenbedürfnisse foutiert», sagt Beyeler. Diese Kritik weist SBB-Sprecher Schärli zurück. Er verweist auf Gratis-Hotspots an den 80 grössten Bahnhöfen. Und auf Signalverstärker, die es in den Fernverkehrszügen bereits gibt – und mit denen auch der Regionalverkehr seit zwei Jahren ausgerüstet wird.

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