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Bittere Zeiten für Schweizer Zucker

Zucker aus Europa überschwemmt den Markt und sorgt für rekordtiefe Preise. Zuckerrüben-Bauern und Zuckerhersteller in der Schweiz zweifeln mittlerweile sogar selbst an der Zukunft ihrer Branche.
Gabriela Jordan
Zuckerwürfel aus der Zuckerfabrik Aarberg. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Zuckerwürfel aus der Zuckerfabrik Aarberg. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Die Zuckerindustrie hat definitiv schon bessere Zeiten erlebt. Heute dominieren Ernährungstrends, die Wert auf gesundes Essen legen. Manche Länder erheben deshalb eine Zuckersteuer oder versuchen, mit Regulierungen den Zuckergehalt in Lebensmitteln zu reduzieren. Letzteres gilt auch für die Schweiz. Unternehmen wie Nestlé haben sich vor ein paar Jahren verpflichtet, den Zuckergehalt in Joghurts und Müesli schrittweise zu senken.

Für die momentane Misere der Schweizer Zuckerbranche ist diese Entwicklung allerdings nur bedingt verantwortlich. Vielmehr kämpfen Zuckerrübenproduzenten und Zuckerhersteller mit rekordtiefen Preisen, die auf eine Überproduktion in Europa und weltweit zurückzuführen sind. «Es ist absurd. Einerseits wird Zucker von allen Seiten bekämpft, andererseits ist er spottbillig zu haben», fasst Guido Stäger die Situation zusammen. Er ist Geschäftsführer der Schweizer Zucker AG mit den Zuckerfabriken Aarberg BE und Frauenfeld TG, die Zuckerrüben von 4900 Bauern verarbeiten.

Überproduktion in der EU, Indien und Thailand

Die Überproduktion hat ihren Ursprung in der Marktöffnung in der EU vor zwei Jahren. Im September 2017 endeten dadurch zum Beispiel Mengenbegrenzungen. Getrieben vom Kampf um Marktanteile haben europäische Grossproduzenten ihre Anbauflächen seither stark ausgeweitet. 20 Prozent Zucker mehr pro Jahr und Preiszerfall sind die Folge. Kostete die Tonne Zucker vor zehn Jahren noch 1000 Franken, sind es heute nur 400 Franken – immerhin mehr als der absolute Tiefstpreis von 350 Franken im August 2018. Ebenfalls zur Überproduktion tragen hohe Zuckerrohrerträge in Thailand und Indien bei.

Aufgrund der gesunkenen Preise haben sich Bauern in der ganzen Schweiz bereits aus der Rübenproduktion zurückgezogen. Und obwohl man alarmistische Töne von Bauern gewöhnt ist, lassen Aussagen der Zuckerrübenpflanzer nun aufhorchen. «Die Schweiz muss sich die Grundsatzfrage stellen, ob sie hierzulande noch eigenen Zucker produzieren will oder ob sie den Selbstversorgungsgrad von aktuell zwei Dritteln aufgeben will», sagt Josef Meyer vom Verband der Zuckerrübenpflanzer. «Wir Bauern hoffen natürlich auf eine Zukunft des Schweizer Zuckers. Dafür braucht es aber eine minimale Abschirmung vom europäischen Markt. Wir brauchen 600 Franken oder mehr pro Tonne, um kostendeckend produzieren zu können.» Der Verband stellt zu diesem Thema eine Studie in Aussicht, die eine Grundlage für eine politische Diskussion schaffen soll.

Aufgrund von Vereinbarungen mit der EU gibt es in der Schweiz nur einen minimalen Zollschutz. Rübenpflanzer erhalten Einzelkulturbeiträge, um den fehlenden Grenzschutz teilweise zu kompensieren. Diese wurden Anfang Jahr auf Initiative von Bauernverbandsdirektor und Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP/FR) temporär von 1800 auf 2100 Franken pro Hektare erhöht.

Danach gefragt, weshalb ausgerechnet der Schweizer Zucker stärker geschützt werden soll, argumentiert Meyer mit der Bedeutung eines Selbstversorgungsgrades und nachhaltigen Produktionsstandards. Er sagt:

«Als Konsument bin ich dafür, dass die Zuckermenge in Lebensmitteln reduziert wird. Abgesehen davon brauchen Bäcker, Köche und Konsumenten aber Zucker. Idealerweise stammt dieser von hier und wird nicht auf umweltschädigende Weise und zu Dumping-Preisen hertransportiert.»

Um das Werk in Frauenfeld auszulasten, importiert die Schweizer Zucker AG schon heute rund zehn Prozent Rüben aus dem Ausland. «Für die Swissness der Schweizer Nahrungsmittelproduktion sollte ein Selbstversorgungsgrad von etwa zwei Drittel langfristig erhalten bleiben», sagt Guido Stäger. Sorgen macht ihm in diesem Zusammenhang auch das geplante Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Dies könnte billigem Zucker aus Brasilien Tür und Tor öffnen und die Schweizer Hersteller noch mehr unter Druck bringen. Brasilien ist nach Deutschland der zweitgrösste Zuckerhersteller der Welt.

Konsum von Schokolade und Gebäck sinken

Damit ist klar: Die tieferen Preise belasten die Hersteller weit mehr als die Bemühungen der Politik und Wirtschaft, Zucker in Lebensmitteln zu reduzieren. Der aktuelle Ernährungstrend um gesundes Essen beschäftigt andere Player aber durchaus. So verzeichnen etwa Süsswarenhersteller seit einigen Jahren einen stagnierenden bis rückläufigen Absatz in der Schweiz, sowohl bei Schokolade als auch bei Guetzli. Bei der Schokolade wirkt der wachsende Export als Stütze. Dies bestätigt der Verband Chocosuisse, der die Schweizer Schokoladehersteller vertritt.

«Viele Leute geniessen zuckerhaltige Produkte heute bewusster», sagt Urs Furrer, der nebst Chocosuisse auch den Verband Biscosuisse mit Herstellern wie Midor, Kambly oder Hug leitet. Dieser Trend sei aber nicht so schlimm, sondern entspreche dem Schweizer Qualitätsgrundsatz «Klasse vor Masse».

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