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Bei der Atomlobby gehen die Lichter aus

Das absehbare Ende der Atomkraft in der Schweiz ist auch das Ende der Aves. Der ehemals einflussreiche Lobbyverband für die Kernenergie hat sich still und heimlich aufgelöst.
Roger Braun
Eines von fünf Atomkraftwerken in der Schweiz: das Kernkraftwerk Leibstadt. (Bild: Alessandro della Bella / Keystone, 28. Mai 2011).

Eines von fünf Atomkraftwerken in der Schweiz: das Kernkraftwerk Leibstadt. (Bild: Alessandro della Bella / Keystone, 28. Mai 2011).

Die Aves ist nicht mehr. Unbeachtet von der Öffentlichkeit, haben die Delegierten der «Aktion für eine vernünftige Energiepolitik» vergangenen Samstag beschlossen, den Verein aufzulösen. Die Art und Weise, wie die Aves aus der Bundespolitik ausscheidet, ist bezeichnend für den Niedergang der einst einflussreichen Lobbyorganisation.

Bis heute hat die Aves ihre Auflösung nicht kommuniziert. Zwei unabhängige Quellen bestätigen indes das Ende. Aves-Geschäftsführer Simon Aeschlimann sagt, er könne sich derzeit nicht äussern. Die Entscheide der Delegierten würden den Medien aber noch mitgeteilt. Wie aus anderer Quelle zu erfahren ist, soll eine entsprechende Mitteilung nächsten Dienstag verschickt werden – eineinhalb Wochen nachdem das Ende besiegelt wurde.

Symptomatisch auch: Einzelne angefragte Vorstandsmitglieder wussten selbst nicht, ob die Delegierten die Auflösung beschlossen hatten. Sie waren weder an der Versammlung noch wurden sie über das Ende orientiert.

Kurioses Ende eines einst mächtigen Verbands

Das ist ein bitterer Schlusspunkt für eine Organisation, die einst das grosse Feindbild der Atomgegner war. Auf dem Höhepunkt gehörten über 100 Bundesparlamentarier der Vereinigung an. «Die Atomlobby hat das Parlament fest im Griff», titelten die Medien noch im Jahr 2011, als die Stromkonzerne für ein neues Atomkraftwerk lobbyierten. Dann kam der Reaktorunfall im japanischen Fukushima – und nicht nur der Stern der Atomenergie, sondern auch derjenige von Aves begann zu sinken.

Die CVP wandelte sich unter ihrer Bundesrätin Doris Leuthard zur Ausstiegsbefürworterin, auch bei der FDP wagte sich bald niemand mehr, zur Atomkraft zu stehen. Zuletzt gehörten der Organisation noch 38 Bundesparlamentarier an; zwei Drittel davon aus der SVP.

Energiestrategie wurde Aves zum Verhängnis

Den definitiven Untergang besiegelte schliesslich die Stimmbevölkerung. Als es im Mai vergangenen Jahres Ja zum Energiegesetz sagte, verbot es auch den Bau neuer Atomkraftwerke. Die Aves hatte zwar stets betont, dass sie sich nicht nur für die Atomkraft, sondern generell für günstigen Strom einsetze.

In der Öffentlichkeit jedoch steckte die Aves in der Ecke der Atomlobby fest. Ein Delegierter sagt: «Unter dem Namen Aves ergab unser Engagement schlicht keinen Sinn mehr.»

Regionalgruppen gehen unterschiedliche Wege

Der nationale Dachverband unter der Führung von SVP-Präsident Albert Rösti ist damit Geschichte. Nicht direkt betroffen sind die 19 Regionalgruppen der Aves. Viele von ihnen werden den Betrieb ebenfalls einstellen, andere werden vorerst unter dem bisherigen Namen weitermachen. Nochmals andere werden sich dem «Energie Club Schweiz» anschliessen.

Dieser wurde am 26. Februar dieses Jahres gegründet und setzt sich laut Statuten für eine «liberale, marktwirtschaftliche und verursachergerechte Umsetzung der Energiepolitik ohne Subventionen» ein.

Diese Stossrichtung klingt Aves-Mitgliedern vertraut. Trotzdem dürfte es sich nicht um eine neu verpackte Aves handeln. Im Vorstand des Vereins sitzen keine Politiker mehr, sondern vorwiegend Naturwissenschafter. Des Weiteren will sich der Verband auch für «den Schutz von Umwelt und Landschaft» einsetzen.

Angesichts der diffusen Positionierung zögern viele Regionalgruppen, dem neuen Verein beizutreten. Der Präsident der Zürcher Aves-Sektion, Martin Arnold, etwa sagt: «Der Energie Club Schweiz ist für uns noch zu wenig fassbar. Wir werden vorerst als Aves weiter fahren.» Der harte Kern der Aves-Mitglieder dürfte sich zudem einen Übertritt zum Verein Kettenreaktion oder zum Nuklearforum überlegen. Beide setzen sich bis heute für die Atomenergie in der Schweiz ein.

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