BILANZ: SBB fahren auf der Gewinnschiene

Noch nie nutzten so viele Menschen die SBB wie letztes Jahr. Das grosse Geld verdienen die Bundesbahnen aber vor allem mit Immobilien. Insgesamt steigerten die SBB den Konzerngewinn auf 381 Millionen Franken.

Rainer Rickenbach
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Rainer Rickenbach

Es sei ein emotionales Jahr gewesen, schwärmte gestern Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar an der Jahres­bilanzmedienkonferenz der SBB. «Bei der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels handelte es sich um einen historischen Moment. Das Jahresergebnis macht deutlich, dass das Unternehmen in diesem speziellen Jahr auch fast alle Konzernziele übertroffen hat», so Ribar.

In der Tat lassen sich die Zahlen der SBB für 2016 sehen. Der Konzerngewinn kletterte um mehr als die Hälfte auf 381 Millionen Franken, die Passagierzahl erreichte die Rekordmarke von täglich 1,25 Millionen Personen (siehe Grafik), und drei Viertel von ihnen stellen dem Bahnunternehmen gute Noten aus. Die Kunden attestieren den SBB Fortschritte beim Platzangebot und bei der Sauberkeit der Züge. Weniger gut weg kommen hingegen die Preise, mehr Passagiere als noch im Vorjahr empfinden das Angebot als zu teuer und haben beim Preis-Leistungs-Verhältnis Vorbehalte. Bei der Pünktlichkeit haben sich die SBB verbessert, beinahe neun von zehn Fahrgästen kamen zur geplanten Zeit am Zielort an.

Der Gewinn des Transportunternehmens ist indes nicht vergleichbar mit den Erträgen anderer Unternehmen im Dunstkreis des Bundes oder gar mit Privatunternehmen. Die Politik überträgt den Bundesbahnen anspruchsvolle Aufgaben, lässt sich diese aber auch etwas kosten. 2016 steuerte der Bund gemäss der ausgehandelten Leistungsvereinbarung 1,7 Milliarden Franken an die Infrastrukturkosten bei, das sind fast 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Trotzdem reichte es nicht: Die Infrastruktur verursachte auch mit einem Zustupf aus der Bahnkasse ein Minus von 103 Millionen Franken – ein Spartendefizit, für das ab dem nächsten Jahr der Bund aufkommen wird. Weitere 624 Millionen Franken steuerten wiederum der Bund und die Kantone als Abgeltungen für den regionalen Personenverkehr bei. Es handelt sich dabei um die Finanzierung von regionalen Zugverbindungen, die von politischen Behörden bestellt wurden und die mit Steuergeldern mitfinanziert werden. Für den Fernverkehr hingegen erhalten die SBB keine öffentlichen Gelder.

Weniger Passagiere auf den internationalen Strecken

In ihrem Kerngeschäft, dem Personenverkehr, verdienten die SBB im vergangenen Jahr 130 Millionen Franken. Innerhalb der Schweiz fuhren zwar mehr Leute mit dem Zug, auf den internationalen Strecken aber gab es einen Passagierrückgang von 10 Prozent. Hauptursache dafür waren die halb leeren Züge in Richtung Frankreich. Wegen der Terroranschläge in Paris mieden viele Ferienreisende die französische Metropole. Gut entwickelte sich hingegen der Gütertransport, das Sorgenkind des Bahnunternehmens. SBB Cargo fuhr vor zwei Jahren noch einen Verlust von 22 Millionen Franken ein, 2016 schaute immerhin ein Gewinn von 1 Million Franken heraus. «Die schwarze Null ist eine grosse Befriedigung», kommentierte SBB-CEO An­dreas Meyer. SBB Cargo bewegt sich in einem schwierigen Umfeld: Der starke Franken drückt auf die Exportmengen, was die Gütertransporte ins Ausland schrumpfen lässt, und die labile Binnenkonjunktur sorgt im inländischen Güterverkehr auch nicht für gute Stimmung. Nicht zuletzt dank dem Onlinehandel steigen aber die Importe und der internationale Güterverkehr. Auf der Nord-Süd-Achse legte das Transportgeschäft von SBB Cargo um 11 Prozent zu.

Am meisten Geld verdienen die SBB indes mit ihren Immobilien. «Ohne sie könnten wir uns die Eisenbahn überhaupt nicht leisten», witzelte Meyer. Alleine 221 Millionen Franken schwemmte der Verkauf von Gebäuden und Grundstücken in die Kasse des Bahnunternehmens. Die Mieteinnahmen in den Bahnhöfen summieren sich auf 325,3 Millionen Franken. Die meisten Mieter der SBB machen offenbar gute Geschäfte: Die Laden- und Lokalbetreiber in den 32 grössten Bahnhöfen steigerten ihren Umsatz auf die Rekordmarke von 1,59 Milliarden Franken. Die Immobiliendivision erwirtschaftete einen Gewinn von 433 Millionen Franken. 271 Millionen Franken davon steckt die Unternehmensführung in die Sanierung der angeschlagenen Pensionskasse.

Trotz des warmen Geldregens aus der Immobilienabteilung halten die SBB an ihrem Sparkurs fest. Das Spar- und Effizienzprogramm Railfit sieht vor, in den kommenden drei Jahren 1400 Stellen abzubauen und die jährlichen Kosten gegenüber 2014 um 1,2 Milliarden Franken zu senken. Gleichzeitig sollen aber auch 200 neue Stellen geschaffen werden, vor allem beim Reinigungs- und Zugpersonal. Entlassungen soll es wenige bis keine geben, der Abbau lässt sich weitgehend über natürliche Abgänge bewerkstelligen.