Besorgte Touristiker brüten über Massnahmenpaket

BERN. «So beunruhigend wie heute war die Lage noch nie»: Dies sagt Dominique de Buman, Präsident des Schweizer Tourismusverbands und der Schweizer Bergbahnen. Am schlimmsten treffe es die Hoteliers, die jeden Tag Buchungen stornieren müssten.

Denise Lachat
Drucken
Teilen

BERN. «So beunruhigend wie heute war die Lage noch nie»: Dies sagt Dominique de Buman, Präsident des Schweizer Tourismusverbands und der Schweizer Bergbahnen. Am schlimmsten treffe es die Hoteliers, die jeden Tag Buchungen stornieren müssten. De Buman: «Zwei Drittel aller Gäste kommen aus dem Ausland.» Und für die Kundschaft aus dem Euro-Raum sind Ferien in der Schweiz mit dem Entscheid der Nationalbank, den Mindestkurs von 1.20 Franken gegenüber dem Euro aufzugeben, über Nacht um 20 Prozent teurer geworden.

Hoffen auf Impulsprogramm

«Das Problem unserer Branche ist, dass sie im Unterschied zu anderen Exportunternehmen die Teuerung nicht ausgleichen kann, etwa durch den günstigeren Import von Produkten. Im Tourismus machen die Löhne 80 Prozent der Gesamtkosten aus.» Der Ernst der Lage spiegelt sich laut de Buman auch in der Tatsache, dass die verschiedenen Akteure der Branche Ende Februar ein gemeinsames Papier für ein Massnahmenpaket verabschieden wollen – rechtzeitig vor der Frühlingssession der eidgenössischen Räte, die am 2. März beginnt. Mit konkreten Forderungen an die Politik halten sich die Touristiker im Moment noch zurück. Zum einen wolle man populistische Forderungen zu Gunsten einer vertieften Analyse vermeiden, zum anderen solle beobachtet werden, auf welchem Niveau sich der Wechselkurs einpendle. De Buman: «Unter einem Kurs von 1.10 Franken für einen Euro würde es sehr schwierig.» Abwarten will die Tourismusbranche vor allem auch den 18. Februar, an dem das neue Impulsprogramm des Bundesrats für 2016 bis 2019 präsentiert werden soll. «Vielleicht macht der Bundesrat ja von sich aus Anpassungen», sagt de Buman hoffnungsvoll.

Millionen bremsen Rückgang

Bereits als Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise beschloss der Bund Stabilisierungsmassnahmen. Dreimal wurden die Mittel von Schweiz Tourismus um zwölf Millionen Franken aufgestockt, um den Heimmarkt sowie die Märkte in den Nachbarländern und später in Fernmärkten wie Indien, China und Brasilien zu bewerben. Mit 15 Millionen wurde zudem für den Sommer 2009 und das Winterhalbjahr eine Marketingoffensive lanciert. Die Branche trug ihrerseits 6,8 Millionen an die Impulsprogramme bei.

In seiner Auswertung der bisherigen drei Impulsprogramme zuhanden der Finanzkommissionen der Räte zieht der Bundesrat einen positiven Schluss. Insgesamt seien 3,7 Millionen zusätzliche Logiernächte verbucht worden, verbunden mit einem Umsatz von rund 846 Millionen Franken. «Damit wurden die in den jeweiligen Programmvereinbarungen mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft festgehaltenen Wirkungsziele deutlich übertroffen.» Den Rückgang der Logiernächte konnten allerdings auch die Impulsprogramme nicht verhindern. Denn der Schweizer Tourismus bleibt teuer, vorab wegen der hohen Arbeitskosten. Um mit europäischen Preisen mithalten zu können, müsste der Schweizer Franken laut Bericht auf 1.80 Franken pro Euro abgewertet werden. Schuld sind aber auch strukturelle Schwächen; sie reichen von zersplitterten Organisationsstrukturen und sanierungsbedürftigen Kleinbetrieben bis zu hohen Zweitwohnungsanteilen.