Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Bergbahnen zoffen sich um Touristen-GA

Weil drei Seilbahnen ausländischen Touristen ihre Fahrten zum Nulltarif anbieten, ist ein hässlicher Streit um den Swiss-Travel-Pass entbrannt. Die Konkurrenz kritisiert Preisdumping und Rosinenpickerei. Nun muss ein Gericht entscheiden.
Roger Braun
Blick auf die Brunnibahn in Engelberg, die den Swiss-Travel-Pass akzeptiert. (Bild: Manuela Jans-Koch, 25. Januar 2019)

Blick auf die Brunnibahn in Engelberg, die den Swiss-Travel-Pass akzeptiert. (Bild: Manuela Jans-Koch, 25. Januar 2019)

Das Angebot ist attraktiv. Für 232 Franken können ausländische Touristen den öffentlichen Verkehr der Schweiz während dreier Tage unbeschränkt nutzen. Wer länger bleiben will, löst ein Abonnement für 15 Tage – und bezahlt 513 Franken. Der Swiss-Travel- Pass erfreut sich grosser Beliebtheit. Die Zahl verkaufter Tickets ist jüngst stark angestiegen.

Eine Erfolgsgeschichte für den Schweizer Tourismus könnte man meinen, doch so einfach ist es nicht. In der Branche tobt derzeit ein giftiger Streit um das Touristen-GA. Grund dafür sind die Schilthorn-Bahn im Berner Oberland sowie die Stanserhorn- und die Brunni-Bahnen in der Zen­tralschweiz. Die drei Unternehmen akzeptieren seit gut einem Jahr den Swiss Travel Pass; Touristen fahren damit kostenfrei auf das Schilthorn, das Stanserhorn und das Brunni. Das ist aussergewöhnlich, denn normalerweise orientiert sich der Swiss-Travel- Pass am regulären GA. Damit ­wären Bahn, Bus, Tram und Schiff bis zu den Ferienorten gratis, Ausflüge in die Berge kosteten extra. So ist es denn auch bei der Konkurrenz: Will ein Tourist mit dem Swiss-Travel-Pass auf den Titlis, bezahlt er die Hälfte des Preises; beim Jungfraujoch ist es 75 Prozent des Originalpreises.

Mitbewerber beklagen unsolidarisches Verhalten

Dementsprechend sauer sind die Bahnen über das Gratisangebot ihrer Konkurrenz. «Das Dumpingangebot unserer Mitbewerber macht den Markt kaputt», ärgert sich der Direktor der Jungfrau-Bahnen, Urs Kessler. Er beklagt ein unsolidarisches und unfaires Verhalten der drei Bergbahnen. «Die Zahlungsbereitschaft der Reisenden wäre ­vorhanden», sagt Kessler. «Doch wenn es ein Gratisangebot gleich um die Ecke gibt, ist es klar, dass sie dieses nutzen.»

Die leidtragenden Bahnen haben vergangenen Sommer die Tarifgemeinschaft «Direkter Verkehr Schweiz» angerufen, die prompt entschied, die Schilthorn-, Stanserhorn- und Brunni-Bahnen aus dem Swiss-Travel-Pass auszuschliessen. Der Beschluss war allerdings von kurzer Dauer. Im November beurteilte das Bundesamt für Verkehr den Ausschluss für unverhältnismässig und hob ihn auf. Damit haben ausländische Touristen mit ihrem GA auf den drei genannten Bahnen auf unbestimmte Zeit weiterhin freie Fahrt.

Rechtsstreit bedroht Zukunft des Touristen-GA

Dies lassen die unterlegenen Unternehmen nicht auf sich sitzen. Die Tarifgemeinschaft «Direkter Verkehr Schweiz» hat ­inzwischen Rekurs gegen den Entscheid eingelegt. «Was das Bundesamt entschieden hat, ist nicht nur unverständlich, sondern auch ein unverhältnismässiger Eingriff in unsere Tarifhoheit», sagt der Geschäftsführer der Titlis-Bahnen, Norbert Patt. Auch er beklagt eine «inakzeptable Rosinenpickerei» der Konkurrenz. Mit Blick auf die Brunni-Bahnen sagt er: «Wenn der Tourist in Engelberg steht und die Wahl hat zwischen einer Bergfahrt für 0 Franken und einer für 46 Franken, wird er sich die Fahrt mit uns zweimal überlegen.»

