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Bettelbrief mit Bild von Rundschau-Moderatorin: Konzernverantwortungsinitiative verärgert SRF

Das Schweizer Radio und Fernsehen will mit den Initianten klären, wie sie dazu gekommen sind, einen Spendenaufruf mit einem Bild von Rundschau-Moderation Nicole Frank zu zieren.
Kari Kälin

Der Bettelbrief landete unlängst in zahlreichen Schweizer Haushalten. Unterzeichnet ist er von Dick Marty dem Co-Präsidenten der Konzernverantwortungsinitiative. Im Schreiben prangert er einen Schweizer Rohstoffkonzern an: «Glencore vergiftet Menschen mit Schwefeldioxid – jetzt Initiative unterstützen», heisst es im Titel. Im Brief an die «lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger» verweist Marty auf einen Beitrag der Sendung Rundschau. Das Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) habe vor kurzem neue erschütternde Machenschaften aufgedeckt. Glencore habe in den letzten 20 Jahren die Luft um ihre Kupfermine in Sambia mit Schwefeldioxid vergiftet. Die ätzenden Gase würden zu schweren Atemwegserkrankungen und Todesfällen führen.

So weit, so gut. Es ist üblich, dass Initianten in ihren Kampagnen auf Medienberichte verweisen. Auf dem Bettelbrief, datiert vom 21. August, ist jedoch nicht nur ein Bild mit Rauch ausstossenden Schornsteinen, sondern auch eines von «Rundschau»-Moderation Nicole Frank zu sehen. Gemäss ihren publizistischen Leitlinien dürfen sich SRF-Mitarbeitende nicht in den Dienst politischer Ziele stellen, und die Programmcharta betont die Unparteilichkeit. Hat die Rundschau diese Grundsätze missachtet? Rührt sie in voller Absicht die Werbetrommel für die Konzernverantwortungsinitiative?

Die Antwort lautet: Nein. Die Initianten haben das Bild der SRF-Moderatorin ungefragt verwendet. Darüber ist SRF wenig erbaut.

«Vor allen aufgrund des Fotos von Moderatorin Nicole Frank kann der falsche Eindruck entstehen, SRF unterstütze die Konzernverantwortungsinitiative oder stelle den Initianten Bildmaterial für Kampagnen zur Verfügung»

, sagt SRF-Sprecher Stefan Wyss. Die Unabhängigkeit gehöre für SRF zu den zentralen Werten der journalistischen Arbeit, darum würden Kampagnen im Wahl- oder Abstimmungskampf grundsätzlich in keiner Form unterstützt. Die Reaktion von Wyss kommt nicht von ungefähr. Wegen des Bettelbriefs haben sich Zuschauer erkundigt, ob SRF die Konzernverantwortungsinitiative unterstütze. SRF will jetzt den Sachverhalt im direkten Kontakt mit den Initianten klären. Zur Sprache kommen könnte etwa das Thema Bildrechte. Stattgefunden hat der Austausch noch nicht.

Die Initianten halten dies auch nicht für nötig. Sie finden es unproblematisch, den Spendenaufruf mit dem Bild einer SRF-Moderation zu schmücken. «Wir haben auf eine bereits veröffentlichte Recherche der Rundschau hingewiesen; dafür braucht es keine Erlaubnis», sagt Sprecher Tom Cassee. Als Illustration habe man einen Screenshot aus der Rundschau verwendet und diesen auch klar als solchen genkennzeichnet.

Firmen sollen haften für Menschenrechtsverletzungen im Ausland

Die Konzernverantwortungsinitiative verlangt, dass Schweizer Firmen für Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschäden im Ausland zur Rechenschaft gezogen werden können. Haften sollen sie auch für die Tochterunternehmen und Lieferanten. Der Nationalrat hat einen weniger weit gehenden Gegenvorschlag ausgearbeitet, über den der Ständerat in der Herbstsession beraten wird. In einer ersten Runde stellte sich die Kleine Kammer gegen den Vorschlag des Nationalrats, weil ihm die Haftungsregeln zu weit gehen. Mitte August hat der Bundesrat die Debatte mit einem eigenen Gegenvorschlag aufgemischt: Er sieht vor, dass Unternehmen ab 500 Mitarbeitern über die Einhaltung der Menschenrechte und Umweltschutzstandards einen Bericht abliefern müssen.

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