Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BILDUNG: Zürcher Volk soll über Lernziele bestimmen

Der Lehrplan 21 ist schweizweit umstritten. Im Kanton Zürich entscheiden die Stimmberechtigten am 4. März, ob der Kantonsrat künftig stärker mitreden und ein Referendum eingeführt werden soll.

Das Volk soll das letzte Wort haben, wenn ein neuer Lehrplan eingeführt wird. Dies verlangt die Initiative «Lehrplan vors Volk». «Es ist inakzeptabel, dass die Leitplanken für unsere Bildung von einer kleinen Gruppe ausgebrütet und am Volk vorbei implementiert wird», sagt Régis Ecklin vom Komitee. Die Schule verliere seit Jahren an Rückhalt in der Bevölkerung. Diese Legitimationskrise lasse sich durch mehr Mitsprache teilweise überwinden, so der Sek-Lehrer.

«Die Volksschule heisst nicht umsonst Volksschule», betont SVP-Kantonsrätin Anita Borer. Wenn es um deren Ausrichtung gehe, müssten die Erfahrungen der Basis einbezogen werden. Der Lehrplan 21 sei mit hohen Kosten verbunden. Aus- und Weiterbildungen für Lehrkräfte, neue Lehrmittel sowie zusätzliche Infrastruktur belasteten den Kanton, die Gemeinden und letztlich den Steuerzahler. «Genau daher müssen wir stärker mitreden können», sagt Borer.

Nach der aktuellen Gesetzgebung ist es Sache des Bildungsrates – ein Fachgremium, das vom Kantonsrat gewählt wird –, Lehrpläne sowie Änderungen auszuarbeiten. Der Regierungsrat erlässt sie danach. Geht es nach den Initianten, soll diese Kompetenz dem Kantonsparlament übertragen werden. Der Lehrplan würde zudem dem fakultativen Referendum unterstellt. «Er soll von der Exekutive in die Hände der Legislative übergehen», sagt Camille Lothe von der Jungen SVP Kanton Zürich.

«Spielball politischer Interessen»

Die geltende Kompetenzverteilung habe sich bewährt, entgegnet Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP): «Ein erfolgreiches System muss man nicht ändern.» Der breit abgestützte Bildungsrat erarbeite Lehrpläne nach pädagogischen Grundsätzen. Dies garantiere eine hohe Qualität an den Schulen. Erhalte der Kantonsrat mehr Mitsprache, drohe der Lehrplan zum Spielball demokratischer Interessen zu werden. «Je nach politischer Grosswetterlage würden plötzlich ­andere Themenschwerpunkte gesetzt, neue Fächer verlangt oder andere als unwichtig erklärt», sagt Steiner.

Marion Vögler, Chefin Volksschulamt, führt ins Feld, dass die demokratische Mitsprache bereits gewährleistet sei. Zum neuen Lehrplan 21 seien 131 Stellungnahmen eingegangen. Zahlreiche Anregungen seien aufgenommen und etwa ein neues Modul Berufliche Orientierung geschaffen worden. Die Initianten bemängeln jedoch, dass nur ausgewählte Kreise angehört worden seien. Anita Borer ist überzeugt, dass Anliegen der Bevölkerung eher aufgenommen würden, wenn der Kantonsrat beim Lehrplan das letzte Wort hätte.

Im Kanton Zürich laufen die Vorbereitungen auf den neuen Lehrplan 21 bereits seit Ende 2016. Ab diesem Sommer wird nach dem neuen Regelwerk unterrichtet. Nehmen die Stimmberechtigten die Initiative an, würde es gleichwohl gelten – bis wenige Jahre später ein neuer Lehrplan vorliegen würde. Dies schaffe Unsicherheit, warnt Bildungsrat und Sekundarlehrer Martin Lampert. «Es gibt für Schulen nichts Schlimmeres, als dauernd alles umkrempeln zu müssen», sagt Lampert.

Das Initiativkomitee wirft der Bildungsdirektion allerdings vor, den neuen Lehrplan übereilt erlassen und die Abstimmung bewusst nicht abgewartet zu haben. «Man will uns ausmanövrieren», sagt Kinderarzt Hannes Geiges. Regierungsrätin Steiner widerspricht. Einen neuen Lehrplan auszuarbeiten und einzuführen, dauere rund 10 Jahre. Da könne man sicher nicht von einem übereilten Vorgehen sprechen. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) ist gegen das Volksbegehren. Der Bildungsrat sei die richtige Instanz für Lehrplanentscheide, sagt Präsident Christian Hugi. «Zudem ist es höchste Zeit für einen neuen Lehrplan in Zürich und für einen, der über die Kantonsgrenzen hinweg gilt, erst recht», sagt er.

Eveline Rutz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.