Brunner gibt Blocher erneut einen Korb

BERN. Für SVP-Übervater Christoph Blocher wäre Parteipräsident Toni Brunner ein hervorragender Bundesrat. Auch von SVP-Fraktionskollegen erhält der St. Galler Unterstützung. Doch Brunner schliesst eine Kandidatur trotz des Lobs weiter aus.

Tobias Bär/Tobias Gafafer
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Am Anfang schien es bloss ein Versuchsballon des SVP-Chefstrategen zu sein: Christoph Blocher brachte Parteipräsident Toni Brunner als Bundesratskandidaten ins Spiel. Der Toggenburger selber hielt wiederholt fest, dass er dafür nicht zur Verfügung stehe – auch gegenüber unserer Zeitung. «Das ist für mich keine Option», sagte er. Der Fokus richtete sich deshalb auf jene Kandidaten, die von ihrer Kantonalpartei zuhanden der SVP-Findungskommission vorgeschlagen wurden – oder die ihr Interesse zumindest nicht öffentlich in Abrede stellten. Primär auf den Bündner Nationalrat Heinz Brand oder auch auf den Zuger Regierungsrat Heinz Tännler. Dieser teilte gestern allerdings mit, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe.

Christoph Blocher legt nach

Doch Blocher tut weiterhin viel dafür, um Brunners Kandidatur im Spiel zu halten. Am Abend des Wahlsonntags sagte er in der Sendung «Teleblocher» über seinen ehemaligen Zögling: «Er täte dem Bundesrat sehr gut, er würde etwas Nichtakademisches reinbringen. Wir versuchen, ihn zu überzeugen.» In den vergangenen Tagen war aus Parteikreisen zudem die Idee eines Überraschungscoups zu vernehmen (Ausgabe von gestern). Und die SVP-nahe «Weltwoche» sekundiert in ihrer heutigen Ausgabe: «Toni Brunner ist der logische neue Bundesrat.»

Ein unterschätzter Politiker

Ist eine Bundesratskandidatur Brunners demnach trotzdem mehr als eine Wunschvorstellung Blochers? Auf die Unterstützung seiner Fraktionskollegen könnte der 41-Jährige jedenfalls zählen. «Ich kenne fünf bis zehn Politiker, die sich nicht verbiegen lassen, wenn Sie in ein Exekutivamt gewählt werden. Toni Brunner ist einer davon», sagt der Aargauer Nationalrat Luzi Stamm. Bezüglich der Teamfähigkeit Brunners hat Stamm keine Bedenken: «Er kommt mit jedem aus.» Zudem sei dieser sehr dossiersicher.

Auch Brunners St. Galler Nationalratskollege Thomas Müller lobt dessen Kompetenz: «Er sieht die Zusammenhänge.» Der Landwirt werde «gewaltig unterschätzt», Brunner sei nicht mehr der junge Nationalrat von vor 15 Jahren. «Rhetorisch ist er den anderen Parteipräsidenten inzwischen überlegen.» Für SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner (AG) wäre Toni Brunner ebenfalls «ein absolut valabler Kandidat, den ich sehr gerne wählen würde». Zwar müsse die SVP jemanden portieren, der auch für andere Parteien wählbar sei. Doch auch der heutige Bundesrat Ueli Maurer habe den Rollenwechsel vom Parteipräsidenten zum Magistraten geschafft. Parlamentarier aus anderen Parteien reagieren vorerst zurückhaltend. Sowohl Ständerätin Karin Keller-Sutter (FDP/SG) als auch die CVP-Nationalräte Daniel Fässler (AI) und Markus Ritter (SG) wollen die offizielle Nomination der SVP abwarten.

«Ich schliesse dies aus»

Brunner, mit dem der Kanton St. Gallen zum ersten Mal seit dem Rücktritt von Kurt Furgler im Jahr 1986 wieder im Bundesrat vertreten wäre, antwortete gestern auf die Frage, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könne, knapp und klar: «Nein.» Und auf die Frage die NZZ, ob er auch die Annahme einer allfälligen Wahl ausschliesse, sagte der SVP-Präsident: «Ich schliesse dies aus.» Ein Fraktionskollege Brunners meint hingegen: «Jeder würde eine Wahl zum Bundesrat annehmen.»