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Benachteiligt die ETH Studenten mit einer Behinderung?

Die Hochschule wollte einen beeinträchtigten Mann nicht zulassen – und muss nun zahlen. Das ist kein Einzelfall.
Yannick Nock
Wer darf an der Elite-Universität studieren? Bild: Keystone

Wer darf an der Elite-Universität studieren? Bild: Keystone

Wie lange darf ein Studium dauern? Zehn Jahre offenbar nicht. Jürg Brechbühl meldet sich im März 2018 bei der ETH Zürich für ein Masterstudium an. Doch die Hochschule lehnte ihn ab. Die Begründung: Sein Studium würde wegen seiner Behinderung zu lange dauern – nämlich über zehn Jahre. Der 55-Jährige ist invalide, seit er bei einem Autounfall eine Hirnverletzung erlitt. «Die ETH will Behinderten nicht als Student», titelte daraufhin die Pendlerzeitung «20 Minuten».

Doch Brechbühl wehrte sich gegen den Entscheid – und bekam von der Beschwerdekommission der ETH recht. Seit diesem Semester ist er immatrikuliert und erhielt zudem eine Entschädigung von 10 000 Franken. Doch: Handelt es sich dabei nur um einen kuriosen Einzelfall oder kommen solche Beschwerden an Hochschulen öfter vor?

An fast jeder Hochschule gibt es Probleme

Der Dachverband der Behindertenorganisationen, Inclusion Handicap, gibt eine deutliche Antwort: Solche Fälle gäbe es in der ganzen Schweiz. «Jährlich erreichen uns mehrere Anfragen von Studierenden, die Hilfe benötigen», sagt Caroline Hess-Klein, Leiterin der Abteilung Gleichstellung. «Menschen mit Behinderung dürfen nicht pauschal von einem Studium ausgeschlossen werden», sagt sie. Doch nicht alle Universitäten seien sich dessen bewusst.

Jürg Brechbühl ist nun Student an der ETH Zürich. Bild: zvg

Jürg Brechbühl ist nun Student an der ETH Zürich. Bild: zvg

Zur Kompensation müssten teils Massnahmen ergriffen werden: Neben der Dauer des Studiums geht es oft um separate Räume während einer Klausur oder um mehr Zeit für eine Prüfung. Selbst wenn die Studierenden als Folge ihrer Behinderung lediglich zehn Minuten mehr Zeit benötigen würden, hätten manche Hochschulen ein Problem damit, sagt Hess-Klein.

50 behinderte Personen erhalten einen Ausgleich

Einiges hat sich an den Hochschulen aber bereits getan. Für Menschen mit Beeinträchtigungen werden individuelle Massnahmen getroffen – auch an der ETH. Rund 50 Personen erhalten zurzeit einen Nachteilsausgleich für Leistungskontrollen. Die Zahl der Anträge ist in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen, von einem auf rund 40 jährlich.

Der Fall Brechbühl ist laut ETH aber ein Spezieller. Da der Mann gemäss eines älteren Arztzeugnis bei einer Studierfähigkeit von 20 Prozent ist, würde sein Masterstudium zehn Jahre dauern. An der ETH ist der Master aber auf vier Jahre beschränkt. Beim Abschluss des Studiums wäre er zudem über 65 Jahre alt. Die Beschwerdekommission der ETH hält in ihrem Urteil allerdings fest, dass Brechbühl gemäss Abklärungen mehr als die Hälfte der notwendigen Studienleistung pro Semester erbringen kann.

Seit Jahren machen Politik und Wirtschaft Druck auf die Universitäten, um «ewigen Studenten» zu vermeiden. Dieses Ziel verfolgen auch die Hochschulen. «Wir möchten, dass unsere Studierenden möglichst zeitnahe ihren Abschluss machen», sagt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich. Doch es gäbe Sonderfälle: «Menschen mit einer Behinderung wollen wir eine massgeschneiderte Lösung bieten», sagt er. Nicht weil es sich bei den Hochschulen um Wohlfühloasen handle, sondern weil es rechtens sei.

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