Die unterlegenen Bergbahnen gehen nicht nur juristisch gegen die drei widerspenstigen Unternehmen vor. Per 1. Juni wollen sie auch in den Swiss-Travel-Pass aufgenommen werden. Die Titlis-Bahnen, die JungfrauBahnen sowie die Zermatt-Bergbahnen haben bei der Tarifgemeinschaft «Direkter Verkehr Schweiz» ein Aufnahmegesuch gestellt. «Wir finden das zwar ­einen Irrsinn, aber wir sind dazu gezwungen», sagt Patt. Seine Sorge ist: Je mehr Bahnen dem Swiss-Travel-Pass beitreten, desto kleiner wird die Ausschüttung pro Firma aus dem gemeinsamen Topf. «Wir werden nicht umhinkommen, den Preis des Swiss-Travel-Passes zu erhöhen, wenn die drei Bergbahnen nicht zur Vernunft kommen», sagt Patt. Damit drohe der Ruin eines Erfolgprodukts.

Profitiert haben im vergangenen Jahr die Schilthorn-Bahnen. Die Berner Kantonalbank hat für das vergangene Jahr errechnet, dass dank dem Touristen-GA bis im August 40000 zusätzliche Touristen auf den Berg fanden.

Und doch sagt Direktor Christoph Egger: «Ich kann den Rummel nicht nachvollziehen.» Er weist darauf hin, dass die Tariforganisation «Direkter Verkehr Schweiz» die Aufnahme im Jahr 2017 regelkonform gutgeheissen habe. «Ich verstehe deshalb nicht, weshalb man nun plötzlich so aggressiv gegen uns vorgeht», sagt Egger. Einst hätten auch andere Bergbahnen wie der Pilatus beim Swiss-Travel-Pass mitgemacht, verteidigt er sich. Mit Blick auf die JungfrauBahnen sagt er: «Dass bis vor kurzem die Fahrt auf die Schynige Platte ebenfalls im Touristen-GA inbegriffen war, macht die Kritik nicht glaubwürdiger.» Egger gibt sich unbesorgt: «Wenn weitere Unternehmen beim Tarif mitmachen wollen, sollen sie das tun. Der Kuchen ist genug gross für alle.» Kessler von den Jungfrau-Bahnen weist den Vergleich mit der Schynige Platte zurück. Es sei damals darum gegangen, die Reisenden vor dem Schwarzfahren zu schützen, weil viele dachten, die Fahrt auf die Schynige Platte gehöre zur Oberland-Bahn, die beim Swiss-Travel-Pass inklusive sei. «Nun geht es jedoch um Anbieter ganz anderer Grösse, das ist ein völlig anderer Fall.»

Schweizer GA-Besitzer fahren schlechter

Lieber als über die Schynige Platte spricht Kessler über eine Benachteiligung der Schweizerinnen und Schweizer. Es sei diskriminierend, dass GA-Besitzer für eine Bergbahn bezahlen und für ihre Kinder zusätzlich eine Familienkarte kaufen müssten, die Touristen aber nicht, sagt er. «Das ist umso stossender, als dass sie als Steuerzahler bereits die Infrastruktur bezahlen, welche die ausländischen Touristen unentgeltlich benutzen können.»

Der Tarifverbund «Direkter Verkehr Schweiz» teilt mit, dass Gespräche mit allen Beteiligten laufen, «damit möglichst eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann». Wer mit den Parteien redet, merkt indes: ­Allzu grosse Hoffnung auf diese «einvernehmliche Lösung» sollte man sich nicht machen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.