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Betrugsfall: Börsenguru Behring
bleibt vorerst auf freiem Fuss

Dieter Behring müsste eigentlich bald ins Gefängnis. Doch eine schwere Erkrankung fesselt den verurteilten 63-Jährigen ans Spitalbett.
Henry Habegger
Dieter Behring 2016 vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. (Bild: Pablo Gianinazzi/Keystone)

Dieter Behring 2016 vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. (Bild: Pablo Gianinazzi/Keystone)

Am 28. Januar soll Dieter Behring (63) ins Basler Untersuchungsgefängnis einrücken, dann folgt die Überstellung in die Justizvollzugsanstalt Wauwilermoos (LU). Dort soll der ehemalige Börsenguru eine Strafe von fünfeinhalb Jahren antreten, zu der ihn 2016 das Bundesstraf­gericht verurteilte.

Aber ob und wann Behring die Haft antreten wird, ist unklar. Er liegt seit dem 4. Januar mit einer schweren Gelbsucht im Spital. Gestern wurde er ins Berner Inselspital verlegt. «Es geht ihm nicht gut, seine Blutwerte sind schlecht», sagt seine Frau Ruth Behring. Die Diagnose: Leberzirrhose. Verursacht durch eine Gallenerkrankung. Es bleibe wohl nur eine Transplantation, sagt Ruth Behring. Derzeit ist ein Antrag auf Verschiebung des Haftantritts hängig.

Der Fall Behring wird immer dramatischer. Der Niedergang begann 2004, mit der Verhaftung von Behring. 2016 kam der Fall endlich vors Bundesstrafgericht. Unter seinem Präsidenten Daniel Kipfer brauchte dieses 14 statt der vorgeschriebenen 3 Monate für die schriftliche Urteilsbegründung. Als sie im Dezember 2017 endlich vorlag, hatte der Basler keinen Anwalt mehr: Sein Verteidiger Bruno Steiner war schwer an Krebs erkrankt. Der unkonventionelle Rechtsanwalt hatte aus Interesse am einzigartigen Fall gratis für Behring gearbeitet. Dieser hatte weder Geld noch die Zeit für einen anderen. Innert nur 30 Tagen musste die Beschwerde ans Bundesgericht verfasst werden. Steiner versuchte noch, eine Erstreckung der Beschwerdefrist bis Juli 2018 zu erreichen. Das Bundesgericht hatte kein Einsehen und befand: «Die Frist ist unabänderlich.»

Behring lieferte die Beschwerde, die er und seine Frau selbst fabriziert hatten, am 31. Januar 2018 ab. Im August erhielt er Post: Beschwerde abgelehnt. Inzwischen waren unter anderem in den «Paradise Papers» und den «Panama Papers» neue Elemente aufgetaucht. So stellte sich heraus, dass einer der einstigen Mitbeschuldigten Behrings eine Tarnfirma in einem Steuerparadies betrieb, auf deren Konto sich im Herbst 2017 umgerechnet 100 Millionen Franken befanden. Behring vermutete, dass das Geld ein Teil jener 500 Millionen an Kundengeldern aus seinem System war, die bis heute spurlos verschwunden sind.

Er schrieb ein Revisionsgesuch ans Bundesgericht. Dieses kam zum Schluss, dass, selbst wenn das Geld Behrings Mitbeschuldigten gehörte, dies nichts Wesentliches an der Schuld des Financiers ändern würde. Es lehnte das Revisionsgesuch ab.

Ruth Behring sagt: «Die Revision war das Letzte, was wir machen konnten.» Sie hatte wie ihr Mann immer gehofft, dass der Fall neu aufgerollt wird. Heute sagt sie: «Uns hat man alles genommen, das akzeptieren wir. Aber es gibt Leute, die haben Millionen beiseitegeschafft und laufen frei herum. Dass die Justiz der Spur des Geldes nie nachging, ist unerträglich. Das ist Geld, das den Geschädigten gehört, sie wurden so noch ein zweites Mal betrogen.»

Am letzten Sonntag war es exakt 45 Jahre her, als die Behrings ihr erstes Rendezvous hatten. Seither habe sie mit ihrem Mann «ununterbrochen glücklich zusammengelebt», wie Behrings Frau sagt. Sie zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass ihr Mann nicht der Hauptbösewicht war in der Affäre, dass die Justiz das aber so haben wollte. Ob die Bundesanwaltschaft der Spur der 100 Millionen noch folgt? Eine Sprecherin sagt: «Generell gilt, dass die Bundesanwaltschaft von Amtes wegen sämtlichen sachdienlichen Hinweisen nachgeht. Entsprechend wird sie im vorliegenden Sachzusammenhang auch weiterhin diejenigen Ermittlungshandlungen tätigen, die erforderlich sind.»

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