Beten für «einen guten neuen Bischof»

An Ostern endet die Amtszeit des umstrittenen Bischofs Vitus Huonder. 80 Pfarrer lancieren jetzt in Pfarreiblättern einen speziellen Aufruf an die Gläubigen im Bistum Chur.

Kari Kälin
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Die Amtszeit des Churer Bischofs Vitus Huonder endet an Ostern. Bild: Dominik Wunderli (Flüeli Ranft, 19. August 2017)

Die Amtszeit des Churer Bischofs Vitus Huonder endet an Ostern.
Bild: Dominik Wunderli (Flüeli Ranft, 19. August 2017)

Für manche ist er ein Spaltpilz, ein Dauerprovokateur, der im Bistum Chur ständig neue Gräben aufreisst: Die Rede ist von Vitus Huonder, dem wohl umstrittensten Bischof der Schweiz. An Ostern endet die Amtszeit des bald 77-jährigen Oberhirten des Bistums Chur, der unter anderem mit schwulenfeindlichen Bibelzitaten für breite Empörung sorgte.

Wenige Monate vor der Wahl eines neuen Bischofs lanciert das «Forum Priester der Diözese Chur» in Pfarreiblättern einen Appell an die 700 000 Gläubigen im Bistum Chur, «für einen guten neuen Bischof zu beten». Im Forum haben sich 80 Priester zusammengeschlossen, die regelmässig als Seelsorger im Bistum Chur wirken. Das Forum hält fest, das Misstrauen zwischen der Diözeseleitung und vielen in der Seelsorge tätigen Priestern und anderen kirchlichen Mitarbeitern habe sich in den letzten Jahrzehnten laufend verstärkt. Im Bistum Chur sei es zu einer wachsenden Entfremdung zwischen einem grossen Teil der Gläubigen und der diözesanen Kirchenleitung gekommen.

«Wohl der ganzen Diözese im Blick behalten»

Das Forum, in dessen Ausschuss sich unter anderem Andreas Rellstab, Pfarrer in Zürich, oder Daniel Krieg, Pfarrer und Dekan in Altdorf, engagieren, will mit dem Gebetsaufruf dazu beitragen, «dass ein neuer Bischof verbindend und versöhnend wirken kann». Das Forum appelliert an alle, die bei der Berufung des neuen Bischofs mitbestimmen können, nur Kandidaten zu berücksichtigen, die schon bewiesen hätten, dass sie in der Seesorge integrierend wirken könnten. Sie sollen das «Wohl der ganzen Diözese im Blick behalten».

Gegenüber dem Internet­portal kath.ch betonte Rellstab, der Aufruf, dem ein konkretes Fürbittgebet beiliegt, richte sich nicht gegen Huonder: «Wir sind nicht gegen jemanden oder etwas. Vielmehr ist es uns wichtig, die Vielfalt und die Lebendigkeit des kirchlichen Lebens im Bistum zu fördern.» Wichtig sei eine gute Zukunft für das Bistum.

Papst verlängerte Huonders Amtszeit

Wegen seines Alters hatte Vitus Huonder am 21. April 2017, an seinem 75. Geburtstag, ein Rücktrittsgesuch bei Papst Franziskus eingereicht. Dieser bat den Churer Bischof aber, noch einmal zwei Jahre anzuhängen. Franziskus empfing Huonder wenige Monate vor der Amtsverlängerung in Rom. Der Churer Bischof erlebte ihn als freundlich und ­zuvorkommend. «Wir haben schnell einen guten Draht zueinander gefunden», sagte er in einem Interview mit unserer Zeitung nach der Amtsverlängerung.

Über die Wahl des Churer ­Bischofs entscheidet das Domkapitel Chur. Es besteht aus 24 Domherren, welche den Bischof in der Leitung des Bistums unterstützen. Der Papst spielt bei der Wahl gleichwohl eine Rolle. Der Nuntius in der Schweiz, derzeit der amerikanische Erzbischof Thomas Gullickson, schlägt dem Vatikan mögliche Huonder-Nachfolger vor. Daraus erstellt Rom ein Dreierticket, aus dem wiederum das Domkapitel den neuen Bischof kürt.

Das Kirchenrecht sieht zudem vor, dass jeder Bischof regelmässig Kandidaten nach Rom melden muss. Auch Huonder teilte dem Papst deshalb in regelmässigen Abständen mit, wer seiner Beurteilung nach das ­Bischofsamt neu übernehmen könnte.

Übergangsbischof als Lösung abgelehnt

Huonders Gegner schlugen vor zwei Jahren vor, einen apostolischen Administrator, eine Art Übergangsbischof zu installieren, um die Situation im Bistum Chur zu beruhigen. Papst Franziskus wählte aber die Option Amtsverlängerung für Huonder.