Berner SVP-Frau folgt auf Eberle

Auf den Blocher-Vertrauten Walter Eberle folgt eine Berner SVP-Frau. Sonja Bietenhard tritt ihre Stelle als Generalsekretärin am 1. Februar an. Damit sind die personellen Umstrukturierungen im EJPD beendet.

Georg Farago/Bern
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Sonja Bietenhard (Bild: ky/Peter Schneider)

Sonja Bietenhard (Bild: ky/Peter Schneider)

Die Berner SVP tickt anders. Deren Vorstand hielt gestern eisern an Samuel Schmid als ihrem Bundesrat fest – trotz des Bannfluchs der Bundeshaus-Fraktion. Und ebenfalls gestern stiess eine bekannte Berner SVP-Frau zum inneren Führungskreis um Eveline Widmer-Schlumpf, die seit dem 12. Dezember vielen linientreuen SVP-Sympathisanten als Verräterin gilt. Sonja Bietenhard ist die Frau, die der Bundesrat auf Vorschlag von Widmer-Schlumpf zur Generalsekretärin des Justizdepartements gewählt hat. Vor den Medien bekannte sie sich ausdrücklich zur verfemten Nachfolgerin von Christoph Blocher: «Für die erste SVP-Frau im Bundesrat tätig zu sein, ist eine Chance, die ich mit grosser Begeisterung wahrnehmen werde – nicht nur aus politischen, sondern auch aus persönlichen Gründen.» Für Widmer-Schlumpf ihrerseits war ausschlaggebend, dass sie Bietenhard schon kennt und dass die beiden Frauen ähnliche politische Richtungen und Vorstellungen haben. Daneben verfüge Bietenhard gleichermassen über Praxis in der Privatwirtschaft und der Verwaltung, wie Widmer-Schlumpf festhielt.

Mitarbeiterin von Ogi

Bundesratserfahrung erlangte die Burgdorferin ab 1998 zunächst als persönliche Mitarbeiterin von Adolf Ogi und später von Samuel Schmid. Die heute 51jährige studierte zwischen 1990 und 1996 an der Universität Bern berufsbegleitend Volkswirtschaft, Politologie und Betriebswirtschaft. Nach ihrer Tätigkeit für die Berner Bundesräte übernahm sie 2001 die Leitung der Unternehmenskommunikation der BLS Lötschbergbahn AG. Ab November 2002 arbeitete sie als Geschäftsführerin des «Forums Mobil», einer Lobby-Organisation der Mobilfunkbetreiber.

Zwei Mitarbeiter ersetzt

Im Justiz- und Polizeidepartement wird Bietenhard Walter Eberle ersetzen, den Vertrauten und Weggefährten von Christoph Blocher. Eberle musste gehen, weil die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht gegeben war, wie die neue EJPD-Chefin hatte mitteilen lassen. Von Blochers engsten Mitarbeitern ist auch Yves Bichsel, stellvertretender Generalsekretär, verabschiedet worden. An seine Stelle tritt am 21. Januar der Freisinnige Sébastien Leprat. Der schweizerisch-französische Doppelbürger wird persönlicher Mitarbeiter von Widmer-Schlumpf. Die Funktion des stellvertretenden Generalsekretärs wird abgeschafft.

Weitere Rochaden im EJPD wird es nicht geben, wie Widmer-Schlumpf gestern bestätigte. Das heisst, dass die Chefs des Bundesamtes für Migration, Eduard Gnesa, für Polizei, Jean-Luc Vez, und des Bundesamtes für Justiz, Michael Leupold, ihre Posten behalten. Die CVP-nahen Kaderleute Gnesa und Vez waren schon vor der Blocher-Legislatur im Amt. Von Blocher engagiert wurde dagegen Leupold.

Mit Interesse war auch das berufliche Schicksal von Livio Zanolari, dem EJPD-Informationschef, beobachtet worden. Der CVP-Mann hatte schon für Ruth Metzler und weitere Bundesräte gearbeitet. Sich der neuen Situation anzupassen, wird ihm nicht schwerfallen, zumal er als ehemaliger Bündner Grossrat Widmer-Schlumpf seit langem kennt.

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