Bei Dieselautos hapert es mit dem Umweltschutz

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Abgas In einer ihrer jüngsten Untersuchungen bestätigt die Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), was seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals um den VW-Konzern 2015 befürchtet wurde. Autos mit Dieselantrieb sind entgegen der früheren Anpreisungen der Autobranche nur vermeintlich die umweltfreundlicherer Alternative.

Die Testergebnisse zeigen, dass gewisse aktuelle Automodelle ein Vielfaches des Grenzwerts an Schadstoffen ausstossen. So etwa der Renault Mégane Diesel aus der Serie von 2016: Beim Auto wurden bis 1300 Milligramm Stickoxide pro Kilometer am Auspuff gemessen – ungefähr soviel wie bei einem 10 bis 15 Jahre älteren Diesel. Neue Modelle dürfen ab Oktober dieses Jahres nur noch 170 Milligramm pro Kilometer ausstossen. Die grosse Diskrepanz zwischen den Zulassungsvorschriften und den realen Abgasemissionen sind auf die Messmethode zurückzuführen. Die Empa hat den Ausstoss im echten Strassenverkehr gemessen – in der Industrie sind Tests auf Rollbahnen die Regel.

Die betroffenen Modelle dürfen noch bis 2019 weiterproduziert werden.

Umweltzonen erneut im Gespräch

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) hat auf die neuesten Messungen reagiert und in einem Brief an Bundesrätin Doris Leuthard Forderungen formuliert. Dazu zählt, dass alte sowie neue Modelle die neuen verschärften Zulassungstests mit Strassenmessung bestehen müssen.

In diesem Zusammenhang wird die Idee von Umweltzonen wieder aufs Tapet gebracht. Dabei sollen nur Autos mit geringem Schadstoffausstoss in bestimmte Zonen – wie etwa Innenstädte – fahren dürfen. In Deutschland existieren derartige Regimes, welche durch verschiedenfarbige Vignetten durchgesetzt werden. In der Schweiz hatte 2010 der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger mit einer ähnlichen Idee keinen Erfolg.

Gegen derartige Versuche wehrt sich Thierry Burkart, Aargauer FDP-Nationalrat und Vizepräsident des Touring Club Schweiz (TCS). Tests in Deutschland hätten bewiesen «dass Umweltzonen keinen Vorteil in Bezug auf die Umweltbelastung bringen», sagt er dem «Echo der Zeit» von Radio SRF. Erstaunlich: Auf dem Internetauftritt des TCS ist der Ton gegenüber Umweltzonen deutlich milder. Unter den Reiseinfos, wo sich Autofahrer über die Gegebenheiten im Ausland kundig machen können, steht dort: «Umweltschutz ist wichtig. Darum richten immer mehr Städte in Europa Umweltzonen ein, um die Belastung zu verringern.»

Zu grosse Hoffnung auf Elektroautos

Gemeinhin herrscht die Hoffnung vor, dass die Umweltverschmutzung durch den Vormarsch der Elektroautos reduziert werden könnte. Doch der Trend entwickelt sich langsamer als angenommen.

Zwar verdoppelte sich im Jahr 2016 die Zahl der elektrisch betriebenen Fahrzeuge weltweit auf den Rekordwert zwei Millionen, wie die Internationale Energie Agentur (IEA) gestern mitgeteilt hat. Doch der Anteil dieser Fahrzeuge am Gesamtbestand der Autos macht damit immer noch nur 0,2 Prozent aus – mit entsprechend geringem Einfluss auf den Klimawandel.

«Um die Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu erreichen, müsste die Zahl der Elek­troautos bis 2040 auf 600 Mil­lionen steigen», heisst es seitens der IEA.

Sasa Rasic