Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Bischof Gmür zur Thurgauer Priesteraffäre: «Ich wollte ihm eine Chance geben»

Der Basler Bischof Felix Gmür erklärt, warum er einen im Thurgau verurteilten Pädophilen in Riehen als Pfarrer zulassen wollte.
Leif Simonsen
Der Basler Bischof Felix Gmür an der Pressekonferenz in Solothurn. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Der Basler Bischof Felix Gmür an der Pressekonferenz in Solothurn. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Der Basler Bischof hatte gestern Erklärungsbedarf. Felix Gmür hatte zugelassen, dass in Riehen ein verurteilter Pädophiler als Pfarrer kandidieren darf. Gmür hatte gewusst, dass der Kandidat an seiner früheren Wirkungsstätte im Thurgauer Dorf Aadorf nicht «nur» eine Fussmassage gemacht hatte, wie die Medien berichteten, sondern dass er einem Jugendlichen auch unters T-Shirt gefasst und ihn geküsst hatte. Und Gmür war nicht eingeschritten, als der Pfarrkandidat an einem Informationsanlass seine dunkle Vergangenheit verheimlichte.

Grund genug, eine Pressekonferenz in den Gemäuern des Bischöflichen Ordinariats in Solothurn abzuhalten, um einen schweren Verdacht aus dem Weg zu räumen. Nämlich denjenigen, wonach das Basler Bistum beim Thema Pädophilie nicht genau hinschaue. Bischof Felix Gmür betonte vor den Medien, dass die Kandidatur des Mannes gut geprüft worden sei. Mehrere Gutachten hatten dem Seelsorger bescheinigt, keine pädophilen Neigungen zu haben. Im Zentrum der Überlegungen sei gestanden, dass der Mann resozialisiert werden müsse. Doch habe Gmür dem Kandidaten klar gesagt, dass er gegenüber der Kirchgemeinde transparent sein soll. Dass er dies nicht getan habe, sei ein Verstoss gegen die gestellten Auflagen gewesen. Im Interview legt der Bischof dar, wie ihm die Hände gebunden waren. Und was er in Zukunft verbessern will.

Felix Gmür, Sie haben viel über das Versäumnis des Riehener Pfarrkandidaten gesprochen, die Öffentlichkeit über seine Straftaten zu informieren. Haben Sie als Bischof keine Fehler begangen, als Sie ihm die Pfarrwahl ermöglichen wollten – im Wissen um seine Vergangenheit?

Ich wollte ihm die Chance für die Wiedereingliederung geben. Dies unter mehreren Bedingungen. So musste er sich einer Therapie unterziehen. Und dass er bei der Arbeit superprovisorisch begleitet und keine Kinder- und Jugendarbeit machen wird. Doch die Hauptbedingung für seine Wahl war Transparenz. Nur er durfte Auskunft geben, und das hat er nicht getan.

Welche Lehren ziehen Sie aus diesem Fall?

Zunächst ist es gut, dass die Medien alles an die Öffentlichkeit gebracht haben. Es ist vor allem gut, dass die Transparenz geschaffen wurde, die ich gefordert habe – und auch weiterhin fordern werde. Wir müssen aber innerhalb der Kirche besser regeln, wer welche Dokumente hat. Diesbezüglich werde ich mit den Landeskirchen zusammensitzen.

Sie selbst hatten den Straf­befehl gegen den Pfarrkandidaten vom Vatikan erhalten. Das Bistum hingegen war mit der Anfrage gescheitert, das Dokument von der Thurgauer Staatsanwaltschaft zu ­bekommen.

Klar ist: Der Staatsanwalt darf den Strafbefehl nicht einfach rausgeben. Aber wir haben in der Schweiz das Öffentlichkeitsprinzip. Deshalb darf er ihn den Medien rausgeben, wenn ein öffentliches Interesse besteht. Dass ihn der Arbeitgeber oder in meinem Falle der Auftraggeber nicht bekommt, empfinde ich als problematisch.

Hätten Sie den Riehener Pfarrkandidaten nicht deutlicher darauf aufmerksam machen müssen, dass er der Kirchgemeinde nichts verschweigen darf?

Ich habe ihn mehrmals darauf hingewiesen, das ist auch dokumentiert.

Der Riehener Pfarrkandidat hat sich zwar zurückgezogen, doch amtet er immer noch als Seelsorger. Ist er für Sie in dieser Funktion noch tragbar?

Ich sehe nicht, dass er einen seelsorgerischen Dienst erweisen kann. Ich wüsste auch nicht, wer ihn anstellen sollte.

Weil er gegen Ihre Auflage verstossen hat, Transparenz herzustellen?

Sein Problem ist, dass er die Tragweite seiner Tat nicht sieht. Es handelt sich ja hier nicht um eine formale Bedingung, die er nicht erfüllt hat. Sein Verhalten zeigt klar: Er nimmt die Tat nicht zu 100 Prozent ernst, wie er müsste.

Haben Sie sich in ihm ­getäuscht?

Ich möchte kein Urteil über den Menschen als Ganzes fällen. Ich finde, er hat falsch gehandelt und muss jetzt die Konsequenzen ziehen. Er kann nicht Pfarrer werden und wird nach meinem Dafürhalten auch nirgends als Seelsorger arbeiten können.

Wie gross ist der Reputationsschaden für die katholische Kirche?

Ich habe mich bei dem Entscheid, den Kandidaten zu ernennen, nicht um das Image gekümmert. Ich hielt mich an das Prinzip der Gerechtigkeit. Jetzt gibt es einen Reputationsschaden bei der Kirche. Aber es ist gut, dass alles öffentlich geworden ist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.