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«Bin sehr wohl Realpolitikerin»

Am Parteitag in Lugano wählte die SP mit der Wilerin Barbara Gysi eine Ostschweizerin ins Präsidium der Partei. Die neue Vizepräsidentin zu ihrer Wahl.
Barbara Gysi Stadträtin in Wil Nationalrätin (Bild: Quelle)

Barbara Gysi Stadträtin in Wil Nationalrätin (Bild: Quelle)

Frau Gysi, gerade eben sind Sie zur Vizepräsidentin der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz gewählt worden. Wie kommentieren Sie das?

Barbara Gysi: Ich freue mich sehr über diese Wahl, und ich freue mich über die neue Aufgabe. Ich habe ja bisher immer auch Aufgaben in den Parteigremien übernommen. Persönlich finde ich es nämlich wichtig, dass Mandatsträger und Mandatsträgerinnen neben der politischen Arbeit die Parteiarbeit nicht vernachlässigen.

Im Vorfeld der Wahl gab es ja in Ihrer Partei Stimmen, die fanden, mit der Wahl von Ihnen sei die Linke im Präsidium übervertreten, die Realpolitiker aber seien dann untervertreten. Wie sehen Sie das denn?

Gysi: Wir Sozialdemokraten haben ja gemeinsame Grundwerte, über die wir uns ziemlich einig sind: Solidarität, Gerechtigkeit, Chancengleichheit zum Beispiel. Wir unterscheiden uns vielleicht insofern, als wir unterschiedliche Wege hin zum gemeinsamen Ziel favorisieren…

…aber nicht alle in Ihrer Partei sehen Sie ganz offensichtlich als Realpolitikerin.

Gysi: Das erstaunt mich. Ich bin ja immerhin schon ein Dutzend Jahre Mitglied einer Exekutive. Dort macht man ja explizit Realpolitik. In diesem Amt habe ich auch gelernt, mit meinen Wertvorstellungen vereinbare umsetzbare Lösungen zu erarbeiten. Zudem bin ich es mich als Stadträtin gewohnt, verschiedene Strömungen zu antizipieren und für alle akzeptierbare Lösungen zu finden. Das Vertrauen, das mir die Wählerinnen und Wähler in Wil entgegenbrachten und immer noch entgegenbringen, zeigt doch, dass mir dies offensichtlich nicht schlecht gelingt. Lassen Sie mich aber noch sagen: Diskussionen um Strömungen bringen die SP nicht weiter. Wir alle zusammen müssen uns für gute Lösungen einsetzen.

Als wer sitzen Sie denn nun im Präsidium der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz: als linke Sozialdemokratin, als Frau oder als Ostschweizerin?

Gysi (lacht): Ganz einfach: als linke Ostschweizer Frau sitze ich dort drin. Ich bin natürlich links – sonst wäre ich ja nicht in der SP. Frauenanliegen waren mir immer schon wichtig, und die Ostschweiz zu vertreten, das ist eines meiner Anliegen – wenn auch nicht das einzige natürlich. Aber es scheint mir wichtig, dass die Ostschweiz wieder präsent ist in den SP-Gremien. Ich erinnere mich, dass wir Ostschweizer Sozialdemokraten sehr davon profitiert haben, dass Nationalrätin Hildegard Fässler Fraktionspräsidentin war. Hier wieder anzuknüpfen, sehe ich als eine meiner Aufgaben in meinem Amt als Vizepräsidentin.

Was bewegt Ostschweizer Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten denn vor allem?

Gysi: Sicher die ganze Verkehrsanbindung – zuvorderst natürlich das gemeinsame Projekt der St. Galler Ständeräte Paul Rechsteiner und Karin Keller-Sutter. Darüber hinaus sind es sicher finanzpolitische Themen in dem Sinne, dass man die Kantone nicht zu stark belastet. Die Gesundheitsfragen gehören dazu. Zudem ist es so, dass uns oft dieselben Themen beschäftigen, die auch anderen Randgebieten – der Nordwestschweiz oder der Südschweiz etwa – wichtig sind. Gemeinsam machen wir uns dafür stark, dass die Regionen nicht vergessen gehen, dass man nicht nur Agglomerationspolitik macht in Bern.

Interview: Richard Clavadetscher

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