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Behörden fürchten Widerstand der Fussball-Fans

Trotz mehrerer Vorfälle mit Chaoten setzen die Behörden die Instrumente des Hooligan-Konkordats nur zurückhaltend ein. Schärfere Massnahmen wären möglich, doch die Sache hat einen Haken.
Maja Briner
Unschöne Szene am vergangenen Wochenende beim Spiel zwischen Lausanne und Thun. Anhänger des Westschweizer Fussballklubs stürmen aufs Feld und sorgen dafür, dass das Spiel später abgebrochen wurde. Bild: Keystone

Unschöne Szene am vergangenen Wochenende beim Spiel zwischen Lausanne und Thun. Anhänger des Westschweizer Fussballklubs stürmen aufs Feld und sorgen dafür, dass das Spiel später abgebrochen wurde. Bild: Keystone

Wenn heute Samstag die Super-League-Saison endet, bleiben nicht nur sportliche Höhepunkte in Erinnerung, sondern auch unschöne Vorfälle neben dem Rasen: In Zürich attackierten Hooligans kürzlich Polizisten, in Lausanne provozierten sie einen Spielabbruch. Und in einem Extrazug fühlten sich Zugbegleiter Anfang Monat von Fans dermassen bedroht, dass sie die Notbremse zogen und den Zug fluchtartig verliessen.

Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) zieht zum Thema Hooligans eine durchzogene Bilanz. «Der Dialog zwischen den Clubs, der SBB und den Bewilligungsbehörden funktioniert deutlich besser als früher, das Schwarzpeterspiel ist vorbei», erklärt Generalsekretär Roger Schneeberger. «Aber es bleibt schwierig. Gerade diese Saison gab es einige heftige Ausreisser, die nicht zu tolerieren sind.»

Gezielte Massnahmen

Zum «Hotspot» hätten sich die Transporte entwickelt, sagt Schneeberger. Die Arbeitsgruppe Bewilligungsbehörden werde dieses Thema kommende Woche diskutieren. Eine weitere Verschärfung des Hooligan-Konkordats ist bei der KKJPD jedoch kein Thema. «Das Konkordat bietet genügend Instrumente, die Behörden setzen sie bislang ­­aber zurückhaltend ein», so der KKJPD-Generalsekretär.

Statt neuer Auflagen für alle Super-League-Clubs brauche es gezielte Massnahmen für den Einzelfall. «Die Behörden könnten bei einzelnen Spielen zum Beispiel ein Kombiticket verlangen», sagt Schneeberger. Das funktioniere in anderen Ländern gut.

Kombitickets, das bedeutet: Bei Auswärtsspielen werden die Fans mit organisierten Transporten direkt zum Stadion gebracht – und nur wer so anreist, darf in den Gästesektor. So sollen Begegnungen zwischen gegnerischen Fans verhindert werden.

Grosser Widerstand der Fans

Kombitickets sind äusserst umstritten, selbst das Bundesgericht musste sich schon damit beschäftigen. Es hiess die Massnahme vor vier Jahren gut. Zur Anwendung kam sie seither aber nie – auch wegen des Widerstands der Fans. Christian Wandeler, ­Geschäftsleiter von Fanarbeit Schweiz, sagt: «Beim Kombiticket wissen wir heute schon, dass die Umsetzung sehr schwierig wäre, da die Akzeptanz der Fans nicht vorhanden ist.»

Wandeler geht davon aus, dass Fans auf die normalen Züge ausweichen würden. Sie würden dann zwar nicht mehr in den Gästesektor zugelassen, doch könnte man sie kaum daran hindern, sich einen anderen Platz im Stadion zu besorgen. Kritiker befürchten daher, dass die Massnahme kontraproduktiv sein könnte.

Städte winken ab

Bei den zuständigen Behörden sind Kombitickets oder andere schärfere Konkordatsauflagen derzeit kein Thema, wie es aus Zürich, Basel, Luzern und St. Gallen unisono heisst. «Der Widerstand der Fans sowie der Clubs gegen die Verfügung von Kombitickets ist in der Schweiz gross, ­zudem ist diese Massnahme mit einem erheblichen Aufwand verbunden», erklärt etwa Robert Soos, Sprecher des Stadtzürcher Sicherheitsdepartements. Zudem machen den Zürcher Behörden aktuell nicht auswärtige Fans Sorgen, sondern gewaltbereite Gruppierungen der stadteigenen Clubs FCZ und GC. Die Stadt hat deswegen bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

Auch andere Städte mit Super-League-Clubs lehnen Kombitickets derzeit ab. In St. Gallen wurde 2012 zwar bereits einmal bei einem Spiel des SC Brühl gegen Aarau verfügt, dass die Gästefans mit Reise­bussen anreisen mussten. Im Moment sind solche Massnahmen ­jedoch kein Thema mehr. «In St. Gallen hatten wir seit längerem keine grösseren Zwischenfälle mehr», erklärt Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Für die kommende Saison seien deshalb aktuell keine weiteren Auflagen angedacht.

Ähnlich klingt es in Luzern. «Aktuell sehen wir keinen ­Bedarf, weitere Massnahmen zu ­ergreifen», sagt Maurice Illi, Sicherheitsmanager der Stadt Luzern und Vorstandsmitglied von Fanarbeit Luzern. Gröbere Vorfälle habe es in der letzten Saison keine gegeben. In den FCL-Extrazügen sorgen seit 2016 FCL-Fans selbst für Ruhe und ­Ordnung, SBB-Zugbegleiter sind keine mehr an Bord. «Das funktioniert gut», sagt Illi.

Cupfinal wird zur Nagelprobe

Noch ist die Schweizer Fussballsaison nicht ganz zu Ende: Am kommenden Sonntag spielen die Young Boys und der FC Zürich um den Schweizer Cup. 2014 war es beim Cupfinal zwischen FC Basel und FCZ in Bern zu wüsten Szenen gekommen, bei Fan­märschen waren Schaufenster in die Brüche gegangen.

Dennoch heisst es nun bei der Stadt Bern, für den Cupfinal würden nicht schärfere Massnahmen verfügt, auch Kombitickets sind kein Thema. Klar ist indes: Kommt es zu Ausschreitungen, steigt der politische Druck, strengere Auflagen zu verhängen – zu Lasten der vielen friedlichen Fans.

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