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Betrugsfall in Moskau: Jetzt äussert sich der ehemalige Botschafter zur aufgeflogenen Mitarbeiterin

Eine russische Botschaftsangestellte veruntreute und erschlich während Jahren Zehntausende Franken – warum ist der Betrug nicht früher aufgeflogen?
Lorenz Honegger

Pierre Helg erinnert sich lebhaft an die russische Mitarbeiterin Natalia P. Als ehemaliger Schweizer Botschafter in Moskau war er bis vor drei Jahren ihr Vorgesetzter. Die Frau sei eine «ausgezeichnete Mitarbeiterin» und «sehr gute Kommunikatorin» gewesen. Sogar akzentfreies Französisch habe sie gesprochen und ihr Studium an der Universität als Jahrgangsbeste abgeschlossen. «Wenn andere Mitarbeiter krankheitshalber ausfielen, war sie immer bereit, einzuspringen», sagt Helg im Gespräch mit CH Media. Nun wird bekannt, dass Natalia P. auch eine andere Seite hatte.

Die ehemalige Assistentin des Schweizer Generalkonsuls in Russland steht im Verdacht, über Jahre hohe Geldbeträge erschlichen zu haben. Wie das Schweizer Radio am Mittwochmorgen publik machte, fälschte die Botschaftsmitarbeiterin Rechnungen, veruntreute Gebühren für administrative Dienstleistungen und bezog Versicherungsleistungen, indem sie eine Krebserkrankung vortäuschte.

Systematische Unregelmässigkeiten

Natalia P. flog auf, nachdem ein Schweizer Bürger diesen Januar wegen einer fehlenden Quittung bei der Moskauer Botschaft reklamiert hatte. Das Aussendepartement (EDA) leitete eine Untersuchung ein. Das Resultat: Systematische Unregelmässigkeiten. Der Schaden für die Botschaft beträgt laut Aussendepartement fünf Millionen Rubel oder rund 75'000 Franken.

«Das überrascht mich wirklich sehr», sagt Alt Botschafter Helg, der heute als Berater tätig ist. Natalia P., die 17 Jahre für die Schweizer Vertretung in Moskau tätig war, wurde freigestellt und kündigte dann selber. Sie bestreitet die Vorwürfe gegen sie.

Warum ist die Betrugsmasche nicht früher aufgeflogen? Laut dem ehemaligen Diplomaten Max Schweizer müssen Schweizer Botschaften alle zwei bis drei Jahre interne Revisionen durchlaufen. Die Kontrolleure sind jeweils eine begrenzte Anzahl Tage vor Ort. In dieser Zeit durchleuchten sie die gesamte Buchhaltung und versuchen, die Arbeitsabläufe der Botschaft zu verstehen:

«Alles kann man nie erfassen. Es gibt immer ein Restrisiko.»

Als stark betrugsanfällig gelten der Visabereich sowie Botschaften in Ländern, die auf dem Korruptionsindex weit oben stehen. Seit der Jahrtausendwende sind knapp ein Dutzend Fälle von illegalem Visahandel in Schweizer Vertretungen publik geworden – von Lima bis Islamabad. Dabei sind nicht nur, aber oft lokale Mitarbeiter involviert.

Lokalangestellte als Risikofaktor

Auch das ist laut Ex-Diplomat Schweizer ein Risikofaktor: Lokale Angestellte kennen die Arbeitsabläufe und Gegebenheiten in den Botschaften oft besser als ihre Schweizer Kollegen, die im Schnitt alle drei bis vier Jahre den Standort wechseln. Dieser Faktor habe wohl auch im Fall Moskau eine Rolle gespielt, sagt Schweizer: Die aufgeflogene Mitarbeiterin habe sich im Lauf ihrer 17-jährigen Anstellung eine Vertrauensstellung erarbeiten können. «Ihre privilegierte Stellung als Assistentin des Generalkonsuls hat sie ausgenutzt.»

Besonders hoch ist der Anteil an lokalen Mitarbeitern laut Schweizer in «Laptop»-Botschaften, in denen ein Schweizer Diplomat zwei bis drei einheimischen Mitarbeitern gegenübersteht, die verhältnismässig viel Verantwortung übernehmen. Als zweitgrösste Auslandvertretung der Eidgenossenschaft fällt Moskau allerdings nicht in diese Kategorie.

Der Fall Russland wird das Parlament beschäftigen. Die Luzerner CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann kündigt gegenüber CH Media an, sie werde das Thema bei der nächsten Sitzung der Geschäftsprüfungskommission (GPK) einbringen. Sie ist Präsidentin jener GPK-Subkommission, die Abklärungen im Zusammenhang mit dem EDA durchführt. Eine allfällige Untersuchung würde sich laut Glanzmann auf die Frage konzentrieren, warum der Betrugsfall erst jetzt bemerkt worden ist.

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