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Kolumne

Peach Weber über Schweizer Reisegewohnheiten: "Bleibt doch zu Hause!"

Der Schweizer Komiker ärgert sich in seinem Gastkommentar über die Reisegewohnheiten von heute. Die Ferien will er aber niemandem vermiesen. Ehrenwort!
Peach Weber

«Reisen erweitert den Horizont» oder «Reisen bildet», das waren in der Vergangenheit Leitsätze, mit denen man seine Ferientrips legitimieren konnte. In jener Zeit war dieses Unterfangen allerdings viel umständlicher, man musste rechtzeitig Geld wechseln, alles gut vorbereiten und es war relativ teuer. So hat man sich jede Reise gut überlegt und es war klar: Nur reiche Leute konnten sich mehr als einmal im Jahr Ferien im Ausland leisten.

Heute ist alles ganz einfach geworden: Wenn ich jetzt in diesem Moment die spontane Idee hätte, ich möchte in vier Stunden nach Florida fliegen, dann würde ich das schaffen. Ich könnte auf dem Handy den günstigsten Flug finden, über Airbnb eine billige Wohnung direkt am Strand von Miami buchen, den Koffer packen und ab die Post, besser gesagt die A-Post!

Der Flug kostet heute weniger als eine Zugfahrt nach Genf. Innerhalb Europas finde ich sogar Flüge, die billiger sind als ein Mittagessen im «Leuen». Also, nix wie los. Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis der erste Flug gratis ist, oder ich sogar Geld bekomme, wenn ich fliege. Pervers ist ja auch diese Tatsache: Wenn ich, anstatt direkt nach London zu fliegen, mir die Zeit nehme, über Helsinki und Warschau zu buchen, der Flug noch billiger wird. Kommen Sie da noch mit? Wenn ja, rufen Sie mich bitte an und erklären Sie es mir. Dass sogar Aldi und Lidl ins Reisegeschäft eingestiegen sind, das sagt alles. Was der Mensch dabei nicht bedachte, durch die Billigfliegerei wurden Reisen völlig abgewertet. Wenn man früher erzählte, man sei in Amerika gewesen, dann staunten die Freunde und wollten wissen, was man erlebt hatte. Man konnte sogar noch vierstündige Dia-Abende veranstalten. Der Peter Reber hat seine Karriere darauf aufgebaut, der könnte ein Lied davon singen.

Wenn man heute sagt, man sei in Ramaputschistan gewesen, dann hört man höchstens: Ja, da war ich auch mal, hat mir aber nicht gefallen, beim Frühstücksbuffet hatte es nicht mal Gipfeli! Ich kann dann nicht schildern, was ich erlebt habe, sondern jeder Anwesende erzählt sofort von seinen weitesten Reisen. Wenn ich diesen Gesprächen zuhöre, merke ich aber nicht viel von Horizonterweiterung oder Bildung durch Reisen. Ein Reiseleiter hat mir mal erzählt, dass nach einer Weltreise ihm ein Teilnehmer seine Fotos geschickt hat mit der Bitte, er solle ihm mitteilen, zu welchem Land welche Bilder gehörten. Reisen ist heute vielfach nur ein Versuch, der Langeweile zu Hause zu entfliehen und die Ferienzeit möglichst spektakulär totzuschlagen. Oft ist es nur noch sinn­loser Transport von 60 bis 100 Kilo Lebendfleisch.

Eine neue Seuche sind die Kreuzfahrten. Früher ein Vergnügen für Gutbetuchte, welches schnell mal einen halben bis ganzen Jahreslohn kosten konnte. Das machten vorwiegend ältere, reiche, etwas verwelkte Senioren, die sich, nach erfolgreichem Geschäftsleben, im Alter etwas gönnen wollten. Damals konnte man die Schiffe ruhig noch als «Voltaren-Dampfer» bezeichnen. Heute aber gibt es sogar «Heavy-Metall-Cruises» oder «Hudigääggeler»-Weltumrundungen. Die Schiffe werden immer grösser, bald werden sie so gross sein, dass sie in der Strasse von Gibraltar auf beiden Seiten gleichzeitig anlegen können. Darauf haben ein paar tausend Passagiere Platz und es gibt nicht nur zehn Kinos, es gibt zwanzig Restaurants, Schwimmbäder, Joggingbahnen, einen Helikopter für Rundflüge und so weiter...

Was soll das? Ist das nicht ein bisschen krank? Seekrank? Und was diese Dreckskähne hinten herauslassen, da greift jeder Wal zur Sauerstoffflasche. Als Passagier muss man schon ziemlich blind sein, um es bedenkenlos geniessen zu können. Die Kreuzfahrten kosten heute eben nicht mehr so viel, deshalb können es sich viel mehr Leute leisten. Ist das unser Ziel? Alles so billig zu machen, dass sich alle alles und jederzeit leisten können, ohne Rücksicht auf irreparable Schäden an der Umwelt? Das kann und will ich nicht glauben. Sollte jetzt der Eindruck entstanden sein, ich wollte Ihnen die kommenden Ferien vermiesen, nein, so war es nicht gemeint, Ehrenwort! Und wenn Sie mich jetzt sehen könnten, ich schaue genauso unschuldig drein, wie der Zuckerberg bei seiner ganz, ganz ehrlichen Entschuldigung. Deshalb aus vollem Herzen: Schöne Ferien!

P.S. Ein Leserbrief mit der Bemerkung, ich sei ja auch ein Umweltverschmutzer und die Rinder furzten in dieser Zeit viel mehr Abgase in die Luft, ist unnötig, ich weiss es schon.

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