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Nüchternheit statt Pathos: Wie das Parlament in den Berner Expohallen tagt

Ab Montag meldet sich das Parlament zurück. In den Berner Expohallen wird so vieles anders sein, als im prunkvollen Bundeshaus.

Doris Kleck
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So sieht Social Distancing im Grossen aus: die Messehallen der Bernexpo, in welcher der Nationalrat ab nächstem Montag wegen des Coronavirus ausnahmsweise tagt.

So sieht Social Distancing im Grossen aus: die Messehallen der Bernexpo, in welcher der Nationalrat ab nächstem Montag wegen des Coronavirus ausnahmsweise tagt.

Bild: Peter Klaunzer / Keystone, Bern, 28. April

Reduziert auf die Arbeit Ab Montag meldet sich das Parlament zurück. In den Berner Expohallen wird so vieles anders sein, als im prunkvollen Bundeshaus. Als das Parlament Mitte März darum rang, ob die dritte Sessionswoche noch durchgeführt werden soll oder nicht, da wurde genau gemessen. 30 Zentimeter beträgt die Distanz zwischen den Stühlen im altehrwürdigen Nationalratssaal. Angeblich. 30 Zentimeter in Corona-Zeiten – das geht nicht. Die Session wurde bekanntlich abgebrochen, just bevor der Bundesrat am 16. März die ausserordentliche Situation ausgerufen hat. Noch heute hadern gewisse Parlamentarier mit diesem Entscheid. Das Parlament habe sich in der Coronakrise selbst schachmatt gesetzt.

Abstandhalten sorgt für Ruhe im Saal

Nun hat das Warten ein Ende. Das Eidgenössische Parlament darf wieder tagen. Von Montag bis wohl am Donnerstag treffen sich National- und Ständerat in den Hallen der Bernexpo. Vier Quadratmeter stehen dort jedem der 246 Parlamentarierinnen und Parlamentarier zur Verfügung. Das hat seinen Preis: 3,4 Millionen Franken betragen die Kosten für die ausserordentliche Session, die Mietkosten liegen unter einer Millionen Franken.

Nationalratspräsidentin Isabelle Moret sitzt an ihrem Platz im neu eingerichteten Nationalratssaal auf dem Bernexpo Gelände.

Nationalratspräsidentin Isabelle Moret sitzt an ihrem Platz im neu eingerichteten Nationalratssaal auf dem Bernexpo Gelände.

Bild: Peter Klaunzer / Keystone, Bern, 28. April

Immens erscheint einem der provisorische Saal der Nationalräte. Die Sitzordnung ist gleich wie im Bundeshaus. Nur eben die Abstände sind grösser. Der Saal vermittelt ein Gefühl davon, was Social Distancing im Grossen bedeutet. Abstandhalten: Der Parlamentsbetrieb wird ein anderer sein. Wohl nicht inhaltlich, aber das Drumherum. Die Distanz zum Sitznachbar beträgt zwei Meter. Flüstern, Lästern, Scherzen? Fehlanzeige. Das Herumstehen und Diskutieren in Grüppchen? Ebenso. Der Lärmpegel wird tiefer sein als im Nationalratssaal. Das dürfte die Präsidentin Isabelle Moret freuen. Sie wird weniger als Lehrmeisterin auftreten und ihre Ratskollegen mit der Glocke zur Ruhe ermahnen müssen. Die Parlamentarier werden sich schön auf ihre Arbeit konzentrieren können. Keine Ablenkung durch Lobbyisten (und Journalisten) wie in der Wandelhalle, durch Anlässe und Apéros von Verbänden und Organisationen, keine Besucher, die durch die heiligen Hallen der Bundespolitik geführt werden wollen. Die ausserordentliche Session wird reduziert auf das Nötigste.

Ein Plan liegt auf einem Tisch im neu eingerichteten Ständeratssaal.

Ein Plan liegt auf einem Tisch im neu eingerichteten Ständeratssaal.

Bild: Peter Klaunzer / Keystone, Bern, 28. April

Notbetrieb könnte man auch sagen. Das äussert sich auch in der Nüchternheit und im Charme des Tagungsortes. Funktionales grau. Keine Blumen, keine Bilder, kein Pathos. Dafür schalldämmende Teppiche. Nur im Eingangsbereich der Bernexpo erinnern die Projektionen des Bundeshauses daran, dass hier die oberste Gewalt des Staates, unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen natürlich, nächste Woche tagen wird.

Die Ständeräte haben es einen Hauch besser

Die Ständeräte haben es wie immer eine Spur gemütlicher als ihre Kollegen. Sie haben eine Art Vorzimmer mit bequemen Sesseln. Der Raum im Dachgeschoss der Bernexpo ist ein paar Grad wärmer als die für die Nationalräte reservierte Messehalle. Auch die Ständeräte müssen sich aber umgewöhnen. Sie dürfen nicht mehr vom Platz sprechen, sondern müssen für ihre Voten ans Rednerpult gehen.

Für den Pathos wird für einmal nicht die Umgebung sorgen, dafür sind allein die Politiker verantwortlich. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga wird zur Eröffnung quasi eine Rede zur Lage der Nation halten. Danach sind die Parlamentarier am Zug: «Wir werden über die Zukunft der Schweiz sprechen», sagte Moret bei der Besichtigung. Und der Bevölkerung wieder Hoffnung geben.