Bekannter Revisor unter Druck

Der Wirtschaftsprüfer Daniel Senn hat die Finanztransaktionen von Philipp Hildebrand untersucht. Nun ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen ihn.

Tobias Bär
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BERN. Am 7. März 2012 präsentierte Daniel Senn die Ergebnisse eines Prüfberichts zum Nationalbank-Direktorium. Senn war damals Geschäftsleitungsmitglied der Revisionsgesellschaft KPMG. Es ging im Nachgang zur Hildebrand-Affäre um die Frage, ob SNB-Exponenten wie der jetzige Präsident Thomas Jordan unerlaubte Finanztransaktionen durchgeführt hatten. Senn hielt fest, es seien keine Richtlinien verletzt worden.

Vorwurf des Insiderhandels

Dass der in Frauenfeld wohnhafte Senn mit der Untersuchung beauftragt worden war, brachte den SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli auf die Palme. Der Revisor stehe in Verbindung mit der Bank Sarasin, wo auch Philipp Hildebrand ein Konto hatte, so Mörgelis Vorwurf.

Im Januar 2014 geriet Senn dann auch ins Visier der Justiz. Die Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde reichte bei der Staatsanwaltschaft Frauenfeld Strafanzeige gegen ihn ein. Sie wirft Senn unter anderem «Ausnützen der Kenntnis vertraulicher Tatsachen», also Insiderhandel, vor. Dies geht aus einem Beschluss des Bundesstrafgerichts vom Juni hervor, über den die NZZ am Sonntag berichtet hatte. Gleichzeitig entzog die Aufsichtsbehörde Senn die Berufszulassung als Revisor bis 2017. Dagegen wehrte sich Senn erst vor Bundesverwaltungsgericht, verzichtete dann aber doch auf die Zulassung.

Gegen Senn ermittelt aber auch die Bundesanwaltschaft (BA), wie eine Sprecherin gestern bestätigte. Zum Inhalt des Strafverfahrens schweigt sich die BA aus, es gilt die Unschuldsvermutung. Zudem hat die Strafverfolgungsbehörde des Bundes auch das Verfahren der Staatsanwaltschaft Frauenfeld übernommen. Christoph Mörgeli wollte bereits im März von der Bundesanwaltschaft wissen, ob gegen Senn ein Verfahren wegen Insiderhandels läuft. Mit Verweis auf das Untersuchungsgeheimnis wurde ihm die Auskunft verwehrt.

Senn heute selbständig

Weder er noch sein Anwalt hätten Kenntnis von einem Verfahren der BA, sagte Senn gestern auf Anfrage. Nachdem er 2013 – offiziell auf eigenen Wunsch – aus der KPMG-Geschäftsleitung ausgeschieden ist, betreibt Senn heute eine eigene Beratungsgesellschaft.

